Wegen niedrigen Zinsen Mittelstand geht bei der Geldanlage mehr Risiko ein

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt - dank Mini-Zinsen gibt es für sichere Geldanlagen wie Tagesgeld kaum Zinsen. Das hat auch der Mittelstand verstanden und sattelt jetzt um.

Mittelstand reagiert auf Niedrigzinsumfeld Quelle: dpa

Deutschlands Mittelständler passen ihr Anlageverhalten langsam an die niedrigen Marktzinsen an. Das geht aus einer Finanzierungsstudie hervor, die die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Zusammenarbeit mit der Commerzbank durchgeführt hat. Demnach gehen auch mittelständische Unternehmen mittlerweile höhere Anlagerisiken ein und haben im Vergleich zum Vorjahr ihren Anlagehorizont deutlich erweitert.

Noch im vergangenen Jahr hatte rund ein Drittel der Befragten seine liquiden Mittel gerade mal mit einer Laufzeit von drei Monaten angelegt. Mittlerweile hat sich das deutlich verschoben. Laut der aktuellen Studie haben rund 40 Prozent einen Anlagebedarf von mehr als einem Jahr. Eine Begründung dafür ist für den Studienverantwortlichen Volker Wittberg von der FHM die Niedrigzinsphase. "Zur Erhöhung der Rendite suchen Mittelständler vermehrt nach Anlagealternativen, die in der Regel mit einer längeren Laufzeit verbunden sind", schreibt er in seiner Auswertung.

Design der Studie

Die erhöhte Risikobereitschaft wird auch anhand der Anlageprodukte deutlich, in welche die Mittelständler investieren. Obwohl Festgeld und Sichteinlagen wie Bankguthaben oder Tagesgelder weiterhin die am meisten gefragte Anlageform darstellen, nimmt die Bedeutung von anderen Investments zu. "Es zeigt sich, dass mittelständische Unternehmen nun vermehrt in Fondsanlagen investieren", schreibt Wittmann. Damit lasse sich die gewünschte Mindestverzinsung erzielen. Dabei schrecken die Unternehmen auch vor Betongold nicht zurück: Neuerdings werden auch Immobilienfonds von Mittelständlern nachgefragt.

Wunsch nach höherer Rendite

Auch die Commerzbank hat das geänderte Anlageverhalten ihrer Kunden registriert. "Mit dem erneut abgesenkten Zinsniveau durch die EZB entsteht der Wunsch nach höherer Rendite", sagt Martin Keller, Leiter des Bereichs Zins-, Anlage- und Währungsmanagement in der Mittelstandsbank. Dafür seien die Unternehmen bereit, längere Laufzeiten zu akzeptieren oder in komplexere Anlageformen wie Schuldscheindarlehen, Anleihen oder Fonds zu investieren, so Keller.

Insbesondere die Nachfrage nach gemischten Fonds ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Während 2013 gerade mal zehn Prozent der Unternehmen dort investiert war, sind es mittlerweile fast ein Drittel der Befragten. Auch die Nachfrage nach Rentenfonds hat deutlich zugenommen.

Sicherheit und geringe Kosten am wichtigsten

Mit dem höheren Risiko hat auch die erwartete Mindestverzinsung der Unternehmen leicht zugenommen, die Mittelständler erwarten 2014 mindestens eine Rendite von 2,83 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 1,83 Prozent gewesen. Dieser Erwartung muss das höhere Investitionsrisiko zugrunde liegen, denn im Hinblick auf Sichteinlagen und Festgelder hat sich die Verzinsung gegenüber dem Vorjahr nicht verbessert. Die wichtigsten Punkte für die Anlageentscheidung sind den Mittelständlern weiterhin die Sicherheit einer Anlage, geringe Kosten sowie eine hohe Verzinsung.

Gleichzeitig bleibt der Mittelstand in Deutschland eine wichtige Anlagegruppe und damit auch wichtige Zielgruppe der Geldinstitute. 53 Prozent der befragten Unternehmen gab an, 2014 Geld anlegen zu wollen. Damit ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr nur leicht gesunken (2013: 58 Prozent). Das durchschnittliche Anlagevolumen ist dabei mit über 2,7 Millionen Euro zwar etwas niedriger als im Vorjahr (2013: über 3,1 Millionen Euro), liegt aber deutlich über dem, was die Unternehmen in den Krisenjahren zwischen 2007 und 2011 anlegen wollten.

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Skeptisch sind einige Mittelständler, was die Inflation in Deutschland angeht. Zwar rechnen über 46 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Teuerungsrate zwischen einem und zwei Prozent. Immerhin 44 Prozent erwarten allerdings Inflationsraten zwischen zwei und vier Prozent. Knapp sechs Prozent der Unternehmen rechnen sogar mit Preissteigerungen von mehr als vier Prozent. Sollten diese Erwartungen sich bestätigen, dürfte das gerade dem Geschäft der Mittelständler stark schaden.

Insgesamt zeigt die Studie, dass auch der Mittelstand mittlerweile auf das veränderte Zinsumfeld reagiert hat und seine Anlageentscheidungen angepasst hat. Dennoch setzt die Mehrheit weiterhin auf solide Anlageprodukte wie Tages- oder Festgelder.

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