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Nachfolge in Familienunternehmen Firmenerben zwischen Loyalität und Selbstverwirklichung

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Bettina Würth Quelle: Pressefoto

Mancher hält dem Druck nicht stand – so wie Arndt von Bohlen und Halbach, letzter Spross der Krupp-Dynastie. Von Geburt an steht fest: Der Junge mit den puppenhaften Gesichtszügen soll, wie einst sein Vater Alfried, das mächtige Industrieerbe antreten. Nach dem Krieg wird der weichliche Zögling von Internat zu Internat geschickt. Zur Vorbereitung auf die künftige Aufgabe studiert er, gegen seinen Willen, Jura und Wirtschaft.

Doch als der Konzern Mitte der Sechzigerjahre in die Krise gerät, beschließt der Vater: Der Sohn erbt nicht! Eine Stiftung übernimmt 1967 die Firmennachfolge, Sohn Arndt wird zum Verzicht überredet, bekommt eine jährliche Apanage von damals zwei Millionen Mark ausgezahlt. Und gilt in den Gazetten fortan als „reichster Frührentner Deutschlands“.

Obwohl jeder weiß, dass er homosexuell ist, heiratet er eine Prinzessin – und stürzt sich ins Jetset-Leben: Beim Karneval in Rio lässt er sich als Aztekenkaiser verkleiden, mit echter Goldkrone und Smaragden. Im Hafen von Saint-Tropez zeigt er sich den Kameras halb nackt auf seiner Jacht, mit Lorbeerkranz und Goldzepter in der Hand. Als Arndt von Bohlen und Halbach 1986 im Alter von nur 48 Jahren in München stirbt, ist seine Mutter Anneliese als Letzte bei ihm. „Ein Krupp zu sein“, hatte sie ihm als Kind erklärt, „ist etwas ganz Furchtbares.“

Albert Steigenberger dagegen hat es geschafft, nicht am Erbenfluch zugrunde zu gehen. Der Enkel des gleichnamigen Gründers der Hotelkette versteht schon früh: Sein Name ist der Auftrag, das Unternehmen in der dritten Generation erfolgreich zu leiten. Beim „Prinz“, wie der Junge von Verwandten und Mitarbeitern gerufen wird, wächst das Unbehagen ob des vorgeschriebenen Wegs. Als Student ertränkt er es immer häufiger in Alkohol. Erst als sein Vater Mitte der Achtzigerjahre stirbt, wagt der junge Albert, sein Wirtschafts- und Jura-Studium abzubrechen. Die Trink- und Spielsucht hat ihn da schon im Griff.

Es dauert Jahre, bis Steigenberger sich davon erholt und seine wahre Leidenschaft entdeckt: die Botanik. Der heute 53-Jährige betreibt nun Bahnhofsblumenläden im Rheinland. Ein vergleichsweise schlichtes Geschäft, aber selbst aufgebaut: „Keiner“, sagt er, „kauft bei mir Blumen, weil ich Steigenberger heiße.“

Frei ohne Befreiungsschlag

Albert Steigenberger Quelle: Rüdiger Nehmzow für WirtschaftsWoche

Dass man nicht zwangsläufig mit der Familientradition brechen muss, um seinen eigenen Weg zu finden, hat Bettina Würth bewiesen – trotz ihres Übervaters mit den vielen Attributen: Schraubenkönig. Selfmade-Millionär. Der Lehrling, der aus der Zwei-Mann-Schraubenhandlung seines Vaters einen globalen Handelskonzern formte. Was, bitte, bleibt da noch als Aufgabe für die nächste Generation?

Tochter Bettina beantwortet die Frage mit einer frühen Flucht: Mit 16 verlässt sie Schule und schwäbische Heimat, arbeitet als Kindergärtnerin im Münchner Problemviertel Hasenbergl. Erst nach sieben Jahren, mit 23, kehrt sie – auf Bitten des Vaters – zurück. „Die Rebellion war wichtig für mich“, sagt sie rückblickend, „dort habe ich gelernt, mich zu positionieren.“

So beginnt 1984 der bewusst langsame Aufstieg von der Industriekauffrau zur Chefin des Unternehmensbeirats, dem sie seit 2006 vorsitzt. „Gut machst du das, tolle Umsatzentwicklung“, schreibt ihr der Vater schon mal. Und die Tochter antwortet mit „Danke, das freut mich.“

Sicher gab es auch hier ab und an Zwist – der aber wurde hinter verschlossenen Türen geführt. Miteinander statt übereinander zu reden empfiehlt auch Kirsten Baus, die in Stuttgart ein Institut für Familienstrategie leitet. „Mit der öffentlichen Austragung wird meist etwas bezweckt.“

Wie bei Konstantin Neven DuMont, der wochenlang via Zeitungsinterviews über seinen Vater herzog. Er fühle sich wie ein Hund, den der Vater mit der Wurst in den Verlag gelockt habe – und nun ließe man ihn nicht ran. „Prinz-Charles-Phänomen“ heißt dieser Zwist populärwissenschaftlich: Der Junior steht zur Übernahme bereit, doch der Senior lässt nicht los.

Oder er kann sich nicht entscheiden – wie Klaus Steilmann. In väterlicher Gerechtigkeit wollte er seine Töchter Britta, Ute und Cornelia gemeinsam an die Spitze seines Wattenscheider Mode-Unternehmens setzen. Und machte ihnen damit das Leben schwer. „Eine Dreierspitze funktioniert nicht“, sagt Britta Steilmann heute. „Am Ende muss einer entscheiden.“

Vergeblich versuchte sie, mit den Schwestern einen Nenner zu finden – zwei Mal verließ sie das Unternehmen im Streit.

Heute arbeitet die 44-Jährige in Ratingen als selbstständige Raumdesignerin. Das Rampenlicht ist aus, das Verhältnis zu den Schwestern wieder entspannt – „weil wir uns nicht mehr täglich sehen“. 

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