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Motorola-Übernahme Google schlägt im Patentkrieg zurück

In der IT-Branche bekämpfen sich die Wettbewerber immer stärker mit Patenten. Vor allem Googles Android-System ist unter Beschuss. Motorola soll nun Schutz bieten, doch der Preis und die Risiken sind hoch.

Android Quelle: REUTERS

Es ist gerade einmal vier Monate her, dass Google-Gründer Larry Page das Unternehmen wieder als Chef führt, da verkündete der 38-Jährige die größte Übernahme in der Google-Geschichte. Für 12,5 Milliarden Dollar will das Unternehmen die Handy-Sparte von Motorola kaufen – das ist fast drei Mal soviel, wie die bisher größten Zukäufe, Youtube und der Werbevermarkter Doubleclick, zusammen gekostet haben.

Damit macht Page zum einen endgültig klar, wo er das zweite Standbein von Google sieht: nämlich im mobilen Internet. Zum anderen ist es ein Gegenschlag in einem Patentkrieg, der in den verganegnen Monaten eskaliert ist.

Mit dem klassischen Suchgeschäft erzielt das Unternehmen weiterhin den Großteil seiner Einnahmen – um seine Position künftig zu sichern, setzt Page nun massiv auf das mobile Internet. Googles Android ist mittlerweile das am schnellsten wachsende mobile Betriebssystem und liegt laut dem britischen Marktforschungsunternehmen Canalys mit 48 Prozent Weltmarktanteil bei Smartphones derzeit an der Spitze, gefolgt von Apple mit 19 Prozent. Da es auch auf Tablet-PCs läuft, ist Google auch in dem boomenden Markt für Flachcomputer der wichtigste Rivale von Apple.

50 Patentklagen gegen Android

Doch Apple verteidigt sein Geschäft erbittert, die bevorzugte Waffe sind dabei Patente. Erst in der vergangenen Woche erstritt das wertvollste Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen Samsungs Galaxy Tab 10.1 – das Android-Tablet darf europaweit nicht weiter vertrieben werden.

Android steht im Zentrum zahlreicher solcher Streitigkeiten. „Es sind derzeit deutlich über 50 Patentklagen gegen Android im Gange“, erklärt Florian Müller, der sich seit Jahren mit dem Patentgeschäft beschäftigt. Und der Motorola-Kauf ist vor allem auch ein Schritt, um sich für diese Gefechte zu rüsten. „Motorola stärkt Googles Patent-Portfolio und ermöglicht uns, Android besser gegen wettbewerbsfeindliche Attacken von Microsoft, Apple und anderen Unternehmen zu schützen“, erklärte Google-Chef Page.

Denn die goldenen Zeiten Motorolas, in denen ein Razr-Handy so cool war wie heute das iPhone, mögen zwar lange vorbei sein, doch mit weltweit über 17.000 Patenten verfügt der Mobilfunkpionier über eines der größten Arsenale in diesem Bereich.

Google besitzt dagegen in Amerika nur etwa 700 Patente – erst vor zwei Wochen kaufte das Unternehmen 1000 weitere von IBM. „Damit kann sich Google zwar besser verteidigen aber immer noch keine schützende Hand über die Android Hersteller halten“, sagt Patentexperte Müller. Denn andere Patentinhaber verlangen von Wettbewerbern Lizenzgebühren, so kassiert Microsoft beispielsweise fünf Dollar von HTC für jedes Android-Handy. Das macht die Herstellung teurer und senkt die Margen.

Wie wichtig die Patentfrage für Google ist, machte Googles-Chef-Justiziar David Drummond Anfang des Monats klar: „Unsere Konkurrenten führen einen Patentkrieg gegen Android“. Microsoft, Oracle, Apple und andere, würden mit windigen Patenten eine feindliche, organisierte Kampagne führen.

Google-Chefjurist David Quelle: REUTERS

Hintergrund war die Auktion um die Patente des insolventen Netzwerkwerkausrüsters Nortel. Google hatte fast eine Milliarde Dollar für die rund 6000 Patente und Patentanträge geboten, doch Apple, Microsoft, Sony und der Blackberry-Bauer Research in Motion (RIM) schlossen sich zusammen und zahlten mit 4,5 Milliarden Dollar mehr als das Vierfache. „Microsoft und Apple sind sich immer an die Kehle gegangen, wenn sie nun miteinander ins Bett steigen, muss man sich schon wundern“, kommentierte Drummond den Schritt im offiziellen Firmenblog - für einen Juristen ungewöhnlich deutliche Worte.

Nun dürfte Google für die nächsten Patentgefechte vergleichsweise gut gerüstet sein, der Preis dafür ist jedoch weit höher als 12,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen übernimmt 19.000 Motorola-Mitarbeiter und ein Hardwaregeschäft, das schon seit einiger Zeit keine großen Erfolge vorzuweisen hat.

Riskanter Zusammenschluss

Ob dieser Zusammenschluss funktioniert, muss sich erst zeigen. Auch der Bau eigener Geräte ist ein riskantes Unterfangen. Apple ist mit seinem Angebot von Geräten und Software aus einer Hand zwar gerade zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen, doch die Beispiele Nokia, Sony-Ericsson, RIM oder eben Motorola zeigen, wie schnelllebig und schwierig das Smartphone-Geschäft ist.

Bisher war Google mit seiner Strategie, Software für Partner wie Samsung oder HTC anzubieten, sehr erfolgreich. Zwar äußerten sich diese zunächst positiv und der Google-Kauf und ein besserer Patentschutz für Android könnte auch ihnen helfen. Doch wenn Google seinen bisherigen Partnern mit eigener Hardware Konkurrenz macht, muss sich zeigen, wie sich diese Allianz weiter entwickelt. Auf Larry Page kommt damit viel Arbeit zu, wirklich feiern können derzeit nur Motorola Mobility Chef Sanjay Jha und Carl Icahn. Großinvestor Icahn war es, der lange auf eine Abspaltung der Handy-Sparte gedrängt hatte. Er hält elf Prozent der Motorola-Mobility-Aktien und freute sich gestern über das Angebot, dass 63 Prozent über dem gestrigen Börsenwert liegt.

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