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Umstrittener Investor Das schillernde Leben des Lars Windhorst

Lars Windhorst und seine Ehefrau Christin Quelle: Getty Images

Lars Windhorst war Helmut Kohls Wirtschafts-Wunderkind, dann stürzte er mehrmals spektakulär ab – und stand immer wieder auf. Sein großes Ziel hat der Investor von Hertha BSC noch nicht erreicht.

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Lars Windhorst ist neuerdings ziemlich aktiv bei Twitter. Unter dem Account @LarsWindhorst berichtete er etwa von der Ausstellung „Diversity United“, die er gesponsert hat. Oder wehrt sich gegen „Spekulationen“, nach denen er angeblich zugesagte Gelder für seinen Fußballclub Hertha BSC nicht zahlen kann. „Ich sehe eine Chance darin, mir eine Plattform zu schaffen, über die ich kommunizieren kann“, sagt Windhorst beim Treffen mit der WirtschaftsWoche in Berlin. Die Beleidigungen, die es im Netz gebe, könne er wegstecken.

Da möchte einer die Deutung über sein Wirken und Leben selbst steuern. 44 Jahre ist Lars Windhorst jetzt alt – er hat schon mehr erlebt als zahlreiche Unternehmer zusammen. Als „Wunderkind“ der deutschen Wirtschaft wurde er bejubelt, er stürzte spektakulär ab und kam wieder und immer wieder zurück. Sogar einen Flugzeugabsturz im Jahr 2007 in Kasachstan überlebte er. Der Mann scheint unverwüstlich.

„Genie ohne Führerschein“

Wer ist dieser Lars Windhorst? 1976 wurde er in im Provinzkaff Rahden, Ostwestfalen, geboren. Ein Fremdkörper in der Provinz, schon als Jugendlicher. Zur Schule ging er mit dem Aktenkoffer, las unter dem Tisch heimlich das „Handelsblatt“. Mit 14 schraubte er Computer zusammen. Die Teile kaufte er billig von einem chinesischen Händler. Bald gründete er erste Firmen.

Bekannt wurde er Mitte der Neunzigerjahre. Helmut Kohl nahm den damals 18-jährigen Jungunternehmer mit auf eine Reise nach Vietnam. Kohl posierte mit Windhorst für Fotos und lobte ihn als einen „Jungen, der an die Zukunft glaubt“.

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    Windhorst wurde weltweit gefeiert, etwa als „deutscher Bill Gates“ („Le Figaro“) oder „Genie ohne Führerschein“ („Bunte“). Nervt ihn, Windhorst, das Image als Wunderkind? Nein, versichert Windhorst.

    Doch der Höhenflug endete rasch. 2003 ging die Windhorst AG Pleite, später verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Untreue in 27 Fällen. 2009 folgte die zweite Pleite, diesmal hatte sich Windhorst mit Aktien verzockt. Investoren von einst nannten ihn jetzt einen Betrüger.

    Ab 2013 sollte alles anders werden. Lars Windhorst wollte nun ein richtiger Unternehmer werden. Einer, der nachhaltig Erfolg hat. Windhorsts Büros sind in London, Berlin und Zürich. Für den Weg ins Büro oder zu seinen Geschäftspartnern hat er einen eigenen Jet. Geschäfte macht er schon mal auf seiner 74-Meter-Yacht, wo er auch gerne Gesellschaften gibt. Seine Geschäftspartner loben, dass sich kaum jemand so gut mit Wein auskenne wie er – und dass er auch zu Geburtstagen mit wertvollen Wein-Präsenten aufwarte. Die Fassade stimmt also.

    Lars Windhorst: Wunderkind, Pleitier, Lebemann
    Als "Wunderkind der deutschen Wirtschaft" durfte Lars Windhorst Kanzler Helmut Kohl auf einer Asienreise begleiten Quelle: dpa
    Windhorst fördert die Kunst. So auch 2015, als er eine Ausstellung über die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch den Künstler Christo finanzierte. Quelle: imago images
    2003 ging die Windhorst AG pleite, später verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Untreue in 27 Fällen. Quelle: Getty Images
    Im Jahr 2007 stürzte Windhorsts Geschäftsflugzeug in Kasachstan ab und brannte völlig aus. Quelle: REUTERS
    Windhorst weiß seinen Reichtum zu zelebrieren, nennt eine 74-Meter-Yacht sein Eigen Quelle: imago images
    2019 stieg Windhorst beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ein. Quelle: EPA-EFE
    Lars Windhorst mit seiner Frau Christin Quelle: Getty Images

    Und die Geschäfte? Windhorst sucht das Risiko, indem er in Firmen einsteigt, von denen andere die Finger lassen. Er wollte die Weltmärkte erobern, mit der Firmen aus den Branchen Öl und Gas, Kohle und Landwirtschaft. Doch die Firmen laufen schlecht. Außerdem macht Windhorst in Unterwäsche (La Perla), Schiffen (Flensburger Schiffbau-Gesellschaft), Film (Wildbunch), OP-Robotern (Avateramedical). Er will einen Wolkenkratzer in New York bauen und ist Investor beim umstrittenen Ihme-Zentrum in Hannover, einem maroden Betonklotz, dessen Zustand die Stadt bewegt.

    Republikweit bekannt wurde er durch seinen Einstieg beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Der Verein wäre in der letzten Saison beinahe abgestiegen.

    In Deutschland ein Exot

    „In Deutschland oder Europa wirke ich vielleicht auf manche wie ein Exot“, sagt Windhorst. „In den USA gibt es solche Unternehmer wie mich viel häufiger.“ Sein gesamtes Portfolio sei mehrere Milliarden Euro wert. In Zukunft will er bei der Finanzierung seiner Projekte möglichst auf riskante Anleihen verzichten.

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    Vor zwei Jahren, beim letzten Gespräch mit der WirtschaftsWoche, hatte Windhorst über sein großes Ziel gesprochen: Er wollte zu den wichtigsten Investoren in Deutschland gehören. Hat er es geschafft? Windhorst hält inne, schnauft durch. „Nein, das habe ich nicht“, sagt er dann. „Ich arbeite auf jeden Fall hart daran, jeden Tag, dass ich es erreiche.“ Urlaub gönne er sich nur an Weihnachten und Neujahr. „Die Welt bleibt ja nicht stehen.“ Abschalten? „Von Freitagabend bis Sonntagmorgen.“ Wobei er eigentlich auch am Wochenende mindestens zwölf Stunden am Schreibtisch sitze. „Das genieße ich auch wirklich. Dann habe ich meine Ruhe und kann nachdenken.“ Irgendwann am Samstagnachmittag mache er dann Feierabend. „Den Rest krieg dann meine Frau.“ Mindestens einen Abend in der Woche halte er komplett für eine „Date-Night“ mit ihr frei.

    Hat er Angst, nochmal abzustürzen? „Angst nicht. Man darf Sorgen haben, aber keine Angst.“ Lars Windhorst sagt: „Ich glaube für mich fest daran, dass ich etwas Besonderes aufbauen kann.“ Er wirkt sehr entschlossen.

    Mehr zum Thema: Getrieben vom Wunsch nach Anerkennung stürzt sich Lars Windhorst in ein waghalsiges Finanzabenteuer nach dem anderen.

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