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Stiftung Warentest vs. Ritter Sport Voll auf die Nuss

Im Rechtsstreit von Stiftung Warentest und Schokohersteller Ritter Sport müssen die Warentester wahrscheinlich abermals einen Niederlage einstecken. Die Richterin übt harsche Kritik an den Methoden der Tester.

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Schokolade des Anstoßes: Die Ritter Sport-Voll Nuss.

Der Stiftung Warentest steht im Streit mit dem Schokoladenhersteller Ritter Sport eine herbe Niederlage bevor. Beim heutigen Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat Richterin Eva Spangler, Vorsitzende des Pressesenats, die Berliner Stiftung abblitzen lassen. Das Urteil ergeht zwar erst am Dienstagnachmittag, aber schon in ihrem Vortrag am Morgen hat die Richterin das Unterlassensbegehren des Schokoladenherstellers zu allen Formulierungen des strittigen Testberichts (es ging um eine Nuss-Schokolade) bestätigt.

Somit ist es Stiftung Warentest weiterhin verboten, die Qualität der Vollnuss-Schokolade von Ritter Sport als "mangelhaft" zu bezeichnen.

Ritter Sport: Aroma oder natürliches Aroma?

Nun könnten beide Seiten ein Hauptsacheverfahren anstrengen. Das Unternehmen Alfred Ritter aus dem schwäbischen Waldenbuch und ihr Aromalieferant Symrise aus Holzminden (Nebenkläger) könnten gegebenenfalls Schadenersatz verlangen. „Das heutige Urteil wäre da sicherlich hilfreich", sagte Symrise-Chefjurist Markus Sattler, will aber die genaue Urteilsbegründung abwarten. Symrise werde ohnehin nicht Treiber eines solchen Verfahrens sein.

Im Fokus stehe Ritter Sport mit etwaigen Umsatzausfällen im Nachgang des Testberichts. Beide Firmen hätten jedoch auch Anwaltskosten geltend zu machen und zusätzlichen Aufwand im Rahmen eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens, das die Lebensmittelüberwachung auf den Plan gerufen und "viel Staub aufgewirbelt" habe, sagte Sattler. Dieses Verfahren sei inzwischen eingestellt.

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    Einstweilige Verfügung

    Die Stiftung Warentest hatte 2013 im Dezemberheft ihrer Zeitschrift "Test" sowie im Internet Schokoladenqualitäten verglichen und die Ritter-Sport-Schokolade Voll-Nuss mit "mangelhaft" bewertet. Dem Hersteller, der für sich in Anspruch nimmt nur natürliche Zutaten zu verwenden, warf sie eine Falschdeklaration seines Produktes vor, da die besagte Sorte den Aromastoff Piperonal enthalte, der nur künstlich hergestellt werden könne.

    Ritter Sport beharrte auf einem geheimnisvollen natürlichen Herstellungsprozess und erwirkte (vertreten durch die Kanzlei Gleiss Lutz) eine einstweilige Verfügung gegen mehrere Formulierungen des Testberichts. Diese Verfügung wurde Ende November 2013 vom Landgericht München I bestätigt.

    Das war schon damals eine Sensation, da die Stiftung Warentest sich bei einstweiligen Verfügungen bisher oft gegen klagende Unternehmer durchgesetzt hat - spätestens im Hauptsacheverfahren - und noch nie rechtskräftig Schadenersatz gezahlt hat.

    So musste etwa die Andechser Molkerei Scheitz im Frühjahr 2009 vor dem OLG Karlsruhe ihre einstweilige Verfügung kassieren: Die Stiftung hatte die Andechser Sauerrahmbutter mit mangelhaft bewertet, weil sie angeblich nicht genügend Milchsäurebakterien enthielt, wogegen Molkereibesitzerin Barbara Scheitz wie eine Löwin gekämpft hatte - am Ende erfolglos.

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