Von Siemens Logistics zu Körber Größter Zukauf aller Zeiten: So baut Körber einen deutschen E-Commerce-Champion

Siemens Logistics Quelle: Siemens

Für 1,15 Milliarden Euro kauft der Technologiekonzern aus Hamburg die Paketsparte von Siemens Logistics. Es ist der größte Deal der Firmengeschichte – und könnte Körber eine einzigartige Rolle sichern.

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Schon die Zahlen zeigen das Ausmaß dieses Deals: 1,15 Milliarden Euro blättert Körber für die Paketsparte von Siemens Logistics hin. 1200 Mitarbeiter und 500 Millionen Euro Umsatz wechseln nach erfolgreichem Abschluss der Transaktion die Seiten. Bei Körber feiert man sich für die größte Investition, die der Mischkonzern aus Hamburg seit seiner Gründung vor über 70 Jahren getätigt hat. Noch dazu hat Körber die 1,15 Milliarden aus Eigenmitteln bezahlt, so gut geht es dem Weltmarktführer.

Das Unternehmen aus Hamburg, das mit mehr als 10.000 Mitarbeitern zuletzt mehr als 1,7 Milliarden Euro umsetzte, macht damit den nächsten Schritt hin zum Technologieunternehmen. Ursprünglich ein Maschinenbauer, war Körber lange ein Mischkonzern, der seit etwa neun Jahren stark investiert. Supply Chain, Digitalisierung und Pharma sind die drei „Megatrends“ auf die CEO Stephan Seifert wettet. Mit dem Zukauf nun erhofft er sich nicht weniger als zweistellige Wachstumsraten im Jahr und den ganz großen Wurf: „Wir wollen einen deutschen E-Commerce-Champion bauen“, sagt er der WirtschaftsWoche.

Der Zukauf ist bereits der zweite Streich von Körber im Bereich der Lieferketten in kürzester Zeit. Erst im Dezember holte sich der Bereich Supply Chain den Private-Equity-Investor KKR an Bord, der in Deutschland sonst unter anderem bei Springer seine Hände im Spiel hat. Damals sagte Seifert der Wiwo: „Mit KKR gehen wir auf die Überholspur“. Bei der Akquisition der Siemenssparte spielte KKR nach Angaben von Seifert aber keine Rolle.

Körber-Chef Stephan Seifert Quelle: Presse

Schon länger munkelte die Branche, dass Siemens seine Paketsparte loswerden will, um unnötigen Ballast abzuwerfen und sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Als Körber-CEO Seifert davon Wind bekam, meldete er sofort großes Interesse an. Schon länger hatte er einen Blick auf Firmen geworfen, die, vereinfacht gesagt, den Hardwareteil im E-Commerce abbilden können. Die Paketsparte von Siemens passt gut. Sie hat sich auf Automatisierungslösung in Distributionszentren fokussiert und ist dort unter anderem für große Firmen wie DHL tätig. Mit der wachsenden Bedeutung des E-Commerce erhofft sich Seifert nun starkes Wachstum für den Zukauf: „Wir erwarten eine Verdopplung des Paketaufkommens und damit auch eine Verdopplung der nötigen Anlagen und eine stärkere Automatisierung. In beiden Bereichen können wir mit unserem Zukauf punkten“, sagt Seifert.

Körber selbst ist bereits im Bereich Lieferketten tätig, vorrangig mit Software und das durchaus erfolgreich. Dem Analysehaus Gartner zufolge ist die Sparte einer der Top-Anbieter für Lagerhaus-Management-Software. Die Programme des Konzerns steuern Pakete von großen E-Commerce-Händlern wie Mango oder Zalando quer über die ganze Welt. Dazu bieten sie Lösungen zur Automatisierung, Robotik, dem Materialtransport und zur Systemintegration innerhalb eines Lagers an.

Mit dem Zukauf von Siemens kann der Weltmarktführer jetzt zusätzliche Hardware anbieten und hofft, dass die ehemaligen Siemens-Kunden schon bald auf die Software von Körber zurückgreifen werden. Profitieren will man in Hamburg besonders von Trendthemen wie Transparenz in der Lieferkette oder beim CO2-Abdruck. „Die können wir über unsere Software bereits heute herstellen. Die passende Hardware dazu ergänzt unser neues Geschäft“, sagt Seifert. „Der Blick nach vorn ist klar: Wir können unseren Kunden nun ein breites und umfassendes Angebot im E-Commerce und Paket-Bereich machen – von der Hardware über die Systemintegration bis zur Software“, sagt Seifert.

Noch ein Trend könnte dem deutschen Weltmarktführer in die Karten spielen. „Unternehmen werden beginnen, eigene Distributionszentren aufzubauen, wenn sie eine gewisse Größe haben“, prognostiziert der Körber-Chef. Er denkt dabei an Unternehmen in der Größe von Amazon oder Walmart. Auch Händler, die bisher stationär unterwegs waren, könnten sich zu dritt oder viert zusammenschließen und auf eigene Verteilerzentren setzen. Kann der Konzern nun sowohl die Software für die Lieferkette als auch die Hardware im Verteilzentrum liefern, erhofft sich Seifert starke Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten – und einen dicken Umsatzzuwachs. So soll aus dem bisherigen Software-Lieferanten ein astreiner E-Commerce-Champion werden.

Noch ist all das eine Vision und längst nicht klar, ob es denn dann auch klappt mit dem neuen Champion. Zu häufig sind in den vergangenen Jahren große Übernahmen gescheitert, weil die Firmenkultur nicht gepasst hat, weil es bei der Integration von beispielsweise IT-Systemen hakte oder weil die beschworenen Synergien dann doch nicht so groß waren. An fehlender Euphorie für den Zukauf wird es nicht scheitern, ebenso wenig an der Laune der Angestellten: „Wir planen mit den heutigen Mitarbeitern und wollen weiter in die Zukunft investieren“, sagt Seifert.

Mehr zum Thema: Siemens-Betriebsrätin: „Es fühlte sich an, als würden wir auf eine Resterampe verlegt“.

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