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"Wunderkind" der Wirtschaft Lars Windhorst - das zweite Comeback eines Wunderkindes

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In diese Unternehmen steckt Windhorst Geld

Hoch hinaus Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Die Sapinda-Muttergesellschaft sitzt im niederländischen Schiphol. Eigentümer sind sechs Privatpersonen. Windhorsts Anteil am Kapital liegt bei knapp über 50 Prozent. Wie er nach zwei Pleiten und Offenbarungseid so schnell wieder zu Geld gekommen ist, ist sein Geheimnis.

Der Rest verteilt sich auf den Banker Seok Ki Kim, Berater Roland Berger und Silvio Scaglia, einen reichen Italiener, zu dessen Imperium das Dessous-Label La Perla gehört. Hinzu kommt ein Unternehmer-Ehepaar, das anonym bleiben möchte.

„Ich habe Herrn Windhorst anfangs sehr skeptisch gesehen“, sagt Berger. „Er hatte bei mir keinerlei Vertrauensvorschuss.“ Überzeugt habe ihn schließlich, dass Windhorst seine Fehler erkannt und daraus Konsequenzen gezogen habe. Dazu gehöre etwa, dass Sapinda anders als Vatas keine One-Man-Show mehr sei.

So gehören dem Verwaltungsrat neben Eichler zwei weitere Mitglieder an, die das Tagesgeschäft führen. Bei den einzelnen Beteiligungen sind weitere erfahrene Manager tätig. Ex-Müller-Milch-Manager Carl Heinrich Bruhn etwa führt die Agrarsparte.

Regiert wird von London aus

Windhorst beschäftigt sich vor allem damit, potenzielle Ziele auszumachen und Co-Investoren zu gewinnen. Er sitzt neben Ex-Continental-Chef Hubertus von Grünberg und dem Anwalt und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Georg Thoma „nur“ als nicht-operatives Mitglied im Verwaltungsrat.

Daneben gibt es einen Beirat, der bei Personal- und Investitionsentscheidungen mitredet. Auf dem Papier hat das Gremium nur beratende Funktion. In der Praxis gehe allerdings nichts ohne den Beirat, sagt Mitglied Berger: „Ich hätte das Amt nicht übernommen, wenn ich keine Entscheidungsrechte hätte.“ Sapinda könne nicht riskieren, dass ein Beirat ausscheide, weil er sich nicht ernst genommen fühle, „das wäre nicht förderlich für das Ansehen“.

Der größte Standort von Sapinda ist London. Dort sitzen knapp 60 Mitarbeiter im Nobelviertel Mayfair, der Hochburg der europäischen Hedgefondsszene. Das repräsentative Gebäude mit Glasfassade und Atrium hat exklusive Herrenausstatter als Nachbarn und wird flankiert von Ausstellungsräumen der Edelgalerie Hauser&Wirth. Kunstliebhaber Windhorst hat es also nicht weit, wenn er sich inspirieren lassen will. „London ist in Europa alternativlos“, sagt Windhorst. Die britische Hauptstadt ist Drehscheibe und Treffpunkt für Investoren aus Russland, China, Afrika oder dem Nahen Osten. Daher kontrolliert Eichler von hier aus seit Jahresbeginn die Gruppe.

Wohin die Gelder fließen:

1. Kohle

Vor knapp zweieinhalb Jahren gründet Windhorst Ichor Coal mit Hauptsitz in Berlin, registriert in den Niederlanden und notiert an der Berliner Börse. Als erste Akquisition kauft Ichor die Aktienmehrheit an dem Berliner Kohlehändler HMS Bergbau. Dessen Gründer Heinz Schernikau wird Ichor-Chef. Der Kohlehandel soll um eigene Minen in Asien, Südafrika und Polen ergänzt werden. So steht es im Ichor-Geschäftsbericht 2012.

Nicht mal ein Jahr später folgt die Rolle rückwärts. HMS wird aus Ichor herausgelöst. Schernikau geht. Windhorst will nun doch lieber nur Minen in Südafrika und nicht weltweit kaufen. „So haben wir das Profil der Ichor geschärft. Das kommt bei den Anlegern und an der Börse besser an“, sagt er. Schernikau hielt es für wichtiger, zu diversifizieren.

Windhorst ist immer noch mehr der Typ Finanzinvestor mit Börsenblick, der schnelle Erfolge will. „Geduldiger ist er in den vergangenen Jahren nicht geworden“, sagen Freunde wie Kritiker.

Ichor besteht nun aus einer Mehrheitsbeteiligung an einer südafrikanischen Mine und einer Minderheitsbeteiligung an einer Holding, die Anteile an weiteren Minen hält. 2013 lag der Verlust nach Steuern bei 10,3 Millionen Euro, was für die Aufbauphase nicht weiter dramatisch ist.

Zu schaffen machen dürfte dem Unternehmen die hohe Zinslast. 2012 hat Ichor eine Anleihe über 80 Millionen Euro begeben zu einem Zins von acht Prozent. 6,4 Millionen Euro jährliche Zinszahlungen müssen erst mal verdient sein. 2013 kamen weitere Anleihen im Umfang von 35 Millionen Euro zu 6,5 Prozent Zinsen dazu.

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