Tönnies Die Schlacht der Metzger um zwei Grundstücke

Am Montag kommt es zum Showdown im Familienzwist beim größten deutschen Fleischkonzern. Brisante Vorgänge um den Kauf von Immobilien könnten dem Konflikt zwischen Onkel und Neffe die Wende bringen.

Tönnies Quelle: dpa

Der Aufruf zum Showdown kommt von Amts wegen: Jörg Schröder, Vorsitzender Richter am Bielefelder Landgericht, hat persönliches Erscheinen angeordnet. Damit stehen sich am Montag, 7. März, Clemens Tönnies, der Chef des gleichnamigen Fleischkonzerns und Schalke-04-Boss, sowie sein Neffe Robert Tönnies erneut vor Gericht gegenüber.

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Seit Jahren verfolgt die Öffentlichkeit die Fehde der beiden um die Mehrheit an dem 5,6 Milliarden Euro schweren Fleischkonzern in Rheda-Wiedenbrück, der dem Onkel und dem Neffen zu gleichen Teilen gehört. Doch nun schlägt Richter Schröder ein bislang weitgehend unbeleuchtetes Kapitel auf, das den Ausgang des Streits maßgeblich beeinflussen könnte. Thema vor Gericht soll nun der Familienstreit um den „Komplex Heuweg-Center“ sein, heißt es in einem Schreiben des Gerichts, das der WirtschaftsWoche vorliegt.

7,5 Millionen Euro Streitwert

Zum Heuweg-Center gehören zwei Grundstücke in Weißenfels bei Leipzig, eines davon ist mit einem Einkaufscenter bebaut. Die Grundstücke hatten Clemens Tönnies und sein 1994 verstorbener Bruder Bernd, der Vater von Robert Tönnies, 1990 gekauft. Clemens Tönnies soll Roberts Mutter, die den überwiegenden Teil der Grundstücke geerbt hatte, beim Verkauf dieser Immobilien 1996 vorsätzlich und massiv geschädigt haben. Davon jedenfalls will Robert das Gericht überzeugen.

Hinter dem Vorwurf steckt mehr als der Streit um einige Millionen Euro. Robert sieht in der angeblichen Schädigung seiner Mutter einen weiteren Hebel, von Clemens Tönnies einen fünfprozentigen Anteil am Schlachtkonzern zurückzubekommen. Roberts Vater und sein Onkel Clemens hatten das Unternehmen 1971 zwar gemeinsam gegründet. Doch die Familie von Roberts Vater hatte die Mehrheit an der Firma. 2008 ließ sich Robert von Clemens breitschlagen und schenkte ihm fünf Prozent der Anteile. Seitdem halten Neffe und Onkel je 50 Prozent – und der 23 Jahre ältere Schalke-Boss bestimmte den Kurs des Konzerns.

Robert will diese Schenkung seit rund vier Jahren widerrufen und wirft Clemens wo immer möglich vor, sich undankbar verhalten und damit die Fünf-Prozent-Gabe verwirkt zu haben. Bisher jedoch scheiterte Robert damit. Die Wende zu seinen Gunsten soll nun das Heuweg-Center bringen.

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