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Weltmarktführer OstDie heimlichen Weltmarktführer aus den neuen Ländern

Von Gleichstand keine Spur: Auch nach 25 Jahren sind Topunternehmen in Ostdeutschland viel seltener als im Westen. Doch es gibt Ausnahmen.Anke Henrich 02.10.2015 - 06:00 Uhr

Platz 30: Ensinger

Die 1966 gegründete Ensinger GmbH verarbeitet Kunststoffe zu Halbzeugen, Fertigteilen, Profilen oder Compounds. Neben dem Hauptsitz im baden-württembergischen Nufringen fertigt Ensinger an zwei weiteren Standorten in Deutschland. Das Familienunternehmen hat außerdem 14 Fabriken in aller Welt, darunter fünf in den USA und eine in China sowie zahlreiche Vertriebsniederlassungen – bis hin nach Indien.

Branche: Kunststoffe
Mitarbeiter 2012: 2181
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 100,00/350,20
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,35 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 876,2

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 29: Sennheiser electronic

Die Firma Sennheiser ist vor allem Audio-Fans ein Begriff. Der Mittelständler aus Wedemark-Wennebostel ist vor allem für seine Mikrofone und Kopfhörer bekannt. Im Profi-Bereich bietet das 1945 gegründete Unternehmen Broadcast-Technik, Luftfahrtkommunikationssysteme und Headsets für Callcenter an.

Branche: Audiotechnik
Mitarbeiter 2012: 2100
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 229,10/584,40
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 9,82 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 906,3

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 28: Adva Optical Networking

Der Glasfaser-Spezialist Adva Optical Networking wurde erst 1994 als kleines Start-up im thüringischen Meiningen und in München gegründet. Die Glasfaser-Übertragungstechnik von Adva wird weltweit von mehr als 10.000 Unternehmen eingesetzt. Produziert wird am Unternehmenssitz in Meiningen, die Verwaltung sitzt im bayerischen Martinsried.

Branche: Telekommunikation
Mitarbeiter 2012: 1378
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 88,06/330,10
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,13 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 907,3

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Screenshot

Platz 27: Schottel

Die Schottel Gruppe mit Sitz im rheinland-pfälzischen Spay am Rhein entwickelt, konstruiert, produziert und vertreibt steuerbare Schiffsantriebs- und Manövriersysteme sowie komplette Antriebsanlagen.

Branche: Schiffsmaschinenbau/Antriebstechnik
Mitarbeiter 2012: 1100
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 80,00/313,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,625 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 911,6.

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: PR

Platz 26: Pfeiffer Vacuum Technology

1890 in Wetzlar gegründet, entwickelte sich Pfeiffer schnell zum führenden Unternehmen für Vakuumtechnik. Die 1958 erfundene Turbopumpe macht noch heute in ihrer weiterentwickelten Form 40 Prozent des Konzernumsatzes aus. Der Maschinenbauer ist im TecDax gelistet.

Branche: Vakuumlösungen
Mitarbeiter 2012: 2270

Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 150,90/461,30
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,82 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 948,9

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 25: igus

Die 1964 in Köln gegründete Igus GmbH ist ein Spezialist für Spitzguss-Kunststoffteile. Alle Produkte, wie etwa Kunststoffgleitlager oder flexible Spezialleitungen werden in diesem Verfahren hergestellt. Igus ist der weltweit größte Hersteller von Energiekettensystemen mit Spezialleitungen, Steckern und Zubehör.

Branche: Kunststoff-Energieketten
Mitarbeiter 2012: 2175
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 117,00/399,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,05 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 961,7

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 24: Hansgrohe

Hansgrohe stellt Armaturen, Brausen, Thermostate, Abläufe und Badzubehör her. Das 1901 in Schiltach im Schwarzwald gegründete Unternehmen darf nicht mit der Firma Grohe, die ebenfalls Armaturen herstellt und von Hans Grohes Sohn Friedrich gegründet wurde, verwechselt werden. Die Familie des jüngsten Sohns des Firmengründers hält heute noch 32 Prozent des Unternehmens, 68 Prozent gehören der amerikanischen Masco Corporation.

Branche: Armaturen
Mitarbeiter 2012: 2178
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 360,50/805,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,37 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 992,6

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: REUTERS

Platz 23: Emka Beschlagteile

Die Emka Beschlagteile GmbH stellt Komponenten für industrielle Schränke und Gehäuse her. Heute fertigt das 1932 in Velbert bei Düsseldorf gegründete Unternehmen weltweit an acht Standorten.

Branche: Verschlusstechnik
Mitarbeiter 2012: 1400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 42,99/230,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 18,26 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1000,5

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 22: Bitzer

Bitzer aus dem schwäbischen Sindelfingen ist ein Spezialist für Klima- und Kältetechnik. Das Unternehmen ist mit über 40 Tochtergesellschaften international aufgestellt und fertigt unter anderem in Deutschland, Portugal, Südafrika, Australien, China und den USA Verdichter, Druckbehälter und Verflüssigungssätze.

Branche: Kältemaschinen
Mitarbeiter 2012: 3046
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 231,58/639,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,67 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1120,5

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 21: Pöschl Tabak

Pöschl gehört zu den weltweit größten Produzenten von Schnupftabak – in Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 95 Prozent, weltweit noch von 50 Prozent. Pöschl Tabak hat seinen Sitz in Geisenhausen bei Landshut und befindet sich noch immer im Besitz der Familien Pöschl und Engels. Neben Schnupftabak stellt Pöschl auch Feinschnitt- und Pfeifentabak her.

Branche: Tabakwaren
Mitarbeiter 2012: 800
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 109,60/416,01
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,27 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1163,0

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 20: Mapal Dr. Kress

Mapal Dr. Kress zählt zu den international führenden Anbietern von Präzisionswerkzeugen für die Metallbearbeitung. Bei der Feinbearbeitung mit spanabhebenden Werkzeugen sieht sich das Unternehmen aus Aalen als weltweiten Technologieführer. Zu Mapal gehören noch zahlreiche weitere Unternehmen, die allesamt auf besondere Werkzeuge spezialisiert sind.

Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 4157
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 120,00/440,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,88 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1173,3

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 19: Maschinenfabrik Reinhausen

Die MR Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, so der vollständige Name, fertigt Komponenten für Transformatoren. Bei der Produktion der sogenannten Laststufenschaltern zählt das 1868 im Regensburger Stadtteil Reinhausen gegründete Unternehmen zu den Weltmarktführern.

Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 2850
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 218,00/630,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,20 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1190,6

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 18: Viega

Die Viega GmbH & Co. KG stellt unter anderem Sanitär- und Heizungssysteme, Rohrleitungssysteme und Entwässerungstechnik her. Bei der Pressverbindungstechnik sieht sich das Unternehmen selbst als Weltmarktführer. Neben dem Stammhaus in Attendorn fertigt das Familienunternehmen in vier deutschen Zweigwerken in Deutschland und einem in den USA.

Branche: Heizung, Sanitär
Mitarbeiter 2012: 3500

Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 395,00/915,36
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,77 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1205,9

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 17: Manz

1987 im baden-württembergischen Reutlingen gegründet, begann die Manz Automation AG mit der automatisierten Produktion von kristallinen Solarzellen. Inzwischen firmiert das Unternehmen nur noch als Manz AG und hat neben den Solarzellen noch die Bereiche Displays (LCD, LED, OLED und Touchscreens) und Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut.

Branche: Display- und Solarindustrie
Mitarbeiter 2012: 2000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 24,00/184,11
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 22,60 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1228,2

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 16: Norma Group

Die Norma Group ist auf Verbindungstechnik spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt rund 35.000 Verbindungssysteme für industrielle Anwendungen. Die Kunden kommen unter anderem aus der Öl- und Gasbranche, der Autoindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Infrastruktur und Bewässerung.

Branche: Verbindungstechnik
Mitarbeiter 2012: 4485
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 197,60/604,60
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,83 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1245,3

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 15: Schenck Process

Die Schenck Process GmbH entstand aus der 1881 gegründeten Darmstädter Eisengießerei und Waagenfabrik von Carl Schenk. Heute gilt das Unternehmen als einer der Weltmarktführer im Bereich der Mess- und Verfahrenstechnik. Die Schenck Process GmbH beschäftigt  nach eigenen Angaben rund 3.400 Mitarbeiter an weltweit 33 Standorten.

Branche: Mess- und Regeltechnik
Mitarbeiter 2012: 3400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 240,00/680,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,98 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1246,7

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 14: KWS Saat

Das niedersächsische Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologie-Unternehmen KWS Saat AG züchtet seit über 150 Jahren landwirtschaftliche Nutzpflanzen. Das Unternehmen ist in mehr als 70 Ländern präsent.

Branche: Saatgut
Mitarbeiter 2012: 3851
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 433,70/986,30
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,56 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1256,7

Bildquelle: KWS SAAT AG

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 13: Rimowa

Koffer aus Aluminium und Polycarbonat sind die Spezialität der Rimowa GmbH (kurz für „Richard Morszeck Warenzeichen“). Der Hersteller aus Köln ist bereits seit 1898 im Geschäft. Heute vertreibt Rimowa seine Koffer in 65 Ländern.

Branche: Koffer
Mitarbeiter 2012: 1300
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 25,00/206,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 22,54 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1266,0

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 12: Sick

Das 1946 gegründete Unternehmen Sick zählt zu den führenden Herstellern von Sensoren und Sensorlösungen für industrielle Anwendungen.

Branche: Sensortechnik
Mitarbeiter 2012: 6302
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 420,40/971,31
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,73 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1272,8

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 11: Rosenberger

Seit mehr als einem halben Jahrhundert entwickelt Rosenberger Verbindungslösungen in der Hochfrequenz- und Fiber-Optik-Technologie.

Branche: Hochfrequenztechnik
Mitarbeiter 2012: 5000

Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 126,50/483,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,34 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1361,2

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Screenshot

Platz 10: Brückner Technology Holding

Die Brückner-Gruppe aus Siegen gehört zu den führenden Unternehmen im Maschinen und Anlagenbau.

Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 1676
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 225,20/682,40
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,72 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1385,4

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Screenshot

Platz 9: Sirona Dental Systems

Sirona stellt Behandlungs- und Diagnosegeräten für Zahnarztpraxen, zahntechnische Laboratorien und Kliniken her. Das Unternehmen entstand 1997 aus der Dentalsparte der Siemens AG.

Branche: Dentalindustrie
Mitarbeiter 2012: 2979
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 284,00/814,56
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,11 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1521,7

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 8: Realtime Technology

Die 1999 gegründete Realtime Technology AG ist ein auf industrielle 3D-Visualisierung spezialisierter Software-Anbieter.

Branche: IT / Software
Mitarbeiter 2012: 689
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,35/73,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 36,22 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1547,7

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Screenshot

Platz 7: JF Hillebrand Group

Die Spedition J. F. Hillebrand ist der weltweit größte Wein- und Getränkespediteur. Das 1844 gegründete Unternehmen mit Sitz in Mainz transportiert in 83 Ländern weltweit.

Branche: Logistik
Mitarbeiter 2012: 2000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 335,24/934,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,8 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1671,4

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Screenshot

Platz 6: Beckhoff Automation

Die Beckhoff Automation GmbH & Co. KG ist ein führender Hersteller von Automatisierungstechnik. Das Unternehmen mit Sitz in Verl realisiert offene Automatisierungssysteme auf der Grundlage PC-basierter Steuerungstechnik. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzplus von rund 18 Prozent in zehn Jahren ist Beckhoff Automation aus Westfalen der erfolgreichste Aufsteiger unter den wachstumsstärksten Weltmarktführern im deutschen Mittelstand.

Branche: Automatisierungstechnik
Mitarbeiter 2012: 2200
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 78,00/408,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,955 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1712,0

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: PR

Platz 5: Beumer Maschinenfabrik

Die Beumer Maschinenfabrik wurde 1935 als Maschinenfabrik für die Produktion von Förderanlagen gegründet. Erste Aufträge kamen aus der westfälischen Zement- und Kalkindustrie und vom Bergbau des Ruhrgebietes. Heute ist das Unternehmen weltweit tätig und kommt nach eigenen Angaben auf einen Auslandsanteil von mehr als 85 Prozent.

Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 3700
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 104,04/511,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,27 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1996,3

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 4: Big Dutchman

Big Dutchman aus dem niedersächsischen Vechta vertreibt Fütterungsanlagen und Stalleinrichtungen für die Haltung von Geflügel und Schweinen.

Branche: Agrartechnik
Mitarbeiter 2012: 2432
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 250,00/858,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,12 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2083,9

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 3: Mobotix

Die Mobotix AG aus Rheinland-Pfalz entwickelt und vertreibt netzwerkbasierte Videoüberwachungsanlagen. Das Unternehmen zählt dabei zu den führenden Anbietern weltweit.

Branche: Sicherheitskameras
Mitarbeiter 2012: 336
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,00/81,60
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 39,14 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2137,9

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 2: Lürssen

Die Lürssen Werft GmbH & Co. KG ist eine deutsche Schiffswerft aus Bremen. Mit einem jährlichen durchschnittlichen Umsatzplus von mehr als zwölf Prozent in zehn Jahren ist der Bremer Schiffbauer Lürssen der am zweitschnellsten wachsende Weltmarktführer im deutschen Mittelstand.

Branche: Schiffbau
Mitarbeiter 2012: 1400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 300,00/984,90
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 12,6 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2248,5

Bildquelle: Klaus Jordan

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Presse

Platz 1: Hirschvogel Holding

Mit einem jährlichen durchschnittlichen Umsatzplus von rund 16 Prozent in zehn Jahren ist der Automobilzulieferer Hirschvogel aus dem bayerischen Denklingen Deutschlands wachstumsstärkster mittelständischer Weltmarktführer.

Branche: Automobilzulieferer
Mitarbeiter 2012: 4000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 179,90/780,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 15,80 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2601,9

Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Kleine Jungs beneiden Lutz Petermann. Der Mann baut riesige Schaufelbagger und klettert für seine Firma FAM durch die größten Baustellen der Erde. Denn sein Unternehmen ist Weltmarktführer für diese Technik und der größte Arbeitgeber der Stadt Magdeburg. Doch als Petermann ein neues Bürohaus am Firmengelände hochziehen wollte, ließen ihn 23 verschiedene Amtsstuben der Stadt drei Jahre lang schmoren, bis er endlich alle Zustimmungen hatte. Das wäre dem schwäbischen Schraubenkönig Reinhold Würth in Künzelsau sicher nicht passiert.

Weltmarkführer, Familienunternehmen – das sind in Ostdeutschland wenig ruhmreiche Titel. Gesellschaftliche Anerkennung? Hohe Identifikation der Arbeitnehmer?

Entwicklungen in Ostdeutschland
Daten, Zahlen, Fakten zur deutschen Wiedervereinigung gibt es kiloweise. Wirklich gut aufbereitet und auch für Nicht-Wissenschaftler höchst lesenswert analysiert  hat sie das HIE-RO Institut der Universität Rostock in seinem aktuellen „Atlas der Industrialisierung der neuen Bundesländer“. Die Wirtschaftswissenschaftler sammeln Daten und Geschichten um die bisherigen Entwicklungen in Ostdeutschland. Die setzen sie in den Vergleich zum gesamten Bundesgebiet und den Weltmarkt. Die Ost-Daten werden auf die einzelnen Bundesländer runtergebrochen und Entwicklungspotenziale aufgezeigt.  Prädikat: spannend!http://www.hie-ro.de/index.php/de/projekte/abgeschlossene-projekte/7-industrieatlas-de

Was im Westen für viele Familienunternehmer selbstverständlich ist, bleibt im Osten auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung die Ausnahme. Was auch daran liegt, dass der erfolgreiche Familienunternehmer an sich heute im Osten ähnlich verbreitet ist wie Unternehmergeist vor dem Mauerfall: Nur 300 der 4400 größten Familienunternehmen der Republik sitzen dort. Und wer sie besucht, merkt schnell: Dort weht noch immer ein anderer Wind.

Mittelstand in West und Ost

"Der Weg zur Weltmarktführerschaft braucht Zeit"

von Anke Henrich

Profitiert im Westen die ganze Region von Unternehmen, kann im Osten ein Weltmarktführer residieren, und rechts und links der schicken Hauptverwaltung verrotten Wohnhäuser und Industrieanlagen. Aus dem Westen stammende Chefs treten oft viel selbstbewusster auf als ihre Ostkollegen. Im Osten kämpfen Facharbeiter um Löhne und Tarifverträge, die für Westkollegen längst selbstverständlich sind.

Es lebt der real existierende Unterschied.

Gerhard Heimpold, Wissenschaftler am Institut für Wirtschaftsforschung Halle, begründet es so: „Das Fehlen großer Unternehmen ist größtenteils ein Nachhall von Schwächen der alten Zentralverwaltungswirtschaft. Die großen Kombinate waren beim Übergang auf die Marktwirtschaft nicht konkurrenzfähig und wurden in kleinere Unternehmen aufgespalten, um sie besser privatisieren zu können.“ Die Konsequenz daraus: „Mangels großer Unternehmen bleiben die Produktivität, Exportintensität und Forschungsaktivitäten noch heute zurück.“

25 Jahre nach der Wende zeigt sich, dass weder die Höhe von Subventionen, noch die Herkunft als Vor-Kriegs-Familienunternehmen, Kombinat oder Nach-Wende-Neugründung über den Erfolg entschieden haben. Woran krankt es dann vor allem in Ostdeutschland?

Die Karte des HIE-RO zeigt die Standorte der Weltmarktführer in Ostdeutschland.

Foto: Presse

- Fehlende Familienunternehmen: Mehr als 90 Prozent aller deutschen Unternehmen gehören zum Mittelstand, meist inhabergeführt, häufig seit Generationen – das oft genannte Rückgrat der Wirtschaft. Doch im Osten verstaatlichte die DDR-Führung 1972 fast ausnahmslos die letzten mittelständischen Industriebetriebe. Davon hat sich die Unternehmenslandschaft bis heute nicht erholt.

- Mangelndes Eigenkapital: Im Westen gehört es zum Selbstverständnis vieler Unternehmer: Wir bilden seit Generationen Rücklagen und halten uns damit die Banken vom Hals. Dieses Kapital fehlt jungen Ostunternehmen. Zugleich werden die Banken hüben wie drüben immer restriktiver bei der Kreditvergabe, beklagen viele Unternehmer gesamtdeutsch.

Die zehn besten deutschen Mittelständler
Um die Wachstumsstärke der mittelständischen deutschen Weltmarktführer zu vergleichen, bedient sich die WirtschaftsWoche eines Indexes des Ökonomen David L. Birch vom Massachusetts Institut of Technology in der Nähe von Boston. Dieser nach ihm benannte Index multipliziert den absoluten Umsatzzuwachs mit dem prozentualen. Das relativiert sowohl das prozentuale Wachstum junger Betriebe als auch das absolute Wachstum bereits großer Unternehmen.Basis des Indexes waren im Ranking die Jahre 2002 bis 2012.
Branche: MaschinenbauMitarbeiter 2012: 1676Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 225,20/682,40Durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,72 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1385,4Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: DentalindustrieMitarbeiter 2012: 2979Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 284,00/814,56durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,11 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1521,7Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: IT/ SoftwareMitarbeiter 2012: 689Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,35/73,70durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 36,22 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1547,7Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: LogistikMitarbeiter 2012: 2000Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 335,24/934,70durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,8 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1671,4Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: AutomatisierungstechnikMitarbeiter 2012: 2200Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 78,00/408,00durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,95 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1712,0Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: MaschinenbauMitarbeiter 2012: 3700Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 104,04511,70durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,27 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1996,3Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: AgrartechnikMitarbeiter 2012: 2432Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 250,00/858,00durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,12 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2083,9Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: SicherheitskamerasMitarbeiter 2012: 336Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,00/81,60durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 39,14 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2137,9Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: SchiffbauMitarbeiter 2012: 1400Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 300,00/984,90durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 12,6 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2248,5Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Branche: AutomobilzuliefererMitarbeiter 2012: 4000Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 179,90/780,00durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 15,80 ProzentBirch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2601,9Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Börsengänge wie im Westen sind selten. Analytik Jena ist eine Ausnahme im Osten. Der Spezialist für optische Analysegeräte öffnete sich 2013 Investoren. „Ohne den zwingend nötigen Börsengang hätten wir nicht ausreichend in Internationalisierung, Forschung und den Aufbau des Vertriebs investieren können“, sagt der Vorstandsvorsitzende Klaus Berka. Zudem soll ein Ankeraktionär eine feindliche Übernahme abwehren.

- Zu wenig Forschung: Es mangelt aber vielen Unternehmen nicht nur am Kapital, sagt Bernd Venohr, Unternehmensberater aus München: „Konkurrenten in unmittelbarer Nähe verstärken den Wettbewerb, daran fehlt es im Osten.“ Zudem kooperierten diese Unternehmen weniger als westdeutsche mit Fachhochschulen und Universitäten. Gerald Braun, Wirtschafts-Professor in Rostock, sagt: „Viele Hochschulen leisten noch immer zu wenig anwendungsorientierte Beiträge für die Betriebe.“

- Kein Nachfolger in Sicht: Nach 1990 wurde vor allem die Generation der 40-Jährigen Unternehmer. Jetzt naht die Rente und vielen fehlt der Nachfolger. Frank Wiethoff, Regionalvorstand Ost des Wirtschaftsprüfers KPMG, sagt: „Viele Ostunternehmer, als Inhaber der ersten Generation haben ihre Kinder nicht so strategisch an die Unternehmensnachfolge herangeführt wie wir es teilweise im Westen beobachten. Wenn aber die zweite Generation für die Nachfolge nicht in Sicht ist, haben wir zum einen das Problem des Unternehmsfortbestands als Familienunternehmen und zum anderen sind Seniorinhaber mit dringenden Themen wie beispielsweise Digitalisierung nicht so vertraut wie die Jüngeren.“

Schweres Gerät: Lutz Petermann führt den Magdeburger Fördertechnikspezialisten FAM. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: Christoph Michaelis für WirtschaftsWoche

- Facharbeitermangel: Erst der Geburtenknick nach der Wende, dann zog es immer mehr Bürger gen Westen. Heute leben 2,3 Millionen Menschen weniger im Osten als zu DDR-Zeiten. Deshalb mangelt es Ostbetrieben noch viel mehr an Facharbeitern und Akademikern. „Und versuchen Sie mal, junge Westingenieure für die Lausitz zu begeistern“, sagt Carsten Trentau, Geschäftsführer des Finsterwalder Plasmaspezialisten Kjellberg. Der Hightechlieferant schlägt sich wacker und ist wie viele Weltmarktführer Ost dennoch den meisten unbekannt.

Was sich mit einem ostdeutschen Witz erklären lässt: Worin unterscheiden sich West- und Ostmanager? Die Wessis haben zwei Semester länger studiert – für Schauspielunterricht. Jenseits dieser Frotzeleien und Klischees aber entsteht, wenn auch langsam und anders, eine kleine, feine Gruppe an Weltmarktführen. Hier sind drei ihrer Geschichten:

Hans-Jürgen Mundinger, Chef der Goldschmidt Thermit mit Sitz in Halle und Leipzig:

“Als gebürtiger Baden-Württemberger vom Bodensee und nun in Ostdeutschland arbeitend, habe ich beide Wahlergebnisse mit Spannung verfolgt. Für mich hat heute unabhängig von allen Parteien die Demokratie gewonnen: Die Menschen interessieren sich wieder mehr für Politik, die Wahlbeteiligung ist gestiegen.

 Über Jahrzehnte haben drei oder vier Parteien die Regierungen unter sich ausgemacht, nun sind es bis zu sechs Parteien. Das finde ich grundsätzlich einen Gewinn. Den hohen Wahlerfolg der AfD, besonders in Sachsen-Anhalt, muss eine Demokratie aushalten. Aber ich würde nicht meinen Kopf dafür geben, dass das klappt. Doch die rund 15 Prozent der AfD in BaWü, dem Land der Liberalen, schocken mich noch mehr als die 24 Prozent in Sachsen Anhalt. Vermutlich sind es in BaWü eher Protestwähler, in Ostdeutschland sind viele Wähler grundsätzlich pessimistisch. Die CDU hat es nicht vermocht, das zu ändern, sie war unentschlossen und selbst zu pessimistisch.

Der Erfolg der AfD könnte für die Wirtschaft noch schwierig werden. Großkonzerne oder internationale Unternehmen womöglich Ansiedlungen in Sachsen und Sachsen Anhalt meiden und stattdessen zum Beispiel nach Thüringen gehen. Der AfD-Erfolg erschüttert jetzt schon den Tourismus, dann würde er alle Industriesparten treffen.

Es ist wichtig, dass die FDP wenigstens den Einzug ins Parlament schafft, das wäre dann eine Partei, die den Menschen Hoffnung geben kann.”

Foto: WirtschaftsWoche

FAM: 300 Mio. Euro Umsatz, 2000 Mitarbeiter

„Die sind clever“, sagt der Chef einer großen Magdeburger Behörde über den Fördertechnikspezialisten FAM vor seiner Haustür. „Kommen unauffällig daher, sind aber sehr erfolgreich und bilden exzellent aus.“ Chef und Miteigentümer des gerühmten Weltmarktführers ist Lutz Petermann. Und der könnte ein lesenswertes Buch über die Wendezeit schreiben. Fast alle Probleme, die ein Ostdeutscher mit Unternehmergeist damals haben konnte, hat er gehabt. FAM war zu DDR-Zeiten ein volkseigener Betrieb, den Petermann so beschreibt: „Anfang der Neunzigerjahre waren wir nicht überlebensfähig.“ Heute ist FAM mit Tagebautechnik, Verlade- und Hafenbautechnik erfolgreicher als je zuvor. Kaum eine Riesengrube weltweit, in der nicht ein Teil aus Magdeburg arbeitet.

Wegbereiter: Matthias Grafe wagte sich 1991 auf Neuland und gründete den gleichnamigen Kunststoffhersteller. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Das war 1994 nicht wahrscheinlich. Damals kauften Petermanns Vater und ein anderer ehemaliger Mitarbeiter das Unternehmen gemeinsam mit zwei Beteiligungsgesellschaften von der Treuhand. „Wir waren nicht mehr als ein Start-up mit vielen alten Maschinen“, bilanziert der Sohn. Aber mit zwei Personalproblemen: Zum einen blieben von den einst 1600 Stellen nur noch 350 erhalten, zum anderen fehlte der Auslandsvertrieb, der über den Außenhandel der DDR gelaufen war.

Also entrümpelte FAM die Produktpalette und setzte an viele Schaltstellen neue Leute. Das kostete zwar auch Kontakte, aber auf einige Altgediente wollte FAM gerne verzichten. „Stattdessen haben wir über die Jahre zielgerichtet auch westdeutsche Mitarbeiter umworben, auch weil sie Englisch sprachen. Russisch war ja nicht mehr so gefragt“, sagt der Maschinenbauer lakonisch. Der osteuropäische Markt war dann auch nicht mehr so gefragt.

Aber das Glück ist mit den Tüchtigen: Die veralteten Abbaubetriebe der DDR wurden nach der Wende modernisiert. Und damit hatte FAM den Referenzmarkt direkt vor der Haustür. Von dort aus kämpfte sich der Kombinat-Rest weltweit nach oben. „Unser Ziel war: mehr als in der Vergangenheit das Risiko streuen, also möglichst viele Branchen in möglichst vielen Ländern bedienen.“ Heute liegen die größten Märkte in Nord- und Südamerika sowie China. Osteuropa macht heute noch zehn Prozent des Umsatzes aus.

Warum hat FAM überlebt, während andere scheiterten? Petermann überlegt recht lang: „Nach der Wende hatten wir den unbedingten Willen, dieses Unternehmen zu erhalten. Wir sind auch heute noch ein sehr motiviertes Team. Im Projektgeschäft ist das überlebenswichtig.“

Die attraktivsten Regionen für Fachkräfte
Laut des aktuellen Fachkräfte-Atlas der Jobbörse Stepstone würden 44 Prozent sofort ihre Koffer packen und nach Bayern ziehen, wenn sie dort eine geeignete Stelle finden.
Nord und süd: Jeweils 38 Prozent nannten Baden-Württemberg beziehungsweise den Stadtstaat Hamburg attraktive Regionen für Fachkräfte.
Ein Drittel möchte in Nordrhein-Westfalen arbeiten.
Berlin mag sexy sein. Als Fachkräfteregion ist die Heuptstadt jedoch nur für 28 Prozent der Befragten attraktiv.
Noch weniger, nämlich 21 Prozent, können sich vorstellen, zum Arbeiten nach Hessen zu ziehen.
20 Prozent halten Niedersachsen für eine attraktive Fachkräfte-Region.
16 Prozent wollen nach Rheinland-Pfalz.
13 Prozent zieht es nach Schleswig-Holstein.
Nur elf Prozent wollen in Bremen leben und arbeiten.
Neun Prozent könnten es sich vorstellen, für einen Job nach Sachsen zu ziehen.
Jeweils sieben Prozent nannten Brandenburg beziehungsweise Mecklenburg-Vorpommern eine attraktive Fachkräfte-Region.
Sechs Prozent würden nach Thüringen ziehen.
Ins Saarland wollen fünf Prozent.
Vier Prozent könnten sihc vorstellen, nach Sachsen-Anhalt zu ziehen.

Goldschmidt Thermit Group: 127 Mio. Euro Umsatz, knapp 1000 Mitarbeiter

Ihrem Ururgroßvater Hans Goldschmidt sollten noch viele Kindeskinder auf Knien danken. 1895 meldete er ein chemisches Verfahren zum Patent an, das noch heute führend am Weltmarkt ist. Denn: Schienen werden beim Eisenbahnbau am Stück angeliefert, der Bahnreisende soll aber auch bei hohem Tempo kein Ratatata spüren, wenn eine neue Schiene angesetzt wurde. Das Leipziger Unternehmen Goldschmidt Thermit bietet dafür seit 120 Jahren die Lösung, nämlich Blecheimer oder Portionspäckchen in DIN-A 4-Größe, in denen sich viele dunkelgraue mit wenigen weißen Körnchen mischen – das sogenannte Thermit. Mit dieser Eisen-Aluminium-Mischung lassen sich Schienen verbinden, indem sie nicht geschweißt, sondern in einer Hohlform vergossen werden. Beide Enden werden erhitzt, das Granulat von oben hinzugefügt, und bei bis zu 3000 Grad verschmelzen die Enden nahtlos. 2014 geschah das weltweit rund 1,5 Millionen Mal.

Die wirtschaftliche Elite Südwestfalens in den Räumlichkeiten der Trilux GmbH in Arnsberg: Beim Tag der Weltmarktführer treffen sich seit Dienstagmorgen die führenden Köpfe aus Politik und Wirtschaft der Region, um über Internationalisierung, Digitalisierung und Markenbildung zu diskutieren.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Franz Rother, Mitglied der WirtschaftsWoche-Redaktion, moderiert die Veranstaltung und begrüßt die Teilnehmer. Am Nachmittag wollte er gemeinsam mit dem Vorstand der edding AG, Thorsten Streppelhoff, und dem Vorstandsvorsitzenden der Ravensburger AG, Karsten Schmidt, über das Potential der Markenbildung als Wettbewerbsvorteil diskutieren.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Ralf Kersting, Präsident der IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland, begrüßte die Gäste.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Franz Müntefering besucht die Veranstaltung in seiner Funktion als Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes. Er sprach über das Potential der inhabergeführten Familienunternehmen in der Region Südwestfalen, in der sich in den letzten Jahren abseits der großen Ballungsräume mehr als 150 Unternehmen zu Weltmarktführern entwickelt haben.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Ein Teilnehmer des Weltmarktführer-Tages studiert die Tagungsunterlagen, die beim Empfang vergeben wurden.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Zahlreichen Unternehmen aus der Region zwischen Siegen und Lippstadt, Lüdenscheid und Bad Berleburg ist es gelungen, sich international zu behaupten. Das Spektrum dieser südwestfälischen Erfolgsbetriebe ist breit gefächert und reicht von Automotive-Komponenten bis hin zu Hardware-Lösungen für die Finanzwirtschaft.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Erster Themenpunkt am Dienstag waren die Vor- und Nachteile der neuen digitalen Senderwelt. Katja Hofem, Mitglied der Geschäftsführung der ProsiebenSat1-Gruppe, gab einen Einblick auf zehn Jahre Sendergründerrausch und ging der Frage nach, ob das Fernsehen tatsächlich tot ist. Außerdem regte sie die Teilnehmer zum Nachdenken darüber an, wie man einen neuen Free TV Sender launcht.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Über den Weg zu Industrie 4.0 und die Visionen eines mittelständischen Walzwerkanlagenbauers sprach Axel E. Barten, der geschäftsführende Gesellschafter der Achenbach Buschhütten Holding GmbH.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Auch Dieter Kapp, der geschäftsführende Gesellschafter der Graebener Group äußerte seinen Standpunkt zur Digitalisierung. Er erläuterte Voraussetzungen, Realisierungsmaßnahmen und Ziele bezüglich des Einsatzes intelligenter Anlagen in der Produktion.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Neben der Digitalisierung stellt auch die Internationalisierung Familienunternehmen vor Herausforderungen und Wachstumschancen. Damit setzen sich Redner und Zuhörer intensiv auseinander.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

In der Kaffeepause hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Networking zu betreiben und die Fachausstellung zu besuchen.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch John B. Emerson, Botschafter der USA, meldete sich zu Wort. Er setzte sich in seiner Rede für eine Festigung des TTIP ein.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

In der Internationalisierung des Mittelstandes sieht Sarah Schniewindt von der gleichnamigen GmbH nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Diese führte sie in einem Praxisbericht aus.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Siegfried Koepp, der Vorstandsvorsitzende der elexis AG, betonte das Wachstum durch Internationalisierung, das durch die industrielle Revolution und die Globalisierung geschaffen werde.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Die Regionalmarketing Managerin der Südwestfalen Agentur GmbH, Marie Ting, verlieh den Vorteilen von Region und Marke Nachdruck. Im letzten Block zum Thema Markenbildung wies sie darauf hin, dass starke Unternehmen und ein starker Standort voneinander profitieren können.

Foto: Jörn Wolter

Thorsten Streppelhoff, Vorstand im Betrieb und Supply Chain Management, sprach über die Markendehnung bei der Edding AG. Er sieht sie als strategischen Wachstumsfaktor für das Unternehmen.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

In einer frühabendlichen Diskussionsrunde diskutierte WirtschaftsWoche-Autor Franz Rother (Mitte) mit den Vertretern der Weltmarktführer in Südwestfalen darüber, wie man zur Marke wird und dies als Wettbewerbsvorteil nutzt.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

In einem abschließenden Interview stand der Leiter der Style-Abteilung bei Porsche, Michael Mauer, Frage und Antwort über ein Automobildesign, dass sich - nach eigenen Angaben - zwischen Tradition und Moderne bewegt. Bei einem Get-together und einer weiteren Möglichkeit zum Networking klang der Tag der Weltmarktführer in Arnsberg aus.

Foto: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Der alte Goldschmidt erfand das Coca-Cola-Rezept seiner Branche. Nur das Unternehmen kennt die genaue Mischung, die Arbeit damit ist komplex und hochsicherheitsrelevant, aber sie sichert dem Konzern noch heute mehr als die Hälfte des Weltmarktes. Messgeräte und Seviceleistungen ergänzen mittlerweile das Programm.

Das chemische Know-how alleine hätte nicht gereicht, um als Unternehmer 120 Jahre zu überleben. Es liegt an der Gründerfamilie Goldschmidt, bei der klappt, was im Osten Deutschlands selten ist: Sie leitet das Unternehmen in vierter Generation. Mehr als 30 Familienmitglieder in Europa und Amerika bündeln ihre Anteile in einer Vermögensverwaltungsgesellschaft. Hans’ Ururneffe sitzt dem Aufsichtsrat vor.

Hans-Jürgen Mundinger sitzt heute der Geschäftsführung vor. Der Manager, zuvor bei vielen Westmaschinenbauern am Ruder, sagt: „Wir sind sehr glücklich mit dieser Familie. Sie hat Eisenbahn im Blut, hält mit hohem Einsatz zusammen und verlangt nicht, dass wir den ganzen Gewinn ausschütten.“ Er sagt es nicht, aber es schwingt mit: Die ticken so ganz anders als die Oetkers oder Haniels dieser Republik.

Das liegt an den schmerzhaften Erfahrungen der Goldschmidts. Während des Ersten Weltkriegs wurden alle Auslandsgesellschaften beschlagnahmt und enteignet. Aus einer der enteigneten Gesellschaften entstand ausgerechnet der auch heute noch größte Konkurrent auf dem Weltmarkt.

Familie Goldschmidt betrieb in den folgenden Jahren das Thermitgeschäft vom Werk Essen aus und übernahm 1922 das Werk Halle. 1946 griffen sich die DDR-Mächtigen das Werk bei Halle und erklärten es zum volkseigenen Betrieb Plastwerk. Goldschmidt baute derweil von Essen aus unverdrossen ein weltweites Firmennetz auf und bewahrte bis zur Wende über Jahrzehnte Geduld.

1990 kaufte die Familie einen Teil des beschlagnahmten Werks zurück und eröffnete soeben ein zentrales Forschungszentrum in Leipzig, wo auch die zentrale Holding der mehr als 20 Einzelunternehmen sitzt.

Von großen Unterschieden für Unternehmen in Ost und West mag der Ostchef aus dem Westen nichts mehr hören. Das sei längst vorbei. Kanzler Kohl habe sich nur in der Zeitachse vertan: Er habe Jahre mit Generationen verwechselt.

Grafe Advanced Polymers: 20 Mio. Euro Umsatz 290 Mitarbeiter

Können vier Brüder wirklich gleichberechtigt und ohne alte Rechnungen zu begleichen ein Unternehmen leiten? „Und wie wir das können“, antwortet mit breiter Brust Matthias Grafe, Geschäftsführer des gleichnamigen Blankenhainer Farbpigmenteherstellers. „Was glauben Sie denn, wie wir uns schon als Kinder gekloppt haben? Wir sind unseren Wettbewerbern gerade deshalb überlegen, weil wir unsere unterschiedlichen Fähigkeiten schätzen, uns tief vertrauen und auch nach harten Auseinandersetzungen grummelnd wieder zusammenraufen.“ Das ist das eine. Das andere: Alle vier Westfalen wollten es 1991 ihrem Vater Clemens, einem Chemieunternehmer aus Rüthen im Kreis Soest, beweisen. Der produzierte sogenannte Kunststoff-Batches – Farbkonzentrate und Additive in Granulatform. Die Jungs wollten genauso erfolgreich wie er, ein Unternehmen managen können. Mindestens genauso erfolgreich.

1991 nutzte das Bruder-Quartett die Gunst und die Subventionen der Stunde. Sie suchten einen zentral gelegenen Standort auf den neuen Märkten in Ostdeutschland, entschieden sich auch wegen der Nähe zu Schott und Jenoptik für Jena und gründeten Grafe, das wie der Vater Kunststoff-Batches produziert. Heute gehört das Unternehmen zu den erfolgreichsten weltweit und hat sich in Blankenhain nahe Jena einen größeren Standort gegönnt.

„Wir profitierten damals von den vielen gut ausgebildeten Facharbeitern dieser Region, die nach der Wende neue Stellen suchten. Die waren technisch fit, gut in Mathe und Physik, nur beim Problemelösen durch Improvisieren haperte es“, erinnerte sich Grafe. Und zu improvisieren gab es in den ersten Jahren täglich.

Grafe profitierte aber auch von den staatlichen Subventionen. Trotzdem betrachtet sie der Chef Grafe höchst kritisch: „Ein sinnvoller Anschub, aber auf Dauer führen sie dazu, dass die Leistungsbereitschaft der Menschen sinkt.“

Heute steht das Unternehmen finanziell gut da. Für viele andere gilt das nicht. Das ist die Crux im Osten: Viele Unternehmen sind schon finanziell angeschlagen und ihre Kunden wollen deren Not für niedrige Preise nutzen. Nicht mit Grafe: „Wir setzen auf die besten Produkte, nicht die billigsten.“

Einem Streit mit Kunden oder auch den kommunalen Politikern geht der kantige Westfale nicht aus dem Weg. Schließlich habe Grafe bewiesen, dass man auch in Ostdeutschland ein Unternehmen bei null gründen und seit mehr als 20 Jahren erfolgreich sein könne. Deshalb ärgert sich Grafe seit Neustem im Osten: „Ich verspüre einen Rückschritt in der Gesellschaft. Viele rufen immer häufiger nach dem Staat, fordern mehr Leitplanken für ihr Handeln. Die rot-rot-grüne Politik in Thüringen wird prompt gegenüber uns Unternehmern restriktiver.“ Warum gibt es denn aus seiner Sicht nur so wenig Unternehmer in Ostdeutschland? Für Grafe keine Frage: „40 Jahre wurde das Unternehmertum bekämpft. Wir brauchen mehr Leute mit dem festen Willen erfolgreich zu sein; mit Eigenverantwortung und auch Studenten mit mehr Antrieb.“

Harte Worte. Aber ausgesprochen von jemandem, der mit seinen Brüdern bewiesen hat, dass sich all diese Mühen lohnen.

Kjellberg Finsterwalde: 164 Mio Euro Umsatz, 450 Mitarbeiter

Was für eine faszinierende Technik: Binnen Sekunden trennt der Lichtbogen eines Plasmaschneiders einen handgroßen Zahnkranz sauber aus einer massiven Stahlplatte. Im dem Finsterwalder Unternehmen Kjellberg fräst er sich sogar durch ein 16 Zentimeter dickes Werkstück.

Dieses Know-How machte das Unternehmen Kjellberg zu einem Weltmarktführer. Und dessen verschachtelte Historie nach der gescheiterten Privatisierung brachte den Betrieb 1997 in eine Gesellschafterform, die es nicht oft gibt in Ost-Deutschland. Das Unternehmen samt diverser Gesellschaften für Schweißelektroden, Schweißtechnik und Plasmaschneiden gehört zu 100 Prozent der Kjellberg-Stiftung und damit sich selber und unterliegt der Rechtsaufsicht des Landes Hessen.

Der Stiftungszweck ist die Erforschung innovativer Materialbearbeitung, der Einsatz technischer Errungenschaften für den sozialen Fortschritt, die gemeinsame Verhinderung des Missbrauchs wirtschaftlicher Macht und die Strukturförderung der Niederlausitz, in der das Unternehmen sitzt. Diese Mixtur gibt es noch seltener als Stiftungen.

Zu DDR-Zeiten war das Unternehmen noch bis 1986 im Besitz eines schwedischen Konzerns, erst dann kaufte die DDR den Betrieb. Nach der Wende gab es mehrere Interessenten, Geschäftsführer Carsten Trentau ist nicht gut darauf zu sprechen: „Der Käufer wollte das Unternehmen mit diversen Winkelzügen zerlegen.“ 1997 wird stattdessen die Stiftung gegründet, die alle Anteile an dem margenstarken Unternehmen hält.

Und genau sie sei der Grund, warum Kjellberg, in der strukturschwachen Lausitz ansässig, so innovativ sei, sagt Trentau. „Wir können überdurchschnittlich viel Geld in Forschung und Entwicklung investieren, weil die Stiftung nicht wie ein privater Eigentümer Gewinne entnimmt. So können wir in der Zukunft noch stärker Grundlagenforschung betreiben“. Ein Luxus, andere Unternehmen investieren zu Gunsten des schnellen Nutzens lieber anwendungsorientiert. Aber gerade Grundlagenforschung hält Kjelleberg für eine Grundvoraussetzung, um sich mit Innovationen die Konkurrenz und Plagiatoren vom Hals zu halten. „China ist nicht keine Bedrohung“, drück es Trentau aus.

Aber Kjellberg kämpft zugleich mit einem Problem, das im Osten von Jahr zu Jahr größer wird: dem Mangel an Facharbeitern und Ingenieuren. Mehr als eine Stunde dauert die Anfahrt aus Dresden, Leipzig und Magdeburg noch länger. Kjellberg aber braucht dringend gut ausgebildete Mitarbeiter vom Mechatroniker bis zum Physiker. Also führen sie schon Schüler durchs Haus, betreuen studentische Diplomarbeiten, ködern mit Stipendien - ganz so wie die Weltmarktführer in Westdeutschland.

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