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Mobiles Internet Wie Apple und Google um die Herrschaft im Web kämpfen

Das iPad, Apples neues kultiges Zwischending aus iPod und Laptop fürs mobile Internet, beschleunigt die Metamorphose des Webs zur allgegenwärtigen virtuellen Zweitwelt. Jetzt entscheidet sich, wer die Vorherrschaft über das künftige Netz gewinnt und Milliardengeschäfte macht.

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Apple-Chef Jobs präsentiert das iPad Quelle: rtr

Bluejeans, weiße Turnschuhe, schwarzer Rollkragenpullover – Steve Jobs steht im typischen Outfit auf der Bühne des Yerba-Buena-Kunstzentrums in San Francisco neben einem bequemen Ledersessel und einem Plexiglastisch.

Hager wirkt der Chef des amerikanischen Computer- und Unterhaltungselektronik-Konzerns – und etwas angespannt. Doch dann versprüht er doch wieder den gewohnten Spirit. „Die Leute werden schier verrückt danach sein“, tönt er und hält seine neueste Schöpfung, über die monatelang spekuliert wurde, in die Menge: das iPad, ein 500 Dollar teures Unterhaltungskraftpaket in Buchformat, das Internet, E-Mail, Spiele, Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Musik, Videos und Filme in ein 1,3 Zentimeter dünnes Aluminum-Glas-Gehäuse zwängt, mit nur einer Taste auskommt, also weitgehend durch Berührung des Bildschirms mit dem Finger seine digitalen Schätze preisgibt.

Apple ist der Konkurrenz wieder einen Schritt voraus

Jobs feiert das neue Gerät, das die Lücke zwischen Apples Edelhandy iPhone und den Powerbook-Laptops schließen soll, als wäre es eine Art Höhepunkt seiner Laufbahn. 2010 wird das Unternehmen, das die Neunzigerjahre fast nicht überlebte, höchstwahrscheinlich mindestens 50 Milliarden Dollar umsetzen und zu den profitabelsten Konzernen der Welt gehören. „Wow, 50 Milliarden Dollar, ich mag es kaum glauben“, sagt der gesundheitlich angeschlagene Jobs und schiebt stolz nach: „Wir sind der weltweit größte Hersteller mobiler Geräte.“

Erst der iPod, dann das iPhone, jetzt das iPad – mit der Präsentation des neuen Computer-Flachmanns ist Jobs nicht nur ein weiteres Mal der Konkurrenz technologisch einen Schritt voraus.

Neue Epoche für den Konzern aus Cupertino

Der Charismatiker aus dem kalifornischen Cupertino läutet zugleich eine neue Epoche in der IT- und Kommunikationsbranche ein, die einer zweiten Revolution im Internet gleichkommt. Das iPad ist kein simpler Nachfolger des Personalcomputers, der, statt unterm Schreibtisch zu harren oder in der schwarzen Umhängetasche zu stecken, nun unablässig unterwegs seinen Dienst tut. Das künftige mobile Internet, das dadurch zur Jedermannsware für Otto-Normal-Nutzer avanciert, wird mehr sein als Online-Einkauf und Zeitvertreib im sozialen Netz, nur jetzt eben im Äther.

Was technisch im iPad wie ein neues Anklicksystem für Internet-Inhalte daherkommt, bringt in Wirklichkeit ein völlig neues Web mit bisher erst ansatzweise erkennbaren Anwendungen und Milliardengeschäften. Ob wir künftig unsere Bücher auf Rechentabletts lesen, den Gesundheitscheck per Handy durchführen oder ortsbezogene Dienste im mobilen Web nutzen – all dies wird unseren Alltag und unser Arbeitsleben verändern. Und es eröffnet eine der aufregendsten Schlachten, die die globale Wirtschaft in den zurückliegenden Jahren erlebt hat. Es geht um nicht mehr oder weniger als um zwei fundamentale Fragen: Wer herrscht künftig über die neue digitale Zweitwelt, und wer scheffelt die meisten Milliarden in einem Geschäft mit aber- und abertausendfachen Diensten und Programmen, Lebenshilfen und Schnickschnack-Angeboten, das in den kommenden Jahren explodieren dürfte?

Handys werden Fernseher als Informationsgerät überholen

Grafik: Die weltweit am weitesten verbreiteten Informationstechniken

Dass die Entwicklung in diese Richtung unmittelbar bevorsteht, ist unter Experten unbestritten. „Von 2014 an werden mehr Mobilgeräte als Computer auf das Internet zugreifen“, prognostiziert Mary Meeker, Technologie-Chefanalystin der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley. Damit werden Handys und Gadgets wie das iPad bis Ende des Jahrzehnts zum am weitesten verbreiteten Informations- und Kommunikationsgerät aufsteigen und sogar den Fernseher überholen.

Damit steht fest, was künftig das große Geld bringt in Telefonie und Computerei: die schönste Pforte ins Internet, der komfortabelste Zugang, die intuitivste Führung, die eingängigste Suchmaschine – oder eine geniale Kombination aus all diesen Elementen.

Vier IT-Supermächte treffen aufeinander

 Doch völlig offen ist, wer das Megageschäft an sich reißt. Denn erstmals treffen die vier Supermächte der Informations- und Kommunikationsbranche, die bisher ihre jeweiligen Metiers dominierten, direkt aufeinander:

Der finnische Nokia-Konzern ist mit großem Abstand Spitzenreiter unter den Handyherstellern und will diese Position auch im mobilen Internet behalten.Der US-Software-Gigant Microsoft, der wie kein anderer die Betriebssysteme für PCs beherrscht, will künftig auch das Geschehen auf Mobilgeräten steuern.Der amerikanische Suchmaschinenriese Google möchte weiter die Poleposition beim Surfen im Internet einnehmenApple wiederum, bislang Kult- und Technologiepionier der IT-Ära, strebt die Rolle erst recht im Mobilfunk an.

Wer jetzt Fehler begeht, fliegt aus dem Rennen

Aufeinander treffen damit zugleich diametral sich unterscheidende Geschäftsmodelle. Denn nur wer am erfolgreichsten den Eingang in die virtuelle Mobilwelt besetzt und die Kunden am besten über den Markt der ungeahnten Möglichkeiten führt, erhält ein erkleckliches Stück vom mobilen Kuchen, dessen Wert Marktforscher wie etwa die Unternehmensberatung Booz & Co. in einigen Jahren auf weit über 150 Milliarden Euro jährlich beziffern. Wer jetzt einen Fehler begeht, könnte schon bald für immer aus dem Rennen fliegen, wer nicht richtig schaltet, droht in der Zweit- und Drittklassigkeit zu versinken. Vor drei Jahren bescheinigte eine Exklusiv-Studie der WirtschaftsWoche Microsoft noch, die besten Chancen zu besitzen, zum König des Internets aufzusteigen. Heute kann davon keine Rede mehr sein.

Viele  Experten sind sich einig: Die besten Karten, zum Primus des mobilen Internets aufzusteigen, hat Apple. Der Computer- und Unterhaltungselektronik-Konzern mit dem angebissenen Apfel im Firmenlogo strotzt vor Umsatz und Profit. Allein im Weihnachtsquartal explodierten der Umsatz um fast ein Drittel auf knapp 16 Milliarden Dollar und der Nettogewinn auf 3,4 Milliarden Dollar – 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der große Kracher im Sortiment ist das iPhone – jenes Handy, das die Zukunft im mobilen Internet einläutete. Zwischen Oktober und Dezember 2009 verkaufte Apple fast neun Millionen iPhones – doppelt so viel ein Jahr zuvor.

iPhone: Mit dem völlig Quelle: dpa

Doch der Superstar unter den Smartphones, wie edle internetfähige Handys auch heißen, steht für mehr. Das iPhone, das lehren die vergangenen 36 Monate, könnte zum Synonym für das Geschäftsmodell werden, das den 34 Jahre alten, vorübergehend ermatteten IT-Vorzeigekonzern an die Spitze der digitalen mobilen Kommunikation katapultiert – mit der Aussicht, in den kommenden Jahren den Takt anzugeben.

Vorbei sind die Jahre, als Apple im Mobiltelefongeschäft dilettierte und 2005 gemeinsam mit dem US-Handyproduzenten Motorola ein Mobiltelefon namens ROKR E1 auf den Markt brachte, das mit dem Zugang zum Apple-Online-Musikladen iTunes Kunden anlocken sollte. Doch das Gerät krankte an katastrophaler Nutzerführung, schlechter Leistung und schlappem Akku und lag wie Blei in den Regalen.

Den entscheidenden Schlag verpasste der Apple-Chef der Konkurrenz, als er am 9. Januar 2007 in San Francisco sein iPhone vorstellte, das nicht von dieser Welt zu sein schien. Das Gerät übertraf bis vor Kurzem alle Konkurrenten durch eine Kombination aus zwei Besonderheiten. Zum einen erfolgt die Bedienung, wie inzwischen jeder Pennäler weiß, nur mit einer einzigen Taste und über ein großes Display, das durch Berühren mit dem Daumen oder Zeigefinger Fotos und Internet-Seiten lädt, verkleinert oder vergrößert, das Musik und Videos abspielt und nebenbei auch noch Anrufe empfängt.

"Apple hat das Smartphone-Geschäft revolutioniert"

Zum andern hat Apple etwas kreiert, das es in dieser Form auf dem Handy nur in Ansätzen gab, die sogenannten Apps. Das Kunstwort steht für Applikationen, zu Deutsch: Anwendungen, also Programme für Handys. Diese meist kleinen Softwarehäppchen können Apple-Nutzer für Kosten zwischen wenigen Cent bis hin zu mehreren Euro auf ihr iPhone laden – und das Gerät damit schlauer, interessanter oder verspielter machen. Mehr als 140.000 Apps – von der Navigationssoftware über Programme für die Zeitungslektüre, digitale Helfer für den Einkauf und natürlich Spiele – stehen mittlerweile exklusiv für Apple-Kunden bereit.

Für Pete Cunnigham, Analyst des britischen Mobilfunkberatungsunternehmens Canalys, steht damit fest: „Apple hat das Smartphone-Geschäft revolutioniert.“

Die Idee hat sich inzwischen als erfolgreicher Schlüssel zum Geschäft mit dem mobilen Internet herausgestellt und Apple einen gewaltigen Vorsprung beschert. Fest steht, das sich das wirklich lukrative Geschäft im Mobilfunk massiv vom Gerätehersteller zum Verkauf von Apps und damit verbundenen Dienstleistungen einschließlich Werbung verschiebt. Das amerikanische Beratungsunternehmen Gartner schätzt den Umfang der App-Ökonomie für dieses Jahr auf weltweit 6,2 Milliarden Dollar. Bis 2013 sollen es 30 Milliarden Dollar, werden, fünfmal so viel.

App Store: 3 Milliarden Apps bereits verkauft

Das Geschäftsmodell, das Apple mit seinem iPhone und jetzt auch mit dem iPad verfolgt, ist auch deshalb so erfolgreich, weil es sich über weite Strecken selbst nährt. Denn der Apple-Online-Shop App Store, von dem iPhone-Besitzer sich Apps aufs Handy laden und das Display mit den dazugehörigen bunten Bildchen pflastern können, heizt gleichzeitig die Nachfrage nach den Apple-Mobilfunkgeräten an und umgekehrt. Über drei Milliarden solcher Softwarehäppchen hat Apple bereits verteilt – seit Start des App-Shops Mitte 2008.

Entstanden ist so ein Heer von Programmierern, die immer neue Apps erschaffen. Auf sie baut Apple, vom Unternehmen selbst stammen derzeit nur fünf Apps. Wie ehemals das Betriebssystem Windows, mit dem Microsoft den Personalcomputer massentauglich machte, hat sich so eine globale Entwicklergemeinde rund um das iPhone gebildet. 25 Prozent der iPhone-Apps sind kostenlos. Die Einnahmen für die anderen Apps teilen sich der Fremdanbieter und Apple. Der Programmierer kann den Preis für seine Entwicklung selber festlegen, Apple erhält für den Zugang zum Shop einen Anteil von 30 Prozent. Im vergangenen Jahr setzte Apple mit dem App Store geschätzte 2,5 Milliarden Dollar um.

Konkurrenz will gegen Apple mit Offenheit punkten

Google-Führungsriege Brin, Schmidt, Page (von links): Angriff auf Apple mit kostenloser Navigation Quelle: Laif

Apple hat bis heute 42,5 Millionen iPhones weltweit verkauft, davon 3,2 Millionen in Deutschland, wo die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile das Gerät exklusiv verkauft. Laut Gene Munster, Analyst bei der US-Investmentbank Piper Jaffray, sollen 2010 nochmals zwei Millionen hierzulande hinzukommen.

Doch wo viel Licht ist, gibt es immer auch Schatten. Und so könnte sich die aktuelle Stärke von Apple auch als Achillesferse erweisen. Denn Jobs’ Erfolge beruhen auf absoluter Kontrolle. Viele Entwickler von Mobilfunkprogrammen klagen über den eigensinnigen Gipfelstürmer. Welche Funktionen das iPhone-Betriebssystem unterstützt, welche nicht und welche Applikationen überhaupt in den App Store kommen, entscheidet autokratisch Apple. Denn der App Store ist exklusiv für Apple-Geräte reserviert. Mitunter vergehen Monate, bis Apps für den Verkauf zugelassen werden. Genau hier wollen die Konkurrenten Google, Microsoft und Nokia punkten – und Apple mit Offenheit Marktanteile abjagen.

Google bläst zum Angriff

Ausgerechnet Google-Chef Eric Schmidt, der gegen den Ruf der rücksichtslosen „Datenkrake“ kämpft, sieht im Allmachtsstreben von Apple eine Steilvorlage, um selber mit Wucht ins mobile Internet einzusteigen. „Mobil wird größer als das Internet“, ist auch er überzeugt. Und weil der US-Konzern vor allem mit Internet-Werbung und seiner hochgezüchteten und hochprofitablen Suchmaschine Geld verdient, steigt Schmidt mit einem 100-prozentigen Kontrastprogramm gegen Apple in den Ring.

Seit Oktober 2008 drückt Google seine Software Android in den Markt – ein Betriebssystem, das aus Smartphones iPhone-ähnliche Handys macht. Dabei setzt Google seine erfolgreichste Waffe ein, die marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung. Im Gegensatz zum Konkurrenten Apple, der sein Betriebssystem für das mobile Internet wie einen Schatz hütet, ist Android eine echte Open-Source-Software. Das bedeutet: Der Android zugrunde liegende Programmcode ist frei verfügbar und kann vom Nutzer beliebig geändert werden. Überdies kostet Android keine Lizenzgebühren – wichtig in einem umkämpften Markt mit sinkenden Margen.

Google-Strategie trägt erste Früchte

Google-Chef Schmidt hofft, mit dieser Methode ins Massengeschäft mit internetfähigen Handys und sonstigen Endgeräten vorzustoßen. Die Strategie trägt erste Früchte – elf Mobiltelefonhersteller arbeiten mittlerweile an Android-Handys, darunter Samsung, LG und Motorola. In diesem Jahr wird eine Schwemme neuer Geräte erwartet, die mit Android arbeiten. Der taiwanische Handyhersteller HTC etwa, der noch 2009 rund 80 Prozent aller Smartphones mit Microsofts Windows Mobile ausstattete, will in diesem Jahr 50 Prozent seiner Produktion mit Android bestreiten.

Um sich aber nicht zu sehr auf das Wohlwollen der Handyhersteller verlassen zu müssen, forciert Schmidt gleichzeitig den Einstieg ins mobile Internet, indem er in Kooperation mit HTC ein eigenes Smartphone namens Nexus One entwickelte, das mit Android ar-beitet. Seit Anfang Januar gibt es das -Gerät in den USA direkt bei Google; im Frühjahr ist es in Deutschland bei Vodafone erhältlich.

Das Google-Smartphone Nexus Quelle: AP

Google, so sehen es zumindest Experten, habe mit dieser Strategie gute Aussichten, so etwas wie der Volkswagen im Smartphone-Geschäft zu werden – oder die Microsoft der mobilen Welt. Apple dürfte dagegen auch künftig eher das bleiben, was es auch bisher schon war, ein feiner Hersteller eher hochpreisiger Produkte, gewissermaßen der Mercedes im Handygeschäft. Den Ausschlag wird – ähnlich wie auf allen anderen Märkten – geben, welchen technischen Schnickschnack und Service im Internet die Kunden für wie viel Geld bekommen.

So spendiert Google für sein Nexus One kostenlos die Navigationsfunktion, die es bei Apple derzeit nur gegen Geld gibt. Bei der Kamera und beim Prozessor ist der Nexus dem iPhone sogar überlegen. Umgekehrt müssen Nexus-One-Käufer vorerst auf technische Finessen wie das Vergrößern und Verkleinern von Fotos oder Web-Seiten per Daumen und Zeigefinger verzichten. Denn auf viele dieser sogenannten Multitouch-Funktionen hält Apple die Patente. Der Monat „Google gegen Apple“ gibt Hinweise, wie verbissen der Kampf um die mobilen Milliarden ist – und wie schwer es für alteingesessene Spieler aus IT, Telekommunikation und Internet ist, vorne dabei zu sein. So blieb der Absatz des 529 Dollar teuren Nexus One hinter den Erwartungen zurück. Analysten an der Wall Street schätzen, dass drei Wochen nach Start noch immer weniger als 50.000 Geräte verkauft wurden.

Klima zwischen Apple und Google vergiftet

Gleichzeitig hat Google mit dem Nexus One das Verhältnis zum langjährigen Partner Apple vergiftet. Bis Anfang 2009 herrschte noch Friede zwischen beiden Unternehmen. Als sich jedoch abzeichnete, dass Google mit der Handysoftware Android immer stärker direkt in Wettbewerb mit dem iPhone von- Apple treten würde, war es mit der Geselligkeit vorbei.

Wenige Stunden vor der Nexus-One-Premiere höhnte Apple-Chef Jobs in der Öffentlichkeit über die Google-Attacke: „Wir erkennen keinerlei Anzeichen der Konkurrenz, dass diese in absehbarer Zeit aufholen könnte.“ Anlass für die Häme waren vergleichsweise schlechte Zahlen für Google. Für das Betriebssystem des Suchmaschinenkonzerns gibt es derzeit nur rund 24.000 Applikationen, für das iPhone hingegen etwa 140.000, ganz zu schweigen von einer Armada von Musiktiteln, Filmen und Fernsehsendungen.

Apple vor Kooperation mit Microsoft?

Zudem plant Apple angeblich, Google dort zu treffen, wo der Internet-Gigant am empfindlichsten ist. So will Jobs im iPhone angeblich einen eigenen Landkartenservice einrichten lassen – anstelle des derzeit vorinstallierten von Google. Gemunkelt wird im Silicon Valley sogar, Apple könnte sich anstelle der Suchmaschine von Google, die auf dem iPhone eingestellt ist, des Konkurrenzproduktes Bing von Microsoft bedienen.

Google wiederum beäugt die Entwicklung des neuen iPad genau: „Wir beobachten nun, wie sich der Tablet-Markt entwickelt und ob wir uns in diesem Markt auch engagieren müssen“, sagt Nikesh Arora, weltweiter Strategiechef von Google, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Ein eigenes Google-Tablet ist für Arora offenbar durchaus denkbar: „Ich habe in meiner fünfjährigen Tätigkeit für Google gelernt: Man kann gar nichts ausschließen.“

Einen positiven Nebeneffekt hat die echte oder vermeintliche Feindschaft allerdings sowohl für Apple als auch für Google. Sie mindert die Gefahr, dass US-Wettbewerbshüter mögliche marktbeherrschende Aktivitäten beider Unternehmen im mobilen Internet genauer unter die Lupe nehmen.

Microsoft-Chef Ballmer (links): Verzweifelte Aufholjagd aus der zweiten Reihe Quelle: dpa

Wie Google-Chef Schmidt auf Schwachstellen von Apple, so setzt sein Microsoft-Kollege Steve Ballmer auf die eine oder andere offene Flanke von Google und von Apple sowieso. So hoffen die Strategen in der Microsoft-Zentrale in Redmond, dass Google mit dem Einstieg ins Handygeschäft die anderen Handyhersteller vergrätzt, die bisher Android einsetzen. „Das dürfte sehr schwierig werden, wenn man den Partnern mit einem eigenen Produkt Konkurrenz macht“, schürt Ballmer die Zwietracht. „Wir konzentrieren uns lieber auf Software als darauf, Handys zu bauen.“

Der bullige Mittfünfziger fährt im mobilen Internet ähnlich wie im PC-Geschäft: Handyhersteller können eine abgespeckte Version des PC-Betriebssystems Windows gegen eine Lizenz für den Einsatz im Mobiltelefon erwerben. Der große Erfolg lässt jedoch bis heute auf sich warten. Zum einen wollen Handyher-steller und Telekomkonzerne um jeden Preis vermeiden, dass es ihnen ergeht wie den Computerbauern und sie Microsoft eine ähnliche Monopolstellung ermöglichen wie auf dem PC-Markt.

Microsoft ist großer Verlierer beim mobilen Internet

Zum anderen kämpft Ballmer im Mobilgeschäft gegen Faktoren, die beim PC eher zweitrangig sind: Handykäufer legen viel größeren Wert auf gutes Design und Bedienkomfort. Mobilfunkgeräte, die mit Windows Mobile arbeiten, etwa von Sony Ericsson, Asus oder Motorola, wirken weniger elegant. Anwendungen laufen teilweise ähnlich wackelig wie auf dem PC – kein Vergleich zur intuitiven Nutzung von Apps auf dem iPhone mit den typischen Fingerwisch-Bewegungen übers Display.

So wundert es nicht, dass Microsoft bisher als einer der großen Verlierer im Kampf ums mobile Internet dasteht, wie das britische Marktforschungsunternehmen Canalys in seiner jüngsten, Anfang November 2009 veröffentlichten Studie festgestellt hat. Danach brach der weltweite Marktanteil von Windows Mobile im dritten Quartal 2009 um ein Drittel auf nur noch 8,8 Prozent ein. Fast jedes zweite Smartphone nutzt dagegen das aus dem Hause Nokia stammende Betriebssystem Symbian. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Blackberry-Hersteller RIM (20,6 Prozent) und Apple (17,6 Prozent).

Verwegene Spekulationen um Microsofts Strategie

"Microsoft versteht nicht mehr, was der Kunde will", meint der einflussreiche amerikanische Marktbeobachter Mark Anderson. „Außer bei Spielkonsolen heißt’s ‚Game over‘ für Microsoft im Endkundengeschäft.“

Doch zum finalen Abgesang auf Microsoft ist es noch zu früh. Denn Ballmers Taschen sind voll genug, um viel Geld für eine große Offensive im Geschäft mit dem mobilen Internet loszutreten. Die Spekulationen jedenfalls, die in der Branche kursieren, könnten verwegener kaum sein. Schon mehrmals sind interne Dokumente mit Codenamen wie "Projekt Pink", "Turtle" und "Pure" in der Öffentlichkeit aufgetaucht, in denen es um verschiedene Konzepte für Mobiltelefone unter der eigenen Microsoft-Marke geht. „Wir erwarten, dass das neue Gerät schon bald debütiert, entweder auf der Handy-- messe MWC in Barcelona Mitte Februar oder auf dem Mobilfunkkongress CTIA in Las Vegas einen Monat später“, meint etwa Katherine Egbert, Analystin bei der US-Investmentbank Jefferies & Co.

Microsoft setzt auf mobilen Spielezugriff

Die XBox-360 ist das einzige Quelle: REUTERS

Auch halten sich seit Wochen Gerüchte, dass Microsoft mit Windows Mobile 7 – dem Nachfolger der fehlergeplagten Version 6 – eine komplette Neuentwicklung gelungen sei, die deutlich besser funktioniere als ihr Vorgänger.

Eine zentrale Bedeutung für Ballmers Handygegenschlag könnte aber auch der Spielkonsole Xbox 360 zukommen – dem einzigen erfolgreichen Endkundengerät von Microsoft: So arbeiten die Programmierer in Redmond offenbar mit Hochdruck daran, die Internet-Spielplattform Xbox Live in Windows Mobile 7 zu integrieren. Mit dem mobilen Zugriff auf Xbox-Spiele erhielten Microsoft-Smartphones dann endlich eine lang ersehnte Anwendung, die mit einem Schlag eine Sogwirkung auf eine große Zahl potenzieller Käufer ausübt. Angeblich will der Konzern sein neues Handybetriebssystem Windows Mobile 7 auf der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress Mitte Februar in Barcelona präsentieren. Nutzen könnten es Handyhersteller dann aber erst Ende 2010.

Nokia unter Druck wie noch nie

Bleibt schließlich noch die Möglichkeit, dass Microsoft sich im großen Stil bei anderen Playern einkauft. So spekulieren Börsenanalysten, Ballmer könne sich demnächst die börsennotierte kanadische Research in Motion einverleiben, die das Business-Smartphone Blackberry herstellt. Dann wäre Microsoft mit einem Schlag wieder ein ernst zu nehmender Mitspieler im mobilen Internet – und vor allem stark bei Geschäftskunden.

Am meisten im mobilen Internet muss sich Olli-Pekka Kallasvuo sputen. Der Chef des weltgrößten Handyherstellers Nokia steht unter Druck wie nie. In den nächsten zwei Jahren entscheidet sich, ob die Finnen eine Weltmacht im Mobilfunk bleiben – oder zum Kistenbauer degenerieren, der sich auf das Zusammenschrauben solider Telefone beschränkt.

Finnen sind weiterhin Handy-Spitzenreiter

Zwar ist Nokia immer Spitze bei Handys. Und mit 46 Prozent Marktanteil rangieren die Finnen weltweit auf Platz eins bei Betriebssystemen für Smartphones. Doch in einem entscheidenden Punkt hat das alles bisher fast nichts geholfen: Nokia-Geräte verfügen über ein eigenes Betriebssystem namens Symbian – trotzdem gehen die Käufer damit überraschend selten ins Internet.

Wie dramatisch das für Nokia ist, liefert eine aktuelle Statistik von 15.000 mobilen Web-Seiten und Handyprogrammen: Im vierten Quartal 2009 kamen demnach in Nordamerika 54 Prozent aller Zugriffe aufs mobile Internet via Smartphone aus iPhones von Apple. Es folgte Android von Google mit 27 Prozent. Windows Mobile von Microsoft schaffte nur drei Prozent, Symbian von Nokia fiel mit weniger als einem Prozent sogar ganz aus der Statistik heraus.

Nokia-Chef Kallasvuo: Der Handy-Weltmarktführer droht zum Kistenbauer zu degenerieren Quelle: rtr

Nokia-Chef Kallasvuo, der schon vor 20 Jahren beim Einstieg ins Handygeschäft mit von der Partie war, will daher das Unternehmen jetzt noch einmal auf den Kopf stellen. Aus dem Handybauer, der jedes Jahr 50 neue Modelle für die verschiedensten Zielgruppen auf den Markt warf, soll eine starke IT- und Software-Company mit wenigen außergewöhnlichen Geräten werden, mit denen die Kunden in eine neue Erlebniswelt eintauchen können – Musik hören, Routen planen, Spiele herunterladen. Ermöglichen soll dies sein neues mobiles Internet-Portal Ovi, das bis Ende kommenden Jahres weltweit 300 Millionen aktive Kunden anziehen soll. Derzeit sind es erst gut 80 Millionen. Zusätzliche Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro sollen die neuen Services bereits im nächsten Geschäftsjahr in die Konzernkasse spülen.

Nokia setzt auf radikal neues Geschäftsmodell

Kallasvuo weiß, dass er radikal vorgehen muss, und setzt auf ein völlig neues Geschäftsmodell. Die Tür zu Ovi öffnet sich erst mit dem Kauf eines Nokia-Smartphones. Im Gerätepreis ist die Gebühr für die dort hinterlegten mobilen Internet-Dienste bereits einkalkuliert.

Damit attackiert Nokia nicht nur das Google-Handy Nexus One mit dem Navigator Google Maps, sondern auch die Hersteller von Navigationsgeräten sowie kostenpflichtigen iPhone-Apps. 8,1 Milliarden Dollar bezahlte Nokia für den US-Kartenhersteller Navteq, um diese Strategie zu verfolgen.

Nokia versucht den Befreiungsschlag

Der Schachzug wirkt wie der atemberaubende Versuch eines Befreiungsschlags. Denn mit Navteq im Konzern öffnet Kallasvuo einen der wertvollsten Datenschätze der Welt: das gesamte Kartenmaterial aus 180 Ländern in 46 Sprachen – alles quasi kostenlos im mobilen Internet. Rund 50 Millionen Kunden, erwartet Nokia, sollen bis Jahresende diese Form der Navigation auf ihrem Handy nutzen.

Ob das reicht, Microsoft auf Distanz zu halten und den Siegeszug von Apple und Google zu stoppen?

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