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Murdoch-Imperium Wahnsinn mit Methode

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A protestor wearing a Rupert Quelle: dapd

McMullan erzählt diese Geschichte ohne die Enttäuschung, die man erwarten würde. Er wurde für seine Warterei gut bezahlt, das half ihm hinweg über den verpassten Scoop. Er rechnet es vor: „120 Pfund pro acht-Stunden-Schicht, drei Acht-Stunden-Schichten pro Tag, mal zweieinhalb Tage, macht fast tausend Pfund.“

Im Lauf des Gesprächs nennt er viele hohe Summen, die er als News of the World- Journalist angeblich verdient und später als Ressortleiter gezahlt hat, an Privatdetektive, Bodyguards, Polizisten und Leser: an die, die ihm Tipps gaben, sogenannte whistleblower. Jeden Tag hätten ihn Leute angerufen. „Was soll man als Journalist machen, wenn einem jemand sagt: ›Ich arbeite in der Praxis von Frau Beckhams Arzt, und sie hat einen Schwangerschaftstest gemacht, der positiv war‹. Soll ich mir da die Ohren zuhalten?!“ Das höchste, was er jemals gezahlt habe, seien 30.000 Pfund gewesen, in bar, in zwei Plastiktüten, für einen Tipp zu einer Titelgeschichte. Geld treibt ihn an, und er trieb andere damit an.

Bis sie vor drei Wochen eingestellt wurde, war die News of the World die auflagenstärkste Sonntagszeitung Großbritanniens. In ihren besten Zeiten, den fünfziger Jahren, lag die Auflage bei über 8 Millionen, zuletzt sank sie auf rund 2,7 Millionen. Zum Vergleich: Die Auflage der Bild am Sonntag liegt knapp unter 1,5 Millionen.

Gespräche der königlichen Familie abgehört

Freimütig gibt McMullan zu, Telefone angezapft zu haben. In den neunziger Jahren, erzählt er, hätten sie einen Lieferwagen mit Peilsender vor dem Palast geparkt und die Telefongespräche der königlichen Familie mitgehört. Später habe er auch Handys von Prominenten abgehört. Es sei ganz einfach: Man rufe eine Handynummer von zwei Telefonen gleichzeitig an, sodass ein Telefon direkt an die Mailbox weitergeleitet wird. Dann tippe man den Code ein, manchmal reiche dafür schon eine Standardeinstellung wie „0000“. Falls der Code nicht zu knacken sei, beauftrage man einen Privatdetektiv, ihn herauszufinden. Wozu dieser wiederum Kontakte bei den Telefongesellschaften nutze. Wenn McMullan so erzählt, klingt es, als würde er einem erklären, wie man eine Waschmaschine bedient.

„Es ist ein Spiel"

Obwohl er am Sturz des Murdoch-Imperiums mitgearbeitet hat, kann er die Aufregung um das Abhören nicht verstehen. „Ich finde, dass das Telefon von wem auch immer abgehört werden kann“, sagt er. Hugh Grant zum Beispiel: Hat der nicht in einem Film mitgespielt und von Murdochs 20th Century Fox Studios dafür ein Millionenhonorar bekommen? Im Gegenzug werde er halt von Murdoch wieder abgehört, von den Journalisten der News of the World . „Es ist ein Spiel“, sagt er, „was ist schon dabei?!“

Für Rebekah Brooks hat McMullan viele Scoops gelandet. Gemeinsam haben sie sogar ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Im Sommer 2000 wurde die achtjährige Sarah Payne ermordet, später stellte sich heraus, dass der Täter wegen Sexualdelikten vorbestraft war. Brooks wollte eine Kampagne aus dem Fall machen, sie brauchte dafür Gesichter: Fotos von vorbestraften Pädophilen, die sie mit Namen veröffentlichen wollte. McMullan bekam den Auftrag, sie zu finden.

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