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Neue Medien "Verlage sollten bei Apples iPad den Ball flacher halten"

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TV-Zuschaueranteile April 2010

ARD und ZDF bekommen dieses Jahr 7,3 Milliarden Euro aus Gebühren. Diskutiert wird gerade eine Haushaltsabgabe – ist das nicht die Gelegenheit, das System grundsätzlich infrage zu stellen?

Niemand, auch nicht aufseiten der Privatsender, will ARD und ZDF abschaffen. Aber ich halte die Anzahl der öffentlich-rechtlichen Sender für nicht mehr nachvollziehbar. Für die Digitalkanäle von ARD und ZDF werden Millionen der Gebührenzahler ausgegeben – bei Zuschauer-Marktanteilen, die bei rund 0,1 Prozent liegen. Ich zahle auch Gebühren. Aber selbst als TV-Zuschauer muss ich sagen, dass da vieles zu sehr ins Kraut geschossen ist – und sich in weiten Teilen auch kaum mehr vom Programm der Privaten unterscheidet.

Was erwarten Sie von der Politik?

Ich vermisse eine klare Linie der Politik – es müsste endlich eine zielgerichtete Debatte darüber geführt werden, wie viel öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen mit welchem Programmauftrag sich das Land leisten kann und will. Die Medienwirklichkeit 2010 ist doch eine ganz andere als zu Zeiten der Gründung von ARD und ZDF. Das scheint in der Politik nicht im Fokus der Diskussion zu stehen. Statt über die Abgabe zu diskutieren, wäre es wichtiger, endlich zu einer klaren Trennung bei der Finanzierung zu kommen: Die Privatsender finanzieren sich über Werbung, die öffentlich-rechtlichen ausschließlich aus Gebühren.

Bertelsmann hat hohe Schulden – planen Sie dennoch Zukäufe, um den Umsatz  zu steigern?

Mit dem heutigen Schuldenstand erfüllt Bertelsmann seine Finanzierungsziele. Dennoch sind wir in diesem Jahr noch vorsichtig, weil man nicht absehen kann, wie sich die Gesamtwirtschaft entwickelt. Wir wären aber in der Lage zu investieren – in den vergangenen dreieinhalb Jahren haben wir rund 4,5 Milliarden Euro Schulden getilgt. Und das trotz des größten Krisenjahres in der Geschichte der Medien. In entsprechender Größe werden nun auch wieder Mittel freigesetzt, die wir reinvestieren.

In einen großen Zukauf oder kleinere Häppchen?

Wenn in Europa ein Fernsehsender auf den Markt kommt, dann schauen wir uns das natürlich an. Wenn ein großer Buchverlag auf den Markt kommt, ebenfalls. Wir haben außerdem ein Portfolio von Digitalunternehmen gekauft, auch da werden wir weitermachen. Aber zu erwarten, dass Bertelsmann mit einem großen Schlag seinen Umsatz vergrößert – dazu ist nicht die richtige Zeit, und es wäre auch nicht die richtige Strategie, um das Unternehmen zu entwickeln. Wir sind nicht unter Zeitdruck. Uns treibt kein Analyst. Wir haben geduldige Aktionäre, die an Kontinuität interessiert sind. 

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