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Multiline Der Einkleider der Nation

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Ghassan Arab mit Angela Merkel Quelle: Multiline

Arab stecken Handel und Unternehmertum im Blut. Schon im Kindesalter erfährt er, wo künftig das große Geschäft liegen könnte. „Wir haben daheim die Textileinkäufer der großen deutschen Warenhäuser empfangen“, erinnert er sich. Bis heute pflegt er das Familiäre. Bert Hentschel, Geschäftsführer des Modeversenders Walbusch in Solingen, schwärmt von der „freundlichen Natürlichkeit“. Einmal habe er mit Arab in Düsseldorf über einen Auftrag verhandelt, da sei mitten hinein Arabs Sohn mit dicker Wange vom Zahnarzt hereingeplatzt. Arab habe seinen Sohn einige Minuten getröstet und sei erst dann wieder zum Geschäft übergegangen.

Arab redet so schnell, wie seine Fabriken T-Shirts ausspucken. Er ist der Generalist mit dem Riecher fürs Geschäft, der nie studiert hat, dafür aber weiß, wie er sich fehlendes Wissen besorgt. „Ich brauche für vieles Berater“, gibt er offen zu. Tatsächlich geben sich bei Multiline hoch dotierte Herren in teuren Anzügen nur so die Klinke in die Hand. Alles, was im Entferntesten mit Personal zu tun hat, also Rekrutierung, Stellenbeschreibungen oder Auswahlverfahren, überlässt Arab der Personalberatung Kienbaum. Wenn es sich um Bilanzen, Konzernstrukturen oder Gesellschaftsrecht dreht, baut er dagegen auf Bernd Bothe, den Partner bei der Düsseldorfer Managementberatung Horn & Company, der früher als Manager dem Handelsriesen Metro diente.

Undurchschaubares Firmengebilde

Rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz, geschätzte 50 Millionen Euro Gewinn, zahllose Einzelunternehmen mit insgesamt 13 000 Mitarbeitern, so viel ist über Multiline bekannt. Doch wie ist das Unternehmen organisiert? Wie kommen Umsatz und Gewinn zustande, wer liefert wie viel an wen, wie sind die Beteiligungsverhältnisse und die Verflechtungen?

Nach Rücksprache mit Arab darf Berater Bothe per E-Mail erklären: „Wie der wirtschaftspolitischen Fachwelt bekannt sein dürfte, werden in Ländern wie Syrien Eigentumsverhältnisse und Firmenstrukturen traditionell und grundsätzlich aus wirtschaftspolitischen Gründen in viele, autarke Einzelunternehmen mit den unterschiedlichsten Namen aufgeteilt. Die Firmen der Multiline Group und deren Partner sind rechtlich autark und werden wirtschaftlich nicht konsolidiert, vermarkten jedoch ihre Produkte gemeinsam in der Multiline Group.“

Auf gut Deutsch: Im Rücken von Multiline agiert ein für Außenstehende undurchschaubares und fein ziseliertes Firmengebilde. Einer der Gründe für die Zersplitterung und Geheimniskrämerei ist offenbar die Verstaatlichung großer Betriebe in Syrien zu Zeiten von Arabs Vater Mohamed. Nach diesen Erfahrungen, so lässt Arab seinen Berater schwammig erklären, hätten Unternehmensgruppen wie Multiline die Konsequenz gezogen und „ sich den Gegebenheiten angepasst“ – sprich: sich in einen Schwarm von Firmen verwandelt, um nicht so einfach vom Staat gefressen werden zu können.

Nur so viel verrät Arab über die Eigentümerstruktur: Multiline ist nicht mehr zu 100 Prozent inhaberfinanziert. Er selbst sei zwar alleiniger Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter, aber mittlerweile seien auch ausländische Banken und stille Teilhaber beteiligt.

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