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Mobiles Internet Wie Apple und Google um die Herrschaft im Web kämpfen

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Microsoft-Chef Ballmer (links): Verzweifelte Aufholjagd aus der zweiten Reihe Quelle: dpa

Wie Google-Chef Schmidt auf Schwachstellen von Apple, so setzt sein Microsoft-Kollege Steve Ballmer auf die eine oder andere offene Flanke von Google und von Apple sowieso. So hoffen die Strategen in der Microsoft-Zentrale in Redmond, dass Google mit dem Einstieg ins Handygeschäft die anderen Handyhersteller vergrätzt, die bisher Android einsetzen. „Das dürfte sehr schwierig werden, wenn man den Partnern mit einem eigenen Produkt Konkurrenz macht“, schürt Ballmer die Zwietracht. „Wir konzentrieren uns lieber auf Software als darauf, Handys zu bauen.“

Der bullige Mittfünfziger fährt im mobilen Internet ähnlich wie im PC-Geschäft: Handyhersteller können eine abgespeckte Version des PC-Betriebssystems Windows gegen eine Lizenz für den Einsatz im Mobiltelefon erwerben. Der große Erfolg lässt jedoch bis heute auf sich warten. Zum einen wollen Handyher-steller und Telekomkonzerne um jeden Preis vermeiden, dass es ihnen ergeht wie den Computerbauern und sie Microsoft eine ähnliche Monopolstellung ermöglichen wie auf dem PC-Markt.

Microsoft ist großer Verlierer beim mobilen Internet

Zum anderen kämpft Ballmer im Mobilgeschäft gegen Faktoren, die beim PC eher zweitrangig sind: Handykäufer legen viel größeren Wert auf gutes Design und Bedienkomfort. Mobilfunkgeräte, die mit Windows Mobile arbeiten, etwa von Sony Ericsson, Asus oder Motorola, wirken weniger elegant. Anwendungen laufen teilweise ähnlich wackelig wie auf dem PC – kein Vergleich zur intuitiven Nutzung von Apps auf dem iPhone mit den typischen Fingerwisch-Bewegungen übers Display.

So wundert es nicht, dass Microsoft bisher als einer der großen Verlierer im Kampf ums mobile Internet dasteht, wie das britische Marktforschungsunternehmen Canalys in seiner jüngsten, Anfang November 2009 veröffentlichten Studie festgestellt hat. Danach brach der weltweite Marktanteil von Windows Mobile im dritten Quartal 2009 um ein Drittel auf nur noch 8,8 Prozent ein. Fast jedes zweite Smartphone nutzt dagegen das aus dem Hause Nokia stammende Betriebssystem Symbian. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Blackberry-Hersteller RIM (20,6 Prozent) und Apple (17,6 Prozent).

Verwegene Spekulationen um Microsofts Strategie

"Microsoft versteht nicht mehr, was der Kunde will", meint der einflussreiche amerikanische Marktbeobachter Mark Anderson. „Außer bei Spielkonsolen heißt’s ‚Game over‘ für Microsoft im Endkundengeschäft.“

Doch zum finalen Abgesang auf Microsoft ist es noch zu früh. Denn Ballmers Taschen sind voll genug, um viel Geld für eine große Offensive im Geschäft mit dem mobilen Internet loszutreten. Die Spekulationen jedenfalls, die in der Branche kursieren, könnten verwegener kaum sein. Schon mehrmals sind interne Dokumente mit Codenamen wie "Projekt Pink", "Turtle" und "Pure" in der Öffentlichkeit aufgetaucht, in denen es um verschiedene Konzepte für Mobiltelefone unter der eigenen Microsoft-Marke geht. „Wir erwarten, dass das neue Gerät schon bald debütiert, entweder auf der Handy-- messe MWC in Barcelona Mitte Februar oder auf dem Mobilfunkkongress CTIA in Las Vegas einen Monat später“, meint etwa Katherine Egbert, Analystin bei der US-Investmentbank Jefferies & Co.

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