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Mögliche Kursmanipulationen Eiskaltes Banken-Kalkül bei Verdacht gegen Porsche

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Kursexplosion der VW-Aktie: Quelle: REUTERS

Die Kursexplosion der VW-Aktie sei aber kein Unfall gewesen, sondern von Porsche gesteuert worden, so der harte Vorwurf des DWS-Chefs: „Das war eine gezielte Aktion, Porsche muss gewusst haben, was passieren wird. Im Angelsächsischen nennt man eine solche Strategie cornern: Man sorgt für eine künstliche Knappheit und schaut anschließend zu, wie die Preise zwangsläufig steigen.“

Kaldemorgens Fazit: Porsche habe sich der Kurs- und Marktmanipulation nach Paragraf 20 Wertpapierhandelsgesetz schuldig gemacht – mit einem eiskalten Kalkül: Der Gewinn, den Porsche mit Kurskapriolen erzielte, könne „zwischen 10 und 40 Milliarden Euro liegen“. Porsche bestreitet den Vorwurf der Kursmanipulation.

Dafür spitzt sich hinter den Kulissen die Lage zu. Mehrere Anwaltskanzleien in München, Frankfurt und Düsseldorf bereiten nach Informationen der WirtschaftsWoche Klagen vor. Zu den Mandanten zählen meist institutionelle Anleger wie Fonds oder Pensionskassen, die gegebenenfalls Schadensersatz in zwei oder dreistelliger Millionenhöhe geltend machen wollen.

Geprellte Anleger wollen Porsche in Millionenhöhe verklagen

Die auf Anlegerklagen spezialisierte Münchner Kanzlei Rotter hat bereits im Jahr 2006 den Einstieg von Porsche bei Volkswagen unter die Lupe genommen. Die Kanzlei verklagte die BaFin, um Auskünfte über ein inzwischen abgeschlossenes Verfahren gegen Porsche zu bekommen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt bestätigte den Anspruch der Kanzlei auf Akteneinsicht. Inzwischen liegt die Klage beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

„Im Fall Porsche könnte es zu sehr hohen Schadensersatzforderungen kommen“, sagt Rotter-Anwalt Felix Weigend. „Es gibt bei uns eine Reihe von Mandatsanfragen. Dabei geht es häufig um Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.“ Allerdings würde seine Kanzlei die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten, bevor sie Klagen einreiche. Etwas angriffslustiger gibt sich die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Kanzlei CLLB. „Wir warten nicht ab, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, denn das kann noch dauern“, meint CLLB-Anwalt Franz Braun. „Doch wir brauchen noch einige Informationen, bevor wir den nächsten Schritt machen und mit konkreten Forderungen an Porsche herantreten.“

VW wäre bei Aktionärsklagen fein raus

Die Düsseldorfer Anwaltskanzlei Simmons & Simmons ist schon einen Schritt weiter. Die Kanzlei hat im Auftrag eines Mandanten bereits Porsche wegen Marktmanipulation und Verletzung von Ad-hoc-Pflichten bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft angezeigt. Hans-Hermann Aldenhoff, Deutschland-Chef der Kanzlei, bestätigt die Anzeige, möchte jedoch keine weiteren Angaben dazu machen. Fest steht, dass die Anzeige inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt liegt, die die Unterlagen bereits an die BaFin leitete, mit der Bitte, den Sachverhalt zu prüfen. Vom Ausgang der Prüfung hänge ab, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, ob auch in Frankfurt ein Ermittlungsverfahren gegen Porsche eingeleitet wird. Gegen welchen Personenkreis, stehe noch nicht fest.

Sollten geschädigte Aktionäre tatsächlich Schadensersatzansprüche gegen Porsche vor Gericht durchsetzen, müsste der Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft, der Porsche Automobil Holding SE, wohl seinerseits die Ex-Vorstände Wiedeking und Härter belangen. „In diesem Fall wäre der Aufsichtsrat unter Umständen sogar rechtlich dazu verpflichtet, Ansprüche gegen pflichtwidrig handelnde Vorstandsmitglieder geltend zu machen“, sagt Robert Heym, Gesellschaftsrechtsexperte der Münchner Anwaltskanzlei Reed Smith.

Ob die Ex-Vorstände aber tatsächlich zur Kasse gebeten werden könnten, hänge von einer Reihe von Umständen ab. Selbst wenn in den Aufhebungsverträgen Klauseln enthalten seien, die sie vor jeglichen Ansprüchen dieser Art schützen sollen, so sei zu beachten, dass solche Klauseln nach deutschem Aktienrecht in der Regel unwirksam sind, erklärte Heym. Erfolgreichen Schadensersatzklagen würden wohl die Porsche Automobil Holding SE treffen, sodass letztlich die Eigentümerfamilien den wirtschaftlichen Schaden hätten. Der neue Porsche-Eigentümer Volkswagen könnte dagegen fein raus sein. „VW wäre wohl nicht betroffen, soweit VW nur das in der Porsche AG gebündelte operative Geschäft erwirbt. Die Risiken der Porsche Automobil Holding SE würden wirtschaftlich weiterhin von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch getragen werden müssen. Und natürlich von dem neuen Großaktionär der SE, dem Emirat Katar, soweit sich dieses nicht vertraglich gegen diese Risiken abgesichert hat.“

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