Wepa-Chef Martin Krengel über Merz-Vorschlag „Die Folgen wären unabsehbar“

Die Abschaltung der Pipeline Nord Stream 1 hätte unabsehbare Folgen. Quelle: imago images

CDU-Chef Friedrich Merz, der bis Dezember 2021 den Aufsichtsrat des Papierherstellers Wepa leitete, plädiert für einen Stopp von Gaslieferungen durch Nord Stream 1. Wepa-Chef Martin Krengel hält das für keine gute Idee.

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WirtschaftsWoche: Herr Krengel, das Unternehmen Wepa aus Arnsberg-Müschede im Sauerland produziert Produkte wie Taschentücher, Servietten und Toilettenpapier. Wie stark belasten die hohen Energiepreise Ihre Firmengruppe?
Martin Krengel: Die Energiekosten für unsere Papierproduktion haben sich gegenüber Normalniveau mit einem Höchststand zu Anfang März weiter dramatisch entwickelt, zeitweise sogar verzehnfacht. Aufgrund der Energiepreissituation kann es dazu kommen, dass die Produktion zeitweise nicht mehr wirtschaftlich ist. Aufgrund dessen mussten wir an unseren Papiermaschinen an den deutschen und niederländischen Standorten beispielsweise punktuelle Abstellmaßnahmen zu Peak-Zeiten vergangene Woche vornehmen. Weitere notwendige Abschaltmaßnahmen sind deshalb aufgrund der Gesamtsituation derzeit nicht auszuschließen.

CDU-Chef Friedrich Merz war 13 Jahre lang Vorsitzender des Wepa-Aufsichtsrates, im Dezember 2021 gab er das Amt ab. Nun plädiert Merz für einen Importstopp von russischem Gas aus der Pipeline Nord Stream 1. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag?
Viele energieintensive Unternehmen sind produktionsprozessbedingt heute auf Gas angewiesen, wie auch wir als WEPA. Ohne die Gaslieferungen aus Russland durch Nord Stream 1 könnten viele Unternehmen die Produktion von Gütern des täglichen Bedarfs nicht aufrechterhalten. Die Folgen für die Wirtschaft und die soziale Lage der Menschen wären unabsehbar. So könnten wir auch beispielsweise die Versorgungssicherheit mit Hygienepapierprodukten nicht aufrechterhalten.

Was fordern Sie?
Gemeinsam müssen Lieferanten, Handel und die Politik nun Lösungen für den Umgang mit der Energiepreis- und Energieversorgungssituation finden.

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