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Musikindustrie Die letzte Schlacht der Plattenkonzerne

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Wer welchen Anteil am Verkauf von Musik bekommt

Zumindest teilweise erfüllt haben sich die Hoffnungen der Unternehmen, mit einer Rundum-Betreuung der Künstler – von Konzertveranstaltungen bis zu Werbeverträgen – die Einnahmen zu steigern. Bis vor zehn Jahren genügte es den Konzernen, die CDs ihrer Künstler zu pressen und in die Läden zu bringen. „Das brachte Renditen von 20 Prozent und mehr“, sagt „Musikmarkt“-Manager Zarges. Tourneen und der Verkauf von Fanartikeln wie T-Shirts waren ein Zuschussgeschäft. Das wollten die Plattenfirmen ändern. Doch auch diese Strategie funktioniert inzwischen nur beschränkt. Denn das Geschäft mit den Konzerten stößt früher als gedacht an seine Grenzen. Nicht zuletzt, weil Veranstalter, Plattenfirmen und Künstler die Preise kräftig erhöht haben, ist der Konzertbesuch vielen zu teuer. So sank der Ticketumsatz bei den 50 größten Tourneen des Jahres 2010 um zwölf Prozent.

Den großen Umschwung verspricht sich die Branche vom Verlagsgeschäft, das die Rechte der Komponisten und Textdichter verwaltet. Einige wie die Bertelsmann-Tochter BMG beschränken sich sogar ganz darauf. Wenn ein Radiosender ein Musikstück spielt oder ein Hotelpianist eine bekannte Melodie anschlägt, klingeln die Kassen. „Das sind immer nur Cent, aber halt verdammt viele Cent“, sagt Jeremy Lascelle, Chef des BMG-Ablegers Chrysalis. Da die Verlage nur einen Teil davon an die Kreativen weiterleiten und geringe Verwaltungskosten haben, schaffen sie am Ende oft Renditen von gut 20 Prozent. Das freut vor allem die Private-Equity-Gesellschaft KKR, der die Hälfte von BMG gehört. „Wir waren mal der debile Cousin, den die Familie verschämt versteckte“, sagt Chrysalis-Chef Lascelles. „Heute sind wir der Musterschüler.“ Dennoch sei auch dies langfristig „zu wenig, um ein Unternehmen zu retten“, sagt Experte Zarges.

Inzwischen geht der Rückgang der Branche an die Substanz. Aus Geldmangel investieren die Plattenfirmen immer weniger in neue Künstler und bringen sich so um den Nachwuchs. So sank der Umsatz mit Debütanten seit 2003 um 77 Prozent – doppelt so schnell wie mit etablierten Stars. Von den zehn erfolgreichsten Tourneen in 2010 haben mit Lady Gaga und dem Popjazz-Sänger Michael Bublé nur zwei ihre Karriere nach 1990 begonnen.

Hoffnung auf Hilfe von Außen

Schäden für die Musikbranche, weltweite Albenverkäufe für Top-Hits, Umsätze mit Musik

Vielleicht helfen ja auch Branchenfremde den gebeutelten Unternehmen aus ihrer Misere. Einer könnte Rupert Murdoch sein. Der australische Medientycoon ist beteiligt an einem Service namens Beyond Oblivion, bei dem Gerätehersteller gegen einen Aufpreis den Zugang zu einer Musikdatenbank mit verkaufen können. Das Geld erhalten dann die Plattenfirmen.

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    Ein weiterer Helfer könnte Spotify sein, eine Beteiligung des Hongkonger Immobilientycoons La Ka-shing. Der Chinese bietet eine Online-Plattensammlung auf Abruf, bei der sich die Fans aus gut elf Millionen Songs Wunschlisten zusammenstellen und abrufen können. Finanziert wird das über Werbung – oder Monatsbeiträge von zehn Euro für alle, die keine Reklame wünschen. Für jedes abgerufene Stück erhält die Plattenfirma Geld.

    „Das ist zwar noch nicht viel, aber dafür dass es das Angebot erst in ein paar Ländern gibt, ist es für einen Mittelständler wie uns schon ganz ordentlich“, sagt Edel-Manager Hocke. Noch ist Spotify allerdings nicht in Deutschland zu haben, weil sich das Unternehmen – anders als in Schweden oder Großbritannien – nicht mit den Verwaltern der Rechte auf eine angemessene Gebühr einigen konnte.

    Und wenn auch die Branchenfremden nichts bringen? „Musik gab es vor den ersten Schellackplatten“, sagt Siegfried Loch, Inhaber der Jazzfirma ACT, „und es wird sie auch nach dem Ende der CD geben.“

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