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Mobiles Internet Wie Apple und Google um die Herrschaft im Web kämpfen

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iPhone: Mit dem völlig Quelle: dpa

Doch der Superstar unter den Smartphones, wie edle internetfähige Handys auch heißen, steht für mehr. Das iPhone, das lehren die vergangenen 36 Monate, könnte zum Synonym für das Geschäftsmodell werden, das den 34 Jahre alten, vorübergehend ermatteten IT-Vorzeigekonzern an die Spitze der digitalen mobilen Kommunikation katapultiert – mit der Aussicht, in den kommenden Jahren den Takt anzugeben.

Vorbei sind die Jahre, als Apple im Mobiltelefongeschäft dilettierte und 2005 gemeinsam mit dem US-Handyproduzenten Motorola ein Mobiltelefon namens ROKR E1 auf den Markt brachte, das mit dem Zugang zum Apple-Online-Musikladen iTunes Kunden anlocken sollte. Doch das Gerät krankte an katastrophaler Nutzerführung, schlechter Leistung und schlappem Akku und lag wie Blei in den Regalen.

Den entscheidenden Schlag verpasste der Apple-Chef der Konkurrenz, als er am 9. Januar 2007 in San Francisco sein iPhone vorstellte, das nicht von dieser Welt zu sein schien. Das Gerät übertraf bis vor Kurzem alle Konkurrenten durch eine Kombination aus zwei Besonderheiten. Zum einen erfolgt die Bedienung, wie inzwischen jeder Pennäler weiß, nur mit einer einzigen Taste und über ein großes Display, das durch Berühren mit dem Daumen oder Zeigefinger Fotos und Internet-Seiten lädt, verkleinert oder vergrößert, das Musik und Videos abspielt und nebenbei auch noch Anrufe empfängt.

"Apple hat das Smartphone-Geschäft revolutioniert"

Zum andern hat Apple etwas kreiert, das es in dieser Form auf dem Handy nur in Ansätzen gab, die sogenannten Apps. Das Kunstwort steht für Applikationen, zu Deutsch: Anwendungen, also Programme für Handys. Diese meist kleinen Softwarehäppchen können Apple-Nutzer für Kosten zwischen wenigen Cent bis hin zu mehreren Euro auf ihr iPhone laden – und das Gerät damit schlauer, interessanter oder verspielter machen. Mehr als 140.000 Apps – von der Navigationssoftware über Programme für die Zeitungslektüre, digitale Helfer für den Einkauf und natürlich Spiele – stehen mittlerweile exklusiv für Apple-Kunden bereit.

Für Pete Cunnigham, Analyst des britischen Mobilfunkberatungsunternehmens Canalys, steht damit fest: „Apple hat das Smartphone-Geschäft revolutioniert.“

Die Idee hat sich inzwischen als erfolgreicher Schlüssel zum Geschäft mit dem mobilen Internet herausgestellt und Apple einen gewaltigen Vorsprung beschert. Fest steht, das sich das wirklich lukrative Geschäft im Mobilfunk massiv vom Gerätehersteller zum Verkauf von Apps und damit verbundenen Dienstleistungen einschließlich Werbung verschiebt. Das amerikanische Beratungsunternehmen Gartner schätzt den Umfang der App-Ökonomie für dieses Jahr auf weltweit 6,2 Milliarden Dollar. Bis 2013 sollen es 30 Milliarden Dollar, werden, fünfmal so viel.

App Store: 3 Milliarden Apps bereits verkauft

Das Geschäftsmodell, das Apple mit seinem iPhone und jetzt auch mit dem iPad verfolgt, ist auch deshalb so erfolgreich, weil es sich über weite Strecken selbst nährt. Denn der Apple-Online-Shop App Store, von dem iPhone-Besitzer sich Apps aufs Handy laden und das Display mit den dazugehörigen bunten Bildchen pflastern können, heizt gleichzeitig die Nachfrage nach den Apple-Mobilfunkgeräten an und umgekehrt. Über drei Milliarden solcher Softwarehäppchen hat Apple bereits verteilt – seit Start des App-Shops Mitte 2008.

Entstanden ist so ein Heer von Programmierern, die immer neue Apps erschaffen. Auf sie baut Apple, vom Unternehmen selbst stammen derzeit nur fünf Apps. Wie ehemals das Betriebssystem Windows, mit dem Microsoft den Personalcomputer massentauglich machte, hat sich so eine globale Entwicklergemeinde rund um das iPhone gebildet. 25 Prozent der iPhone-Apps sind kostenlos. Die Einnahmen für die anderen Apps teilen sich der Fremdanbieter und Apple. Der Programmierer kann den Preis für seine Entwicklung selber festlegen, Apple erhält für den Zugang zum Shop einen Anteil von 30 Prozent. Im vergangenen Jahr setzte Apple mit dem App Store geschätzte 2,5 Milliarden Dollar um.

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