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Nahrungsmittelkrise "Biosprit verdrängt den klassischen Getreideanbau"

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Besteht denn Hoffnung, dass wir uns wieder der Vollbeschäftigung wie in den Sechzigerjahren annähern?

Vonseiten der Wirtschaft wäre das mittelfristig erreichbar. Voraussetzung ist jedoch eine angebotsgerechte Bildung, um es mal ökonomisch zu formulieren. Die Schüler müssen besser auf die Bedürfnisse der Arbeitswelt vorbereitet werden. Da liegt vieles im Argen. Jedes zweite Unternehmen erteilt den Schulabgängern Nachhilfeunterricht.

Liegt das an familiären oder auch schulischen Defiziten?

Sowohl als auch. Ich möchte hier vor allem die Bildungseinrichtungen ansprechen. Das beginnt mit den Lehrplänen für die Schüler und auch für die Lehrerausbildung an den Hochschulen. Da geht es bisher leider zu wenig um die Vorbereitung auf das Berufsleben. Diese Kritik bezieht sich auch auf die neuen Bachelor-Studiengänge. Diese ergeben nur dann einen Sinn, wenn sie auf die Arbeitswelt vorbereiten. Daran hapert es aber noch.

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    Wie steht es denn um die Defizite unseres Steuersystems?

    Die hohen Staatsdefizite machen die nötigen Korrekturen im Steuersystem nicht leicht. Dennoch sollten wir nach der großen Finanz- und Wirtschaftskrise allmählich mit Vereinfachungen und Entlastungen beginnen. Den Spielraum erarbeiten wir uns gerade mit der guten Konjunktur. Dadurch dürften allein die Steuereinnahmen des Bundes 2011 um zehn Milliarden Euro höher als geplant ausfallen.

    Wo wollen Sie beginnen?

    Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft nachhaltig zu stärken, sollte die Grenze für Sofortabschreibungen von 410 auf 1000 Euro angehoben werden, die degressive Abschreibung auf Anlagevermögen sollte fortgesetzt werden und wir brauchen eine Korrektur des Systemfehlers bei der Gewerbesteuer, der dazu führt, dass Kosten besteuert werden und Verluste nicht ausreichend berücksichtigt werden.

    Was kostet das Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble?

    Das ganze Paket würde zunächst zu Steuermindereinnahmen von rund zehn Milliarden Euro führen. Der Selbstfinanzierungseffekt liegt aber konservativ geschätzt bei 30 Prozent, sodass es Minister Schäuble unter dem Strich nur sieben Milliarden Euro kosten würde. Das wäre maßvoll und könnte bereits als erster Schritt am 1. Januar 2012 in Kraft gesetzt werden.

    Was bieten Sie dem Finanzminister denn zur Gegenfinanzierung dieser Forderungen an?

    Die Wirtschaft ist bereit, mit der Regierung über eine Finanzierung zu sprechen. Konkret schlage ich einen Abbau von Subventionen vor. Als Erstes sollte die Regierung mit dem Rasenmäher ran.

    Mit welcher Höheneinstellung für den Messerbalken?

    Zunächst einmal 15 Prozent. Das würde ziemlich genau die sieben Milliarden Euro an Einsparungen bringen.

    Ausnahmslos 15 Prozent?

    Wenn wir von Subventionen für eine strategische Stärkung unserer Volkswirtschaft absehen, also Anschubfinanzierungen bei neuen Geschäftsfeldern, sollte es keine Ausnahmen geben. Mit dem Rasenmäher können wir uns auch ein wenig Zeit kaufen, um dann Subventionen im großen Stil abzuschaffen.

    Und wenn Sie noch einen Wunsch frei hätten?

    Wenn es uns wieder richtig gut geht und die aktuellen Haushaltsdefizite beseitigt sind, sollte die Regierung noch einmal an die Erbschaftsteuer herangehen. Deutschland hat die Weltwirtschaftskrise auch deshalb so gut überstanden, weil wir einen starken Mittelstand haben. Wir Familienunternehmer haben unsere Arbeitskräfte weitgehend gehalten, wir haben den Konsum damit stabilisiert. Der Fortbestand unserer mittelständischen Unternehmen wird jedoch von der Erbschaftsteuer behindert. Deren Abschaffung würde die unternehmerische Substanz beim Generationenwechsel stärken und wäre für viele Unternehmerfamilien ein wichtiges Signal, weiterzumachen.  

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