Übernahmen Deutschlands Mittelstand verabschiedet sich nach China

Immer mehr chinesische Unternehmen kaufen deutsche Mittelständler. Die Übernahme durch Fernost ist oft das geringere Übel - wäre da nicht der große Einfluss des chinesischen Staates.

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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Chinas Einkaufstour in Deutschland geht weiter. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der deutsche Mittelständler Aweco an das börsennotierte chinesische Unternehmen Sanhua verkauft wird. Der Kaufpreis des Allgäuer Unternehmens aus Neukirch am Bodensee mit einen Umsatz von 110 Millionen Euro liegt zwischen 21,9 und 55 Millionen Euro. Der exakte Wert hängt vom Erfolg in den nächsten zwei Jahren ab.

Der börsennotierte Mischkonzern aus China produziert vor allem Komponenten für Kühlschränke und Klimaanlagen und hatte bereits im Mai 2011 die Kühlschranksparte von Aweco übernommen. Sanhua machte 2011 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und beschäftigt weltweit über 6000 Mitarbeiter. Es ist die jüngste, aber sicher nicht die letzte Übernahme eines deutschen Mittelständlers durch ein chinesisches Unternehmen.

China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro

Laut einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers nehmen die Investitionen Chinas in Europa zu. Im ersten Quartal 2012 belief sich der Wert von Merger&Aquisitions auf vier Milliarden Euro. Auf das Jahr hochgerechnet beträgt das Übernahmevolumen 16 Milliarden Euro. Weitaus weniger Geld fließt in die entgegengesetzte Richtung: So betrug das Übernahmevolumen europäischer Unternehmen in China im ersten Quartal 2012 lediglich 1,8 Milliarden Euro. Deutschland ist dabei das begehrteste Ziel: 28 Prozent der Transaktionen betrafen deutsche Unternehmen, gefolgt von britischen, französischen und italienischen.

Ängste vor China sind oft unbegründet

Während sich in der Vergangenheit die chinesische Investitionspolitik stark auf den Energiesektor konzentrierte, sichern sich jedoch mittlerweile zunehmend private chinesische Investoren über Zukäufe industrielles Know-how und den Marktzugang nach Europa, heißt es in der Pwc-Studie. "Europäische Unternehmen sind aufgrund der Krise momentan günstig", sagt Edward Tse von der Unternehmensberatung Booz in Shanghai. "Deutsche Mittelständler sind wegen ihrer Technologie besonders interessant."

Dass gerade viele deutsche Hidden Champions zum Verkauf stehen, liegt an drei Faktoren: Zum einen leiden viele Unternehmen an einer Unterkapitalisierung. Viele Banken sind vorsichtig bei der Kreditvergabe. Die Nachfrageschwäche in Europa tut ihr Übriges. "Hinzu kommt eine Nachfolgeproblematik", sagt Georg Stieler von der Unternehmensberatung STM in Shanghai. "Viele Erben verkaufen lieber, als das Unternehmen weiterzuführen." 

Als im Januar dieses Jahres der deutsche Betonmaschinenbauer Putzmeister vom chinesischen Konkurrenten Sany übernommen wurde, war dies für manche Mittelständler ein Schock. Ein Jahr zuvor hatte der - damals noch Konkurrent - den Deutschen den Rang als Weltmarktführer abgelaufen. Solche Nachrichten wecken Ängste. "Ausverkauf des deutschen Mittelstands", ist ein Kampfbegriff, der immer wieder in der Presse auftaucht. Im Hinterkopf der Deutschen dämmern Geschichten von heuschreckenartigen Überfällen, bei denen Chinesen ganze Fabriken abmontieren und nach China bringen. Oft aber sind die Ängste unbegründet.

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