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Umstrittener Investor Das schillernde Leben des Lars Windhorst

Lars Windhorst möchte aus der Geisterstadt ein lebenswertes Zuhause machen. Quelle: imago images

Lars Windhorst war Kohls Wirtschaftswunder-Knabe – dann stürzte er spektakulär ab. Der Mann hat berufliche und private Ziele: Er will zu Deutschlands wichtigsten Investoren zählen. Und: in diesem Jahr heiraten.

Berlin, am vergangenen Montag. Lars Windhorst empfängt die WirtschaftsWoche zum Gespräch in seiner Firma, die im 16. Stock des Internationalen Handelszentrums an der Friedrichstraße residiert. Den Billardtisch neben dem Konferenzraum habe er seit zehn Jahren nicht mehr benutzt, sagt er. Er hat keine Zeit zum Billardspielen. Windhorst ist viel in der Welt unterwegs, um Geld bei Investoren einzusammeln: letzte Woche Abu Dhabi, am Vortag Tel Aviv. Heute Berlin – auch, weil er am Vormittag einen Zahnarzt-Termin hatte. Schmerzen? Nein. „Null Problem.“ In dieser Woche wollte er noch weiter nach Großbritannien und Frankreich. „Physisch und psychisch habe ich ein hohes Energielevel. Vielleicht ist es Glück, vielleicht gute DNA“, sagt Windhorst.

42 Jahre alt ist er jetzt – in seine Karriere hat er wohl mehr erlebt als zahlreiche Top-Manager zusammen. Er wurde als „Wunderkind“ der deutschen Wirtschaft bejubelt, stürzte ab, kam wieder und immer wieder. Auch einen Flugzeug-Absturz 2007 in Kasachstan überlebte er.

Er sucht das Risiko, in dem er in Firmen einsteigt, von denen andere die Finger lassen. Er stopft mit neuen Finanzinstrumenten immer wieder Lücken und löst Altschulden ab. Lars Windhorst will allen zeigen, dass er mit seinen riskanten Projekten nachhaltig operativ erfolgreich ist. Bislang ist er diesen Nachweis schuldig geblieben. Was ihn antreibt? „Mich erfüllt es sehr, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft auf hohem Niveau etwas zu bewegen und zu bewirken. In ganz unterschiedlichen Bereichen, die hoch interessant und komplex sind, wo es intellektuell extrem anspruchsvoll ist, sich auf diese verschiedenen Bereiche auch einzustellen.“

Wer ist dieser Lars Windhorst?

1976 wurde er in im Provinzkaff Rahden, Ostwestfalen, geboren. Ein Fremdkörper in der Provinz, schon als Jugendlicher. Zur Schule ging er mit dem Aktenkoffer, las unter dem Tisch heimlich das Handelsblatt. Mit 14 schraubte er Computer zusammen. Die Teile kaufte er billig von einem chinesischen Händler. Ein Nerd. Bald gründete er erste Firmen.

Bekannt wurde er Mitte der Neunziger Jahre. Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) nahm den damals 18-jährigen Jungunternehmer mit auf eine Reise nach Vietnam. Kohl posierte mit Windhorst für Fotos und lobte ihn als einen „Jungen, der an die Zukunft glaubt“.

Windhorst wurde weltweit gefeiert, etwa als „deutscher Bill Gates“ („Le Figaro“) oder „Genie ohne Führerschein“ („Bunte“). Nervt ihn, Windhorst, das Image als Wunderkind? „Nervt nicht, nee“, sagt er. In seinem Londoner Büro hängt sogar ein Foto, das ihn zusammen mit Kohl zeigt.

Doch der Höhenflug endete damals rasch. 2003 ging die Windhorst AG Pleite, später verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Untreue in 27 Fällen. 2009 folgte die zweite Pleite, diesmal hatte sich Windhorst mit Aktien verzockt. Investoren von einst nannten ihn jetzt einen Betrüger.

Ab 2013 sollte alles anders werden. Lars Windhorst wollte nun ein richtiger Unternehmer werden. Einer, der nachhaltig Erfolg hat. Namhafte Manager versammelte er um sich, die für ein seriöses Image sorgten: Hubertus von Grünberg, der Ex-Chef von ABB, ging in seinen Beirat, genauso wie Berater-Legende Roland Berger oder Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold.

Er unterhält Wohnsitze in der Schweiz, nahe Zürich, und in Monaco. Seine Büros sind in London und Berlin. Für den Weg ins Büro oder zu seinen Geschäftspartnern hat er einen eigenen Jet. Wenn ihn der Londoner Stau nervt, fliegt er mit dem Hubschrauber darüber hinweg. Geschäfte macht er gern auf seiner 74-Meter-Yacht, wo er auch gerne Gesellschaften gibt. Die Fassade stimmt.

Er wollte die Weltmärkte erobern, mit der Firmen aus den Branchen Öl und Gas, Kohle und Landwirtschaft. Wieder einmal fand er Investoren, die ihm Geld gaben. Doch die Firmen laufen schlecht. In diesen Tagen zelebriert Windhorst Neuanfang Nummer vier: Er hat seine Holding Sapinda in Tennor umbenannt. Er macht jetzt in Unterwäsche (La Perla), Schiffen (Flensburger Schiffbau-Gesellschaft), Film (Wildbunch), Immobilien (Civitas), in Kurkuma, Chinoa und Chia-Samen. „Es macht enormen Spaß, diese Vielfalt zu erleben“, schwärmt Windhorst.

Dass es auch mal knapper wurde, bestreitet er nicht. In den Jahren 2016, 2017 etwa. „Da hatten wir auf einmal einen großen finanziellen Engpass.“ Ein fest vereinbartes Geschäft mit einem arabischen Fonds sei nicht zustande gekommen. Investoren seien unruhig geworden. „Das war ein negativer Teufelskreis. Das hat mich neun Monate ziemlich beschäftigt.“ Er habe aber alles zurückgezahlt.

Ein Geschäftspartner sagt über Windhorst, dass er dessen Coolness bewundere. „Ich würde da keine Minute ruhig schlafen.“ Windhorst meint: „Wenn es mal eine schwierige Phase gibt, dann bin ich vielleicht eher als andere oder gar Außenstehende in der Lage, ruhig zu bleiben. Weil ich den Blick auf das große Ganze habe. Und weil ich weiß, was ich an Munition habe, um aus dieser Lage herauszukommen.“

Er hat sich Ziele gesetzt. Ein berufliches: „Mein Ziel ist es, in der Zukunft zu den wichtigsten Investoren in Deutschland zu gehören.“ Und ein privates: „Ich werde in diesem Jahr heiraten.“ Seine Freundin muss wissen, auf welchen Lebensstil und welches Reisepensum sie sich einlässt. „Sie begleitet mich oft.“ Ob die beiden denn auch Kinder wollen? Windhorst grinst. Dann sagt er: „Mal sehen, was passiert.“

Diese Schrott-Immobilie will Windhorst übernehmen
Das Ihme-Zentrum in Hannover wurde am Anfang der 70er Jahre als Stadt in der Stadt erbaut.
Es haben sich schon mehrere Investoren am 285.000 Quadratmeter großen Zentrum versucht.
Windhorst möchte das Zentrum sanieren und für Mieter wieder attraktiv machen.
Die Flächen stehen leer, lediglich ein Teil der rund 860 Wohnungen ist noch bewohnt.
Früher was das Ihme-Zentrum ein Ort zum Wohnen, Arbeiten und Einkaufen.
Kurz nach der Jahrtausendwende zogen die letzten Händler aus.
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