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Mode Deutsche Modemarken: Begehrt bei Ästheten und Heuschrecken

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Branche ist selbstbewusster

Aber auch die umgekehrte Tour funktioniert, um Mode made in Germany abzusetzen. Marken wie Carlo Colucci, s.Oliver oder Tom Tailor verbergen ihre teutonische Herkunft hinter angelsächsischen oder italienischen Namen. „Viele Verbraucher halten uns für eine amerikanische Marke“, sagt Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer.

„Die Branche ist selbstbewusster geworden“, glaubt Thomas Lange, Geschäftsführer des Modeverbandes German Fashion. Wenig erstaunlich: 2007 ist mit einem Umsatzplus von fünf Prozent gut gelaufen. Und in diesem Jahr wollen die deutschen Modehersteller noch einmal rund sechs Prozent drauflegen. Die weltweit lahmende Konjunktur schreckt sie vorerst nicht. „Die Bestellungen für Herbst und Winter liegen doch schon vor“, sagt Lange.

Dabei ist der Heimatmarkt alles andere als einfach. Der deutsche Modeeinzelhandel stagniert seit Jahren. Seit 1997 verharren die Ladenpreise auf dem gleichen Stand, während die Kosten steigen. Weniger als ein Prozent des Umsatzes verbleibt als Überschuss in der Kasse der Händler.

Immer mehr Modefachhändler geben daher auf, etliche melden Konkurs an – wie zuletzt etwa die Bekleidungsketten SinnLeffers oder Wehmeyer, die zusammen mehr als 5000 Menschen beschäftigten. Gab es 2002 noch rund 32.000 Fachhändler mit Bekleidung in Deutschland, so waren es vier Jahre später nur etwa 27.000.

Am Rande der fränkischen Gemeinde Rottendorf, wenige Kilometer vor Würzburg steht ein futuristisch anmutender Neubau. „s. Oliver“ ist in meterhoher Schrift über dem Eingang auf der Glasfassade zu lesen. Im Inneren riecht es nach Farbe und Zement. „Unsere neue Hauptverwaltung“, sagt Mathias Eckert, Vertriebsleiter Großhandel bei s.Oliver, „Anfang August sind wir eingezogen.“

Eckert ist Baustellengeruch gewöhnt: s.Oliver, Ende der Sechzigerjahre aus einem Modeshop in Würzburg entstanden, hat in den vergangenen Jahren nach und nach fast das gesamte Gewerbegebiet bei Rottenburg übernommen. Und allein in diesem Jahr wird das Unternehmen, das noch immer Gründer Bernd Freier führt, 30 neue Läden eröffnen.

Platz kann der Modehersteller, der vom Strampelhöschen bis zum Nadelstreifen-Sakko fast alles anbietet, brauchen. Innerhalb von zehn Jahren schraubte die Modemarke ihren Umsatz um mehr als das Dreifache auf 1,05 Milliarden Euro. Dabei macht Sir Oliver, wie Gründer Freier das Unternehmen zu Anfang wegen seiner Liebe zu der Romanfigur Oliver Twist getauft hatte, nur ein Viertel seines Umsatzes im Ausland. „Man kann auch in Deutschland ordentlich zulegen, wenn man es nur richtig macht“, sagt Vertriebsmann Eckert. „Wir setzen die Idee der Vertikalen auf unsere Verhältnisse um.“

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