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Murdoch-Imperium Wahnsinn mit Methode

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Der Guardian war die einzige Zeitung Großbritanniens, die die Geschichte seit zwei Jahren verfolgte, obwohl sich bis zu dem Skandal um Milly Dowlers Handy die Öffentlichkeit nicht wirklich dafür interessierte. Eine kleine. schwächelnde Tageszeitung, deren Auflage nur ein Zehntel von der der News of the World beträgt, wagte es, den gefürchteten Murdoch anzugreifen.

Der Chefredakteur Alan Rusbridger wurde nicht nur von der Polizei, sondern auch von anderen Chefredakteuren davor gewarnt. „Die einen hatten Angst vor einer Gegenkampagne der Murdoch-Blätter, die anderen hörten selbst Telefone ab, und die Dritten wollten den Ruf der Branche nicht beschädigen“, sagt Leigh. Der Guardian gehört einer Stiftung, keinem großen Verlag. Es macht ihn unabhängiger und sichert sein Überleben: Die Zeitung selbst macht laut Leigh seit zwanzig Jahren keinen Gewinn.

Ära geht zu Ende

Im Herbst wird die Ausgabe wohl reduziert werden, bis sie eines Tages nur noch im Internet erscheint. „Wir gehen davon aus, dass es in zehn Jahren keine Papierzeitung mehr geben wird“, sagt Leigh. Die Ära der Massenblätter gehe zu Ende.

Wie fühlt er sich damit? Er macht eine Pause und sagt, dass die Website des Guardian die zweiterfolgreichste des Landes sei. Welche ist die erfolgreichste? Die der Boulevardzeitung Daily Mail. „Aber nur, weil sie diese Promifotos zeigen!“ Er lacht. So ist das Geschäft.

Pressefreiheit und Demokratie

Fragt man David Leigh, ob er die News of the World gehasst habe, winkt er ab. „Ich wollte nicht, dass sie geschlossen wird“, sagt er, „ich wollte, dass sie bei sich aufräumt.“ Er glaubt, dass sie den britischen Journalismus beschmutzt habe und damit letztendlich auch seine Arbeit gefährdet: Wahrscheinlich wird die Presse in Zukunft stärker reguliert werden. Die Aufdeckung des Abhörskandals ist zwar ein Triumph des investigativen Journalismus, aber sie ist auch eine Bedrohung für ihn.

Viele Menschen reden jetzt in Großbritannien über Pressefreiheit und Demokratie, und je nachdem, wer spricht, haben die beiden Worte eine andere Bedeutung. Paul McMullan versteht darunter die Freiheit, welche Methoden auch immer einzusetzen, um mit Geschichten viel Geld zu verdienen. David Leigh versteht darunter den Auftrag, die Öffentlichkeit aufzuklären. Und Rupert Murdoch verstand darunter die Freiheit, medial und politisch zu expandieren.

Am Dienstag sagte Murdoch, es sei der schwierigste Tag seines Lebens. Aber wer weiß in diesen Tagen schon, was morgen passiert?

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