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Mobilfunk Wie die Telekom mit der Billigmarke Congstar scheiterte

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Längere Durststrecke

Der Schriftzug des Quelle: dpa

Insider sehen das Projekt inzwischen als gescheitert an. „Congstar wird das Umsatzziel von einer Milliarde Euro nie erreichen“, sagt ein Top-Manager. „Doch der Telekom-Vorstand traut sich nicht, das Prestigeprojekt einzustellen oder das Management auszutauschen.“

Intern stellt sich die Telekom-Spitze auf eine längere Durststrecke ein. Erst im Geschäftsjahr 2013 will Congstar die Verlustzone verlassen und eine schwarze Null im operativen Geschäft schreiben. Das sieht die aktuelle Mittelfristplanung vor, die Lautz dem Aufsichtsrat vorlegte. Congstar braucht demnach einen Umsatz von 230 Millionen Euro, um kostendeckend zu arbeiten.

Um zu sparen, friert Congstar nicht nur das Marketingbudget bei 14 Millionen Euro ein und kappt den IT-Etat um eine weitere Million Euro. Auch der Verkauf von Innovationen wie dem Internet-Komplettanschluss (kurz: All-IP), der günstige Internet-Telefonate über den DSL-Anschluss ermöglicht, wird gedrosselt. Statt der ursprünglich geplanten 7000 Neuanschlüsse pro Monat will Congstar den Absatz auf 1000 „durch Reduktion der Vertriebsprovisionen minimieren“, heißt es im Geschäftsplan.

Interne Congstar-Analysen hatten ergeben, dass es bis zu 47 Monate dauern kann, bis sich ein günstiger All-IP-Anschluss (ab 19,99 Euro/Monat) rechnet. Im Herbst will Congstar deshalb neue Tarifmodelle vorstellen, die sich schon nach zwei Jahren auszahlen.

Angesichts der roten Zahlen sehen Konkurrenten den Verdacht einer Wettbewerbsverzerrung und wollen die Regulierungsbehörde einschalten. „Die Bundesnetzagentur darf nicht hinnehmen, dass eine Tochter der Deutschen Telekom dauerhaft mit Verlusten operiert“, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Mehrwert- und Telekommunikationsdiensten (VATM), der Dachorganisation der Telekom-Konkurrenten. „Nur aufgrund von Quersubventionierung kann Congstar jahrelang Dumpingpreise im Markt lassen, die den Wettbewerb massiv stören.“

Teure Büros mit Rheinblick

Die Bundesnetzagentur sieht keine Möglichkeit zum Einschreiten. Endkundenpreise seien nicht mehr reguliert, Congstar habe wie die Telekom alle Freiheiten bei der Preisgestaltung, heißt es bei der Bonner Behörde. Man wundere sich aber über die schlechten Zahlen. So kaufe Congstar etwa seine Anschlüsse bei Großhändlern wie der Telekom zu denselben Konditionen ein wie die Konkurrenz. Da dürfte es eigentlich keine höheren Verluste geben.

Es sei denn, man startet gleich am falschen Ort: Der Einzug in teure Büros mit Rheinblick war schon mal ein grober Verstoß gegen den Discount-Ansatz.

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