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Weltmarktführer Klein, clever, König

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Erfolgsgeschichten

Die Geschichte von Autoflug

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte 1949 mit den Bürsten und Küchenutensilien des Erfinders Wilhelm Hergenröther aus Nürnberg. Er stutzte seine Bürsten zu Bäumchen zurecht und verkaufte sie als Landschaftsversatzstücke an Modelleisenbahnhändler. Als Hergenröthers Betrieb in den Sechzigerjahren von dem Unternehmer Fritz Wagener übernommen wurde, fiel das Küchengeschäft weg. Was blieb, waren die Miniaturen.

Und um diese, speziell im Autobereich, kümmerten sich die anderen Hersteller in den Siebzigerjahren nur stiefmütterlich. Die Modelle waren plump, die Fenster blind, auch Innenleben hatten die Wagen keines. Wagener, dessen Hobby die Modelleisenbahn war, wollte mehr Details in die Miniaturen rund um die kleine Eisenbahn bringen. 1978 präsentiert Herpa die ersten Modelle unter anderem von BMW, Opel und Audi. Der Glanz der großen Marken war damit im Taschenformat zu haben.

Statt die Modelle einfach nachzubauen, ließ sich Wagener von den Autoherstellern die echten Baupläne für die Chassis zeigen. 2009 übernahm Fürst Andreas zu Leiningen das Unternehmen. Herpa gehört noch heute zu den wenigen Herstellern, die die Autokonzerne in ihre Pläne blicken lassen.

Autoflug: Sicher trotz Mine

Wenn ein Panzerfahrer auf eine Mine rollt oder beschossen wird, trennt ihn nicht mehr viel vom Tod – außer ein entkoppeltes Sicherheitssitzsystem von Autoflug aus Rellingen nördlich von Hamburg. Es ist der letzte technische Hebel, um zu vermeiden, dass der Panzerfahrer zu viel der Restenergie einer Stoß- oder Druckwelle direkt auf den Körper bekommt. Das Ganze muss funktionieren, egal, ob der Einschlag von unten, oben oder der Seite kommt – eine technische Herausforderung.

Die Lösung sieht so aus: Die Sitze sind nicht starr mit dem Kampf- oder Schützenpanzer verbunden, sondern an der Außenwand mit extrem reißfesten und sicher zu justierenden Gurten eingehängt, denn die übertragen anders als feste Verbindungen keine Druckkräfte. Das Vertrauen in diese Technik machte Autoflug mit 225 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz in achtstelliger Höhe und Aufträgen aus Europa, Amerika und Asien zum Weltmarktführer.

Bereits 2001 stieg Autoflug, schon 1919 von einem Flugpionier als „Ausstatter für Autos und Flugzeugwesen“ gegründet, in dieses Geschäft ein. Ihr Erfolgsrezept seitdem: Sie schaffen anders als Konkurrenten immer wieder den Know-how-Transfer zwischen zwei unterschiedlichen Geschäftsbereichen, beide profitieren vom guten Ruf des anderen. „Wir wussten, dass die Nutzer von Panzerfahrzeugen längst mehr Minenschutz für die Soldaten benötigen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Sedlmayr. „Uns kam zugute, dass wir als Hersteller von Fallschirmen jahrelange Erfahrungen mit der Sicherheitsrelevanz und Leistungsfähigkeit technischer Textilien hatten. Wir konnten dieses Wissen nutzen, weil sie die Energie einer Sprengfalle gegen einen Panzer ebenso absorbieren können wie die beim Öffnungsstoß eines Fallschirms.“

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