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Zahlungsverkehr Mittelständler haben von Sepa noch keinen Plan

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Zeitschriftenabos

Die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger bangen um einen Teil ihrer rund 80 Millionen Abonnenten. Rund 60 Prozent der Abos werden über Lastschriftverfahren abgewickelt, etwa die Hälfte telefonisch oder online akquiriert. Bei Tests eines großen deutschen Presseverlags schnellte die Abbruchquote im Abo-Telefonvertrieb um 30 Prozent hoch: Weil die Callcenter-Mitarbeiter Kunden nach dem erfolgreichen Verkaufsgespräch am Telefon aufforderten, dem Verlag doch, bitte schön, per Post eben noch eine eigenhändig unterschriebene Einzugsermächtigung zuzuschicken.

„Auf Rechnungszahlung umzustellen wäre für uns auch keine Alternative“, sagt der Vertriebsmann eines großen Verlagshauses. „Wer jeden Monat eine Abrechnung zugeschickt bekommt und deswegen eine Überweisung schreiben muss, kündigt im Schnitt weitaus schneller als derjenige, von dessen Konto die Abo-Kosten bequem abgebucht werden.“

Versicherungskonzerne lassen sich die Einwilligung zum Lastschriftverfahren schon immer schriftlich gleichzeitig mit der Vertragsunterzeichnung erteilen. Künftig muss dies allerdings auf einem separaten Dokument erfolgen. Das bringt viel Mehrarbeit. „Wir mussten das Sepa-Mandat als neuen Dokumententyp definieren, dessen Weiterverarbeitung und Verteilung sicherstellen und eine Vielzahl von weiteren Softwaresystemen umstellen“, sagt Jürgen Fesl, der für Sepa verantwortliche Fachbereichsleiter bei der Allianz. „IBAN und BIC spielen in allen Versicherungsverträgen, Datenbanken und Dialogoberflächen, aber auch in allen Briefen und Formularen eine Rolle.“ Insgesamt stecke die Allianz Deutschland einen zweistelligen Millionenbetrag in die Sepa-Umstellung.

Wie sehr die deutsche Wirtschaft unter Zeitdruck steht, lässt sich daran ablesen, dass die Bundesbank Ende Februar erst 220.418 Gläubiger-Identifikationsnummern vergeben hatte, die jeder braucht, der das Sepa-Lastschriftverfahren nutzen will. Das ist extrem wenig, gemessen an 3,6 Millionen Unternehmen und 580.000 Vereinen hierzulande, die die Nummern benötigen. Sie dürfen vom 1. Februar 2014 keine Abbuchungen von den Konten ihrer Kunden oder Mitglieder vornehmen.

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Bei Würth in Künzelsau grübelt Sepa-Experte Wild derweil schon über den einen oder anderen Teufel im Detail. So befürchtet er, dass die Buchhalter bei Würth rund 20 Prozent der eingehenden Zahlungen künftig viel stärker bearbeiten müssen als früher. Denn bei den IBAN- und BIC-Überweisungen haben die Kunden nur noch 140 Zeichen Platz, um den Verwendungszweck für ihre Zahlung zu beschreiben. Bisher sind es bis zu 270 Zeichen.

„Wie bei Twitter werden Kunden aufgrund der Kürze enorme Kreativität entfalten und jede Menge Kürzel verwenden“, schätzt Wild. „Das macht eine automatische Bearbeitung schier unmöglich.“ Im Klartext: Die Würth-Buchhalter werden künftig ganz schön herumrätseln, was der eine oder andere Kunde mit seiner Verschlüsselung à la Twitter wohl bezahlt hat.

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