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Unternehmensfinanzierung Finanzkrise macht Bankkredit-Alternativen für Mittelstand attraktiver

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Sedus-Finanzchef Osten Quelle: Dan Cermak für WirtschaftsWoche

Gefunden hat er schließlich gleich zwei Beteiligungsgesellschaften, mit denen er eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen hat, um zusammen in das Unternehmen zu investieren – GCI Management aus München und die Stemas von Thomas Müsch. Müsch sagt: „Die Chancen der Mengele Agrartechnik haben uns überzeugt, auch wenn wir einige Herausforderungen zu bewältigen hatten: Wir mussten das Management ausbauen, das Controlling verbessern und die Lagerhaltung optimieren.“ Gleichzeitig konnte Vorstandschef Bohnacker die Eigenkapitalquote stärken und damit auch das Rating der Mengele Agrartechnik verbessern. Das, so hofft er, wird ihm gegenüber den Banken helfen, falls er wieder mal einen Bankkredit aufnehmen will.

„Die Kreditfinanzierung steht bei uns gerade nicht im Vordergrund“, sagt auch Carl-Heinz Osten, Finanzvorstand des Büromöbelherstellers Sedus Stoll aus dem baden-württembergischen Waldshut „wir sind hinreichend mit Finanzmitteln ausgestattet.“ Ein Innovationsdarlehen von der KfW hat er allerdings gerade aufgenommen, weil die Zinsen so günstig waren. Insgesamt arbeite Sedus Stoll mit drei Banken zusammen. Seine Investitionen finanziert er allerdings vorwiegend aus eigenen Beständen. Osten hat gut reden: Seine Eigenkapitalquote liegt bei fast 50 Prozent. Ein Wert, von dem die meisten Mittelständler nur träumen können. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote kleiner und mittlerer Unternehmen stieg zwar immerhin bis zum Jahr 2006 auf 15 Prozent. Gegenüber größeren Unternehmen sind sie damit allerdings immer noch im Nachteil: Deren Eigenkapitalquote liegt im Schnitt bei 28 Prozent. Allerdings brauchen auch Mittelständler, die keine exorbitanten Eigenkapitalquoten ausweisen können, nicht alle Hoffnung fahren lassen, noch an Kapital zu gelangen. Etwa dann, wenn sie Sicherheiten zu bieten haben. Das müssen nicht nur Gebäude, Maschinen und Anlagen sein. Auch mit der sogenannten IP-Finanzierung lassen sich Gelder lockermachen. IP steht für „Intellectual Property“, also geistiges Eigentum. Dazu zählen Marken ebenso wie Patente.

Der Musikkonzern Edel aus Hamburg etwa hat zwei seiner Marken an den Münchner Finanzdienstleister Vantargis verleast, um die Beteiligung an einem englischen Unternehmen zu finanzieren. „Wir haben ein großes Portfolio an Rechten, Marken und Software aufgebaut“, sagt Bernd Hocke, General Manager bei Edel. „Es hat sich einfach angeboten, deren Wert auf den Finanzierungsprüfstand zu stellen.“

Die Sache funktioniert wie ein Sale-and-Lease-Back: Edel darf die Marken weiter nutzen, hat die Rechte daran aber an den Finanzdienstleister Vantargis verkauft, um sie über einen Zeitraum von fünf Jahren wieder zurückzuerwerben. „Das ist eine stark wachsende Marktnische“, sagt Vantargis-Vorstand Claus Dürr. Der Anteil der immateriellen Vermögenswerte am Gesamtwert der Unternehmen habe sich nach einer Studie des Brookings Institution von 1982 bis 2002 von 38 auf 87 Prozent erhöht. Dürr geht davon aus, dass sich viele mittelständische Unternehmen dieser Werte gar nicht bewusst sind. Sich bei diesem Geschäft für einen bankunabhängigen Dienstleister zu entscheiden hatte viele Vorteile für Edel: „Das war günstiger und schneller, als es bei einer Bank gelaufen wäre“, sagt Hocke, „Banken schicken uns ihre Teams in Kompaniestärke ins Haus, prüfen monatelang die Werthaltigkeit einer Marke und nehmen dafür dann auch noch viel Geld.“

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    Auch der Büromaschinenspezialist Triumph-Adler hat im Rahmen einer Umschuldung den Weg der IP-Finanzierung mithilfe von Vantargis gewählt. „Der große Vorteil ist, dass wir eine Marke als Sicherheit nehmen konnten, die eine normale Bank für das entsprechende Kreditvolumen nicht akzeptiert hätte“, sagt Finanzvorstand Bernd Köhler. „Wir können die Marke weiter wirtschaftlich verwenden und verlieren sie juristisch nicht, denn sie fällt am Ende der Laufzeit automatisch an uns zurück, wenn wir Zinsen und Tilgung nachkommen.“ So hat das Unternehmen die Vertriebsmarke Utax für fünf Jahre verleast, was 15 Millionen Euro eingebracht hat. Dass der Zinssatz etwa einen Prozentpunkt höher liegt als ein vergleichbarer Bankkredit, stört Köhler nicht. „Den zahlen wir dafür, dass Vantargis einen höheren Wert für die Marke als Sicherheit akzeptiert hat, als es die Bank getan hätte“, sagt er. Außerdem habe sich Triumph so eine aufwendige Due-Diligence-Prüfung gespart, weniger Reporting-Verpflichtungen und weniger Covenants, also die vertraglichen Zusicherungen des Kreditnehmers während der Laufzeit des Kreditvertrages.

    Mittelständler können jedoch nicht nur Marken und Patente, sondern auch Forderungen oft schneller als gedacht zu Geld machen. In der Finanzkrise besinnen sich viele wieder darauf, ihre Außenstände entschlossener einzutreiben, um so ihre Liquidität zu erhöhen und die Finanzierung zu verbessern. Auch dabei nehmen viele Hilfe in Anspruch. „Wir haben viele Finanzierungsanfragen“, sagt Frédéric Lodewyk, Vorstand der Quorum AG aus Düsseldorf, die für Mittelständler Forderungen eintreibt, „die Zahlungsziele haben sich europaweit verlängert. Das blockiert viele Unternehmen, die nicht das Eigenkapital haben, um offene Rechnungen zu überbrücken.“ Zeit und Kapazität, das Geld selbst einzutreiben, stehe den meisten kleinen Unternehmen dagegen nicht zur Verfügung. Sobald Quorum die Rechnungsdaten erhalten hat, zahlt der Dienstleister innerhalb von zwei Tagen zwischen 75 und 90 Prozent des Rechnungsbetrages an das Unternehmen. Der Restbetrag wird überwiesen, wenn der Rechnungsempfänger bezahlt hat. Dafür zahlt der Auftraggeber eine Gebühr, die zwischen 0,5 und 2,9 Prozent der Rechnungssumme liegt.

    Zu den Quorum-Kunden zählt auch Detlef Gottschalk, Geschäftsführer der Werbeagentur DSC Dortmund, der vier Mitarbeiter beschäftigt. „Die Zahlungsmoral vieler Kunden ist nicht so doll“, sagt der Werber „da herrscht oft die Meinung vor, Kleinunternehmen wie wir müssten nicht bezahlt werden. Bei Großunternehmen würden die sich das nicht trauen.“ Dank Quorum, so Gottschalk, erhalte er sein Geld nun innerhalb von 48 Stunden.

    Es geht jedoch auch ohne Dienstleister. „Wir betreiben unser Forderungsmanagement sehr aktiv, natürlich EDV-gestützt“, sagt Klaus Lünnemann, Geschäftsführer eines gleichnamigen Unternehmens für Messe- und Präsentationssysteme aus Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen). „Wir mahnen wöchentlich, lassen nichts lange schleifen und fassen gleich nach.“ Wird das Zahlungsziel von 14 Tagen überstrapaziert, greift Lünnemann schon mal selbst zum Telefon und ruft beim säumigen Kunden an. Das zeigt Wirkung – Lünnemann hält seine Außenstände niedrig. Und kann mit dem Geld weiter arbeiten – um noch ein Stück unabhängiger von den angeschlagenen Banken zu werden.

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