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Weihnachtssterne Billige Blüten

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Internationale Plantagen

Eine der beliebtesten Zimmerpflanzen der Bundesbürger ist der Weihnachtsstern. Die Farbpalette ist breit gefächert, doch 80 Prozent der Weihnachtssterne sind nach wie vor rot. Quelle: dpa

Dümmen junior war es auch, der den Betrieb internationalisierte. 2003 gründete er eine Plantage im ostafrikanischen Äthiopien. Das Klima sei ideal für die Pflanzen, schwärmt er. Äthiopien zählt zu den größten Blumenproduzenten Afrikas, Hauptabnehmer ist die EU. Dabei ist das Land eines der ärmsten der Erde.

Der Anbau von Blumen in solchen Ländern ist umstritten. Nichtregierungsorganisationen kritisieren, er gehe zulasten von Nahrungsmitteln und schüre damit den Hunger. Mehr als 2000 der insgesamt 3000 Dümmen-Mitarbeiter arbeiten in Äthiopien, hinzu kommen Hunderte in El Salvador. Die Personalkosten in diesen Ländern seien niedrig, obwohl seine Firma „gute“ Löhne zahle, so Dümmen.

Billige Arbeitskräfte und beste klimatische Voraussetzungen für die Kultivierung der Pflanzen sind die Basis für den Erfolg: Dümmen dominiert mit einem Anteil von 35 Prozent den europäischen Markt, auf dem 2010 rund 110 Millionen Weihnachtssterne verkauft wurden.

Billiges Massenprodukt

Zu schaffen macht der Branche die Verramsche der vergangenen Jahre. „Leider ist aus dem hochwertigen Geschenkartikel ein billiges Massenprodukt geworden“, klagt Sonja Dümmen. Für den sei vor allem der Lebensmittelhandel verantwortlich: „Der Kunde muss sich im Klaren darüber sein, dass er im Gartencenter eine deutlich bessere Qualität erhält.“

Eigentlich müsse jeder Weihnachtsstern mindestens vier Euro kosten, damit es sich für alle Beteiligten lohne, wünscht sich die Marketingexpertin. Die Realität sieht anders aus: Bei Rewe kostete vergangene Woche ein Weihnachtsstern 1,99 Euro. Aldi, Penny oder Lidl hauen sie für 1,39 Euro raus. Das wird zunehmend ein Problem, vor allem für die Dümmen-Kunden, die Gärtnereien, die die Ketten beliefern. „Einige konnten zu diesen Preisen nicht mehr produzieren und mussten aufgeben“, sagt Dümmen.

Jetzt im November ist in den riesigen Gewächshäusern in Rheinberg kein Weihnachtsstern mehr zu sehen. Längst haben sich Geranien und Petunien breitgemacht, die zu Hunderttausenden vom Steckling zur Jungpflanze kultiviert werden. „Die Saison für Weihnachtssterne ist im Juli und August“, sagt Sonja Dümmen. 80 Millionen Stück haben die Dümmens in diesen zwei Monaten produziert. Dabei gilt trotz der Farbenvielfalt immer noch: 80 Prozent aller Weihnachtssterne sind rot.

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