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Nachruf Mein Interview mit Gunter Sachs

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Ein Aperitif mit Blick auf die Berge, gefolgt von einem Abendessen in geselliger Runde. Schließlich eine Partie Bingo, bei der Sachs selbstverständlich die Rolle des Conferenciers und Preisstifters übernahm. Und penibel darauf achtete, dass wirklich jeder Mitspieler auch einen kleinen Gewinn mitnehmen konnte. Auf dem Weg ins Zimmer, das wegen seiner gewölbten Decke an eine überdimensionale Tonne erinnerte, an den Wänden Kunst aus der berühmten Sachsschen Sammlung  –  noch ein Blick an die Wände: ungezählte Fotografien aus vielen Jahrzehnten eines wilden Lebens: Sachs beim Skifahren, auf Partys, beim Urlaub an der Copa Cabana.

Am nächsten Morgen, geweckt kurz nach sechs Uhr vom Zwitschern der Vögel, ist das Frühstück schon vorbereitet. Sachs hatte wegen Zahnschmerzen schlecht geschlafen, sich noch mal zurückgezogen. Ist aber wild entschlossen, unser lange geplantes Gespräch nicht im letzten Moment platzen zu lassen. Ich bin gespannt darauf, einen Blick hinter die Fassade eines Mannes zu blicken, dessen damals bald 76-jähriges Leben in der Öffentlichkeit gern reduziert wurde auf jene drei Jahre zwischen 1966 bis 1969, die er mit Brigitte Bardot verheiratet war.

Vor dem Diktiergerät hatte er Angst

Doch kaum hatten wir an einem runden weißen Tisch im Wohnzimmer Platz genommen, und uns ein wenig warm geplaudert, zieht sich Sachs zurück wie eine Schnecke in ihr Häuschen: Ein Aufnahmegerät? Undenkbar. „Kein Wort“ bringe er dann heraus, könne nicht frei reden. Das Aufnahmegerät verschwindet schließlich im Flokati –nach einer Weile funktioniert das alte Sprichwort „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch mit einem Mann, der mit Mutter Elinor von Opel und Vater Willy Sachs – sie Urenkelin des Opel-Gründers Adam Opel, er Sohn des Fichtel& Sachs-Mitgründers Ernst Sachs, der Erfinder des Fahrrad-Freilaufs – in einem Schloss bei Schweinfurt aufwuchs, die Schulzeit nach der frühen Trennung der Eltern in diversen Internaten verbrachte und mit dem Auto durch die Wüste fuhr. Der Mathematik und Betriebswirtschaft studierte und mit Kaiserin Soraya flirtete, das verschlafene Fischerdorf Saint Tropez zum Treffpunkt der Reichen und Schönen aus aller Welt machte. Sich selbst als internationaler Playboy inszenierte, als die Deutschen noch vorrangig um die eigene Scholle kreisten. Und durch die Ehe mit Brigitte Bardot die deutsch-französische Aussöhnung in ganz eigener Weise vorantrieb.

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