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Mobilfunk Wohin das Bündnis zwischen der Deutsche Telekom und France Télécom führt

Die Deutsche Telekom und France Télécom legen ihre britischen Mobilfunktöchter zusammen. Der Schulterschluss weckt Erinnerungen an das erste Bündnis, das im Desaster endete. Doch auch die Idee einer Fusion lebt wieder auf.

Logo von der France Telecom Quelle: AP

Die Börsen feiern die Fusion als Akt der Befreiung: Deutsche Telekom und France Télécom wollen ihre schwächelnden Mobilfunk-Töchter in Großbritannien zusammenlegen. Doch Grund zum Feiern gibt es eigentlich nicht. Wenn sich zwei Fußkranke verbünden, gehen sie nur in Ausnahmefällen als Sieger durchs Ziel. Beide Unternehmen mussten das schon schmerzhaft erfahren.

Vor genau zehn Jahren brach Global One auseinander, ein weltweites Bündnis, das Deutsche Telekom und France Télécom 1996 zusammen mit der US-Gesellschaft Sprint gestartet hatten. Damals sprach die industrielle Logik dafür, einen europäischen Telekomgiganten mit Überkreuzbeteiligung zu schmieden, der in der Weltliga der Telekommunikation eine Spitzenposition erobern soll. Doch nach vier Jahren Streit und gegenseitiger Blockaden hatten sich Deutsche und Franzosen derart auseinander gelebt, dass im Januar 2000 nur die Scheidung blieb.

Vorsätze über Bord

Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer zog einen Schlussstrich unter das Desaster und schwor sich, im Ausland nur noch zu investieren, wenn die Telekom das Sagen hat. Doch jetzt wirft Konzernchef René Obermann alle damals gefassten Vorsätze über Bord.

Den Deal für Großbritannien fädelte er persönlich mit France-Télécom-Chef Didier Lombard ein. T-Mobile, die Mobilfunk-Tochter der Telekom, und Orange, die Mobilfunk-Tochter von France Télécom, sollen in Großbritannien ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem jede Seite 50 Prozent hält. Zudem bekommt es eine Doppelspitze, um jegliche Vormachtstellung eines Partners auszuschließen. Mit 28,4 Millionen Kunden wäre das Gemeinschaftsunternehmen größter Mobilfunk-Anbieter in Großbritannien.

Rene Obermann, Vorsitzender Quelle: AP

Überdies eröffnet der Deal neue Optionen. Schon bei ihrer ersten Ehe legten Telekom und Télécom nicht nur ihre Großkundensparten zusammen, sondern vereinbarten auch einen Nichtangriffspakt im Mobilfunk. Die Franzosen konzentrierten sich stärker auf Westeuropa, die Deutschen bauten ihre Position in Osteuropa aus.

Die Folge: In Europa treffen T-Mobile und Orange nur in wenigen Ländern als direkte Konkurrenten aufeinander. Auf anderen Kontinenten kommen sich die beiden gar nicht ins Gehege.

Für Obermann steht viel auf dem Spiel. Reißen die alten Gräben wieder auf, wird sich die Deutsche Telekom schon bald aus Großbritannien zurückziehen. Gelingt der Schulterschluss mit den Franzosen, erhalten auch die Konsolidierungsszenarien auf dem europäischen Telekommarkt neue Nahrung. Auf dem Papier wäre eine Megafusion zwischen Deutscher Telekom und France Télécom der nächste logische Schritt und für beide Unternehmen die beste aller möglichen Varianten.

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