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Nachhaltigkeit Die Erfolgsrezepte der ältesten Unternehmen in Deutschland

Sie haben Wirtschaftskrisen und Weltkriegen überlebt: Deutschlands älteste Unternehmen setzen seit Generationen auf Beständigkeit. wiwo.de hat sieben Firmen-Methusalems über die Geheimnisse ihrer Langlebigkeit befragt.

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Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan

XAN-Hefe-Weissbier im Quelle: AP

Wer den Weihenstephaner Berg in Freising bei München emporfährt, fühlt sich wie in eine goldene Vergangenheit zurückversetzt. Die gelben Mauern und roten Dachziegel der um 1860 erbauten Gebäude auf der Bergspitze leuchten in der Sonne vor knallblauem Himmel, im Innenhof reckt sich eine alte Eiche. An Tagen wie diesem kann man bis zu den Alpen sehen.

"Es ist schon ein besonderer Geist hier auf dem Berg", sagt Josef Schrädler, Direktor der ältesten Brauerei der Welt. Auch wenn nur noch moderne Technik zu sehen ist: Seit 1040 wird hier Bier gebraut. Wahrscheinlich sogar noch länger: Bereits 725 gründet der heilige Korbinian ein Benediktinerkloster. Aber erst 1040 schafft es Abt Arnold, der Stadt Freising das Brau- und Schankrecht abzuluchsen - das Geburtsjahr der Klosterbrauerei Weihenstephan. Schrädler geht davon aus, dass die Mönche auch damals nicht nur für den eigenen Bedarf gebraut haben.

Die Benediktiner brauchen einen langen Atem: Allein zwischen 1085 und 1463 brennt das Kloster viermal vollständig ab, durchlebt drei Pestepidemien und mehrere Hungersnöte, wird von einem Erdbeben zerstört. Doch die Mönche bauen Kloster und Braustätte unermüdlich immer wieder auf und weiter aus.

Was die Katastrophen nicht schaffen, geschieht 1803 durch die Säkularisation: Das Kloster wird aufgelöst, die Brauerei dem Staat zugeschlagen. Heute agiert sie als staatlicher Regiebetrieb, aber nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen, darauf legt Schrädler Wert: "Wir sind profitabel." Weihenstephan habe sich erfolgreich als "hochpreisiges Gastronomiebier" etabliert und sich weit gehend vom Preiskampf im Lebensmittelhandel und dem nachlassenden Bierdurst der Deutschen abgekoppelt. Die Brauerei beschäftigt 98 Mitarbeiter und stößt jährlich 220 000 Hektoliter aus, vor allem Weißbier. Umsatz: knapp 18 Millionen Euro.

Schrädler baut zudem auf das Ausland: "Älteste Brauerei der Welt, dazu das bayrische Staatswappen im Etikett - das ist oft eine Attraktion." Bei 36 Prozent liegt der Exportanteil; von In-Lokalen in New York bis zum Fürstenpalast in Monaco wird Weihenstephan in 26 Ländern ausgeschenkt.

Ein Grund dafür, dass der Freistaat Bayern die Brauerei noch nicht versilbert hat, dürfte in der engen Zusammenarbeit der Weihenstephaner mit der Technischen Universität München liegen, die weiter unten am Berg angesiedelt ist. Schon 1852 zog die landwirtschaftliche Zentralschule nach Weihenstephan und mit ihr die Brauschüler. Seitdem sind Hochschule und Brauerei eng verflochten. Weihenstephan gilt weltweit als Zentrum der Brautechnologie. "Sie finden in fast jeder Brauerei einen Weihenstephaner, der da Bier braut", sagt Schrädler. "Unser Ehemaligenverein hat mehr als 2000 Mitglieder", ergänzt Braumeister Frank Peifer, der selbst an der TU studiert hat.

Von Fachleuten wie ihm können die Studenten im laufenden Brauereibetrieb lernen und Neuerungen in der Welt von Sudhaus und Gärkeller, Maischbottich und Würzpfanne ausprobieren. "Damit sind wir an allen Innovationen ganz nahe dran", sagt Schrädler, der von den elf Sorten Weihenstephan am liebsten Hefeweißbier und Helles trinkt. Schrädler, als Betriebswirt der erste Nicht-Brauer an der Weihenstephan-Spitze, hat kein Problem mit dem Status einer Staatsbrauerei. "Wir liegen niemandem auf der Tasche." Zudem wachse der Markenwert ständig: "Wir sind sehr umworben. Es kommt immer mal wieder jemand rauf zu mir."

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