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Mobiles Internet Wie Apple und Google um die Herrschaft im Web kämpfen

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Das Google-Smartphone Nexus Quelle: AP

Google, so sehen es zumindest Experten, habe mit dieser Strategie gute Aussichten, so etwas wie der Volkswagen im Smartphone-Geschäft zu werden – oder die Microsoft der mobilen Welt. Apple dürfte dagegen auch künftig eher das bleiben, was es auch bisher schon war, ein feiner Hersteller eher hochpreisiger Produkte, gewissermaßen der Mercedes im Handygeschäft. Den Ausschlag wird – ähnlich wie auf allen anderen Märkten – geben, welchen technischen Schnickschnack und Service im Internet die Kunden für wie viel Geld bekommen.

So spendiert Google für sein Nexus One kostenlos die Navigationsfunktion, die es bei Apple derzeit nur gegen Geld gibt. Bei der Kamera und beim Prozessor ist der Nexus dem iPhone sogar überlegen. Umgekehrt müssen Nexus-One-Käufer vorerst auf technische Finessen wie das Vergrößern und Verkleinern von Fotos oder Web-Seiten per Daumen und Zeigefinger verzichten. Denn auf viele dieser sogenannten Multitouch-Funktionen hält Apple die Patente. Der Monat „Google gegen Apple“ gibt Hinweise, wie verbissen der Kampf um die mobilen Milliarden ist – und wie schwer es für alteingesessene Spieler aus IT, Telekommunikation und Internet ist, vorne dabei zu sein. So blieb der Absatz des 529 Dollar teuren Nexus One hinter den Erwartungen zurück. Analysten an der Wall Street schätzen, dass drei Wochen nach Start noch immer weniger als 50.000 Geräte verkauft wurden.

Klima zwischen Apple und Google vergiftet

Gleichzeitig hat Google mit dem Nexus One das Verhältnis zum langjährigen Partner Apple vergiftet. Bis Anfang 2009 herrschte noch Friede zwischen beiden Unternehmen. Als sich jedoch abzeichnete, dass Google mit der Handysoftware Android immer stärker direkt in Wettbewerb mit dem iPhone von- Apple treten würde, war es mit der Geselligkeit vorbei.

Wenige Stunden vor der Nexus-One-Premiere höhnte Apple-Chef Jobs in der Öffentlichkeit über die Google-Attacke: „Wir erkennen keinerlei Anzeichen der Konkurrenz, dass diese in absehbarer Zeit aufholen könnte.“ Anlass für die Häme waren vergleichsweise schlechte Zahlen für Google. Für das Betriebssystem des Suchmaschinenkonzerns gibt es derzeit nur rund 24.000 Applikationen, für das iPhone hingegen etwa 140.000, ganz zu schweigen von einer Armada von Musiktiteln, Filmen und Fernsehsendungen.

Apple vor Kooperation mit Microsoft?

Zudem plant Apple angeblich, Google dort zu treffen, wo der Internet-Gigant am empfindlichsten ist. So will Jobs im iPhone angeblich einen eigenen Landkartenservice einrichten lassen – anstelle des derzeit vorinstallierten von Google. Gemunkelt wird im Silicon Valley sogar, Apple könnte sich anstelle der Suchmaschine von Google, die auf dem iPhone eingestellt ist, des Konkurrenzproduktes Bing von Microsoft bedienen.

Google wiederum beäugt die Entwicklung des neuen iPad genau: „Wir beobachten nun, wie sich der Tablet-Markt entwickelt und ob wir uns in diesem Markt auch engagieren müssen“, sagt Nikesh Arora, weltweiter Strategiechef von Google, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Ein eigenes Google-Tablet ist für Arora offenbar durchaus denkbar: „Ich habe in meiner fünfjährigen Tätigkeit für Google gelernt: Man kann gar nichts ausschließen.“

Einen positiven Nebeneffekt hat die echte oder vermeintliche Feindschaft allerdings sowohl für Apple als auch für Google. Sie mindert die Gefahr, dass US-Wettbewerbshüter mögliche marktbeherrschende Aktivitäten beider Unternehmen im mobilen Internet genauer unter die Lupe nehmen.

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