Weltmarktführer-Tag in Südwestfalen Was kommt nach DMAX und Sixx?

TV-Kanäle nur für Frauen und Männer hat Katja Hofem schon erfunden. Nun arbeitet die Geschäftsführerin von Kabel1 an neuen Projekten – und an einer Strategie gegen die Bedrohung Netflix.

Aus dem Herzen des Mittelstands
Die wirtschaftliche Elite Südwestfalens in den Räumlichkeiten der Trilux GmbH in Arnsberg Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Franz Rother Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Ralf Kersting Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Franz Müntefering Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Ein Teilnehmer des Weltmarktführer-Tages studiert die Tagungsunterlagen, die beim Empfang vergeben wurden. Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Tag der Weltmarktführer Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche
Katja Hofem Quelle: Jörn Wolter für WirtschaftsWoche

Vor dem Start des Frauensenders Sixx beschäftigte sich Katja Hofem ausführlich mit Hühnern. Für die Werbekampagne, in der sich die Hennen auf die Fernsehsendungen des Kanals vor knallgrünem Hintergrund freuen, musste sie 20 Hühner casten. „Die haben unseren Sender etwas verwüstet“, erzählt Hofem. Das Huhn Helga überzeugte.

Katja Hofem ist verantwortlich für einige der erfolgreichsten Konzepte, die das deutsche Fernsehen in den vergangenen Jahren erlebt hat. Als Unterhaltungschefin bei RTL II holte sie vor über einem Jahrzehnt Big Brother nach Deutschland. 2006 brachte sie den Männer-Sender DMAX auf Sendung. „Es muss explodieren und die Reifen müssen rauchen, das ist das größte Erfolgsrezept für Männer“, erzählt sie auf dem Tag der Weltmarktführer der WirtschaftsWoche in Südwestfalen.

Es folgte der Start des Frauen-Senders Sixx und Sat1 Gold, einem Kanal für ältere Zuschauer. Eine Zielgrupe, die dem Fernseher noch treu ist: „Unsere größte Sorge ist das Thema der demografischen Entwicklung. Unter 14 Jahren spielt das Thema Fernsehen kaum noch eine Rolle“, sagt Hofem. Die schauen lieber Videos bei Youtube oder Serien beim US-Streamingdienst Netflix. Dieser Trend löst einen Umbruch in der gesamten Branche aus.

Bisher kontern die Fernsehsender vor allem mit hochspezialisierten Angeboten: „Man muss dem Zuschauer etwas geben, von dem er vielleicht gar nicht wusste, dass er es vermisst hat“, sagt Hofem. Im Internet entwickelt Pro7Sat1 deshalb digitale Kanäle für besondere Interessen weiter. „Bisher haben wir uns bei neuen Sendern sehr auf demografische Zielgruppen oder Lebensgefühle konzentriert“, sagt Hofem.

In Zukunft könnten sich die Kanäle noch mehr nach Sendungs-Formaten unterscheiden: Einen Kanal für Actionfilme, Reality-TV oder Tier-Sendungen. Fachmedien spekulieren bereits, ob Kabel1 einen Doku-Sender plant. Konkurrent RTL hat jüngst den TV-Kanal RTL Crime an den Start gebracht, der rund um die Uhr Krimis zeigt.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

Verstärkt Serien aus der eigenen Produktion

Noch funktioniert das Konzept. „80 Prozent unserer Umsätze kommen immer noch aus unserer alten TV-Welt“, sagt Kabel1-Geschäftsführerin Hofem. Doch die Angst ist groß, dass sich das bald ändert. Denn viele Serien und Shows, die Zuschauer reizen, finden diese nur online bei Streaming-Diensten.

Bei Kabel1, eigentlich bekannt für Klassiker und Bud-Spencer-Filme, experimentiert Hofem deshalb mit populären US-Fernsehserien. So zeigte der Sender vor kurzem noch zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr die US-Agenten-Serie „Homeland“. „Aber die Quoten haben gezeigt, dass das keiner wirklich mitgekriegt hat“, sagt Hofem. In der neuen Saison setzt der Kanal deshalb wieder verstärkt auf Serien aus eigener Produktion – zum Beispiel mit dem Restauranttester Frank Rosin.

In Arbeit
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Die Hoffnung der Sender ist groß, dass die Zuschauer diese Sendungen dann bald auch online anklicken. Denn bei Eigenproduktionen haben die Konzerne wenigstens die vollen Rechte, während Kabel1 "Homeland" zum Beispiel nicht online zeigen darf. Dafür zeigt Amazon die Serie über seinen Streaming-Dienst Amazon Prime, bei der Nutzer Videos nun auch speichern können, um sie offline anzusehen. Aber auch Maxdome, der Online-Service von Pro7.Sat1, zu dem auch Kabel1 gehört, hat einige Staffeln im Angebot. Maxdome ist damit eine der wenigen Festungen, mit der sich die TV-Konzerne gegen den Angriff aus dem Internet verteidigen wollen.

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