WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Mögliche Kursmanipulationen Eiskaltes Banken-Kalkül bei Verdacht gegen Porsche

Seite 3/4

Was Porsche-Dementis wert sind

Im gleichen Monat vereinbarte Porsche eine gigantische Kreditlinie von 35 Milliarden Euro mit den Banken ABN Amro, Barclays Capital, Merrill Lynch, UBS und Commerzbank. Der Megakredit wurde im Rahmen des Pflichtangebotes arrangiert, das Porsche nach der Erhöhung des VW-Anteils auf über 30 Prozent den VW-Aktionären unterbreiten musste.

„Porsche war sich zu dem Zeitpunkt offenbar sicher, dass das VW-Gesetz bald fällt“, vermutet ein Insider, der seit Jahren mögliche Marktmanipulationen durch Porsche recherchiert. „Deshalb gehe ich davon aus, dass in den Kreditverträgen von 2007 steht, dass Porsche bald seinen Anteil an VW auf 75 Prozent aufstockt und dann einen Beherrschungsvertrag abschließen werde.“ Porsche selbst schweigt sich dazu konsequent aus.

Banken rücken ins Visier der Fahnder

Die Ermittler haben zumindest den Ball aufgenommen, den ihnen der niedersächsische Ministerpräsident zuspielte: „Wir werden den Hinweis von Herrn Wulff in der Untersuchung berücksichtigen“, erklärte eine BaFin-Sprecherin. Ob die BaFin den Stuttgarter Staatsanwälten zu einer Überprüfung der Kreditverträge raten wird, wollte die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch nicht sagen.

Damit rückten die Banken ins Visier der Fahnder. Ohnehin wurde zeitgleich mit der Porsche-Zentrale und den Wohnungen von Wiedeking und Härter am 20. August auch die Maple Bank in Frankfurt durchsucht. Es wird spekuliert, dass das Institut Porsche geholfen habe, den Kurs der VW-Aktie zu beeinflussen. Doch das war womöglich nicht der einzige Grund, warum die Fahnder in die Bank in der Frankfurter Feuerbachstraße einrückten.

Denn die Maple Bank war, so berichten Insider, das Institut, über das Porsche den Kauf großer VW-Aktienpakete abwickelte. Dabei habe die Bank im Auftrag eines Bankenkonsortiums gehandelt, das von Merrill Lynch angeführt wurde. Merrill Lynch und die Maple Bank lehnten eine Stellungnahme dazu ab. Maple-Chef Wolfgang Schuck bestätigte lediglich die Durchsuchung seiner Bank, weitere Angaben wollte er nicht machen. „Wir haben uns nach bestem Wissen und Gewissen nichts vorzuwerfen“, erklärte er gegenüber der WirtschaftsWoche.

Porsche: Heimlicher Zukauf von VW-Aktien

Die wütenden Anleger, die durch die möglichen Manipulationen des Autobauers Millionen verloren haben könnten, dürfte das kaum besänftigen. Weil Porsche im Frühjahr 2008 beteuerte, dass die Beherrschung von VW kein Ziel sei, setzten viele Anleger auf sinkende VW-Kurse. Tatsächlich kaufte Porsche jedoch im Hintergrund weiter Aktien zu – auch verdeckt über den Erwerb von Optionen –, um schnellstmöglich 75 Prozent an VW zu erreichen und den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen zu können. So entstand eine Knappheit an VW-Aktien, die den Kurs im Oktober 2008 explodieren ließ. Der Kurs der VW-Aktie schoss von gut 200 auf über 1000 Euro.

Die Folge: Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, verloren Milliarden. „Hedgefonds und Eigenhändler von Banken haben mehr als 30 Milliarden Euro verloren“, schätzte nach den Kurskapriolen der Gründer eines europäischen Fonds. Nicht nur Hedgefonds und Banken gehörten zu den Verlierern. Auch große Fonds, die den deutschen Aktienindex Dax nachbilden, sowie zahlreiche Dax-Unternehmen kamen durch den extremen Wert anstieg der VW-Aktie in Schwierigkeiten. Weil die Fonds keine VW-Papiere bekamen, mussten sie über Terminkontrakte den gesamten Dax einkaufen. Sie behielten nur die VW-Papiere und warfen die restlichen 29 Werte wieder auf den Markt.

Die Folge: Nur die VW-Aktie stieg, die Kurse der restlichen 29 Dax-Unternehmen fielen. Im November vergangenen Jahres zog Klaus Kaldemorgen, Chef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine ernüchternde Bilanz der Kurskapriolen: „Unterm Strich haben alle verloren, die anderen Dax-Unternehmen, denen die Aufnahmen von zusätzlichem Kapital erschwert oder gar verhindert wurde, die Vermögensverwalter, die Anleger und die Börse, deren Reputation gelitten hat.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%