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Ungenutzte Chancen Mittelständler schielen auf Afrika

Großkonzerne sind auf dem schwarzen Kontinent längst präsent - aber die Mittelständler erschließen sich den Markt nur langsam. Dabei birgt Afrika dank seiner Rohstoffe, Arbeitskräfte und guter Böden ein großes Potenzial.

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Badarmaturen für Südafrika: Hansgrohe-Chef Siegfried Gänßlen (vorn) mit seinen südfrikanischen Mitarbeitern Antony Mederer, Heinz Mederer und Julian Henco. Quelle: Hansgrohe

Düsseldorf Da sind sie wieder, die Bilder von Chaos und Gewalt. Entführte und tote Touristen in Äthiopien, Anschläge und Gefechte in Nigeria, das am Rande eines Bürgerkriegs laviert. Afrika steht für Krisen, Katastrophen und Krankheiten, glauben viele mittelständische Unternehmer in Deutschland. Und investieren lieber in Asien.

Während Konzerne wie Siemens, Daimler oder BASF längst auf dem Kontinent präsent sind, erwachen die Mittelständler nur langsam aus ihrem Dämmerschlaf. Siegfried Gänßlen, Chef des Armaturenherstellers Hansgrohe, versteht das Zögern. Sein Unternehmen ist seit 25 Jahren in Afrika aktiv, mit Erfolg. „Sie brauchen einen langen Atem“, sagt er, „die Arbeit ist oft mühsam, aber der Markt ist interessant.“

Afrika besitzt alles, was Asien auch hat: billige Arbeitskräfte, Rohstoffe, gute Böden, potenzielle Märkte. Befeuert vom Rohstoffboom braucht sich das Wirtschaftswachstum des Kontinents nicht mehr hinter dem vieler asiatischer Staaten zu verstecken. Das gilt vor allem für Länder wie Südafrika, Kenia, Angola, Sambia oder das ölreiche Nigeria.

Doch der Anteil Afrikas am deutschen Außenhandel liegt bei nur zwei Prozent und ist erst zuletzt leicht angezogen. Traditionell stark sind die früheren Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien vertreten. Doch vor allem China sichert sich dort Rohstoffe und macht gute Geschäfte. Sie bauen Hafenanlagen und Autobahnen und beziehen einen Großteil ihres Erdöls von dort. Am Kap hat China Deutschland vom ersten Platz der wichtigsten Handelspartner verdrängt.

Hansgrohe gehört wie der Abfüllanlagenhersteller Krones zu den Mittelständlern, die sich den Markt systematisch erschlossen haben. „Sie müssen rechtzeitig reingehen und die Marke aufbauen“, sagt Gänßlen. Schritt für Schritt haben sich die Schwaben Vertrieb und Service mit Hilfe lokaler Partner aufgebaut. Wasserhähne und Duschköpfe werden in den Provinzen zum Teil noch vom Lkw herunter verkauft. In den Metropolen greift die kaufkräftige schwarze Mittelschicht inzwischen zu Design und Qualität „made in Germany“.

Gleichzeitig stattet Hansgrohe Hotelketten, Banken oder Flughäfen aus. Inzwischen ist die schwäbische Firma am Kap die Nummer zwei auf dem Armaturenmarkt - mit einem Umsatz von 15 Millionen Euro. Schon bald will Gänßlen in Afrika Armaturen und Wassersparsysteme für 100 Millionen Euro verkaufen und expandiert dafür von Südafrika aus in die anderen Länder der Region.


Kampf gegen Korruption macht Fortschritte

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) wirbt seit längerem für Investitionen des deutschen Mittelstands in Afrika. „Das Potenzial ist da“, sagt Cynthia Foley, beim BDI für den Kontinent zuständig. Gefragt sei, was mit Infrastruktur zu tun habe. Ob Wasser- und Abwasseraufbereitung, Telekommunikation, Strom- und Energieversorgung, Baustoffe, Fahrzeuge und Chemieprodukte - in vielen Sektoren könnten deutsche Firmen gute Geschäfte machen.

Der Abfüll- und Verpackungsanlagenhersteller Krones ist seit Anfang der 90er-Jahre in Afrika. Das Unternehmen aus dem bayerischen Neutraubling profitiert von der schlichten Tatsache, dass in Afrika die Nachfrage nach sauber verpackten Lebensmitteln und Getränken wie Wasser, Bier oder Milch wächst und die Hauptkunden - also Brauereien und Softdrinkhersteller - dort expandieren. Inzwischen macht Krones rund zehn Prozent seines Umsatzes von über 2,4 Milliarden Euro auf dem Kontinent.

Natürlich, sagt BDI-Expertin Foly, Asien sei als Investitionsstandort weiter entwickelt, die Infrastruktur besser ausgebaut. „Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil.“ So sind die Verkehrswege oft in einem beklagenswerten Zustand. Es fehlt an Lagern, Lastwagen, Eisenbahnen und Straßen. Das niedrige Bildungsniveau erschwert den Aufbau einer eigenen Produktion. Günstige Arbeitskräfte seien vorhanden, müssten aber von den Firmen qualifiziert werden, sagt Foly.

Dennoch hat sich nach Einschätzung des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft zuletzt einiges zum Positiven gewendet. Viele Regierungen seien an einer stabilen Wirtschaft interessiert, die Inflation sei vielfach eingedämmt worden, sagt Michael Monnerjahn vom Afrika-Verein. „Auch bei der Bekämpfung der Korruption gibt es Fortschritte.“ Siegfried Gänßlen hat bei diesem Reizthema sein eigenes Konzept: Wenn Schmiergelder verlangt würden, „müssen sie auch mal auf ein Geschäft verzichten. Dann werden sie künftig in Ruhe gelassen.“

So wagt jetzt der Druckmaschinenbauer H. C. Moog aus Rüdesheim am Rhein den Sprung auf den Kontinent. Noch in diesem Jahr will Moog-Inhaber Achim Kurreck mit dem Vertrieb seiner Bogentiefdruckmaschinen in Afrika beginnen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Firma mit 15 Beschäftigten ist sich bewusst, dass er erst einmal Pionierarbeit leisten muss. Es gilt, das Druckverfahren bekanntzumachen, das zur Veredelung von Verpackungen und zum Druck von Sicherheitselementen dient. Seine Absatzerwartungen für die Anfangszeit sind entsprechend gering. Dennoch ist Kurreck davon überzeugt, der Richtige in Afrika zu sein: „Es war einfach Zeit, sich darum zu kümmern.“

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