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Neue Roland-Berger-Spitze "Wer verkauft, verkauft seine Seele"

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Dr. Martin Wittig

Ist es für eine deutsche Beratung schwierig, sich international zu behaupten?

Wittig: In vielen neuen Märkten und in großen Teilen Asiens hält man viel von europäischer Managementkultur und von deutschen Technologien. Das hilft uns sehr.

Schwenker: Zudem gibt es eine große Enttäuschung über amerikanische Managementprinzipien. Ich meine: zu Recht. Europa kann Antworten bieten.

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    Schwenker: Kontinentaleuropäische Manager denken langfristiger, mehr am Stakeholder orientiert. Oft arbeiten die Firmen dezentraler. Das ist von Vorteil, um schnell auf Veränderungen zu reagieren. Als europäische Beratung haben wir zudem gelernt, mit Vielfalt umzugehen.

    Wittig: Amerikanische Beratungen sind sehr stromlinienförmig. Es gibt kaum Quereinsteiger. Bei Berger war fast jeder dritte Berater früher Manager in der Industrie. Mit handfesten praktischen Erfahrungen.

    Aber sind Sie auch international genug? Von manchen Unternehmen ist zu hören, dass sie lieber nicht zu Berger gehen, weil die Beratung sie nicht in alle Märkte begleiten kann. In den USA etwa sind Sie noch immer schwach vertreten.

    Wittig: Da ist zu unterscheiden zwischen den USA als Quellmarkt für die Beratung und als Zielmarkt für unsere Kunden. Für unsere großen Klienten aus Asien und Europa müssen wir dort lieferfähig sein und das Angebot in einigen Branchen noch ausbauen. Ansonsten gibt es für uns deutlich attraktivere Märkte.

    Sie suchen gerade mit Headhuntern neue Teams in den USA.

    Wittig: Ja, für unseren Bereich Finanzdienstleistungen. Diese Notwendigkeit ist auch historisch bedingt: Aufgrund einer gesetzlichen Regelung konnten wir erst 1998 als Beratung in den USA wirklich loslegen - nachdem wir unsere Anteile von der Deutschen Bank zurückgekauft hatten. Jetzt suchen wir dort Leute aus den Bereichen Corporate Finance, Brokerage oder Investment-Banking.

    Können Sie sich vorstellen, durch Übernahmen zu wachsen?

    Schwenker: Kaufen würden wir nie.

    Wittig: Wer als Partner zu uns kommen will, ist willkommen. Aber wir kaufen keinen Goodwill.

    Schwenker: Genau, die Menschen sind wichtig. Früher haben wir Firmen übernommen. Jetzt nicht mehr. Da haben wir auch aus Fehlern gelernt.

    Ist vorstellbar, dass Sie übernommen werden, etwa von einer beratend tätigen Wirtschaftsprüfung? Es gibt da ja Spekulationen.

    Schwenker: Natürlich tauschen wir uns gelegentlich mit Wettbewerbern aus. Ich sehe für ein Zusammengehen aber keine Notwendigkeit.

    Wittig: Einen echten Verkauf würde ich ausschließen. Wer verkauft, verkauft seine Seele. Wenn, dann kann es nur in eine partnerschaftliche Beziehung hineingehen. Und das ist kulturell eine schwierige Geschichte. Außerdem sind wir in der Lage, selbst zu wachsen.

    Auch schon wieder in diesem Jahr?

    Wittig: Genau! Wir stehen heute ungefähr bei zehn Prozent Umsatzplus.

    Und spätestens Ende 2011 sind Sie schuldenfrei?

    Wittig: Ja, dann haben wir netto keine Bankschulden mehr. Die mussten wir 1998 aufnehmen, um unsere Anteile von der Deutschen Bank zurückzukaufen.

    Können Sie dann auch die Partner bedienen, die damals mit ihrem persönlichen Vermögen gebürgt hatten? Etliche Altpartner sind ja ziemlich bedient.

    Schwenker: Alle Partner, die in den letzten Jahren ausgeschieden sind, haben ihre Anteile und Kapitalzuwächse zurückbekommen. Die Ansprüche, von denen Sie sprechen, sind nicht-bilanzierte Verpflichtungen, die unter ganz bestimmten Bedingungen erfüllt werden. Darauf haben sich damals alle Partner einvernehmlich geeinigt.

    Die Bedingungen waren an gutgehende Geschäfte geknüpft. Waren die Partner zu blauäugig?

    Schwenker: Jedenfalls optimistischer. Keiner hat die Krisen des letzten Jahrzehnts vorhergesehen.

    Wittig: Wir Mitglieder der Geschäftsführung sind übrigens viel höhere Bürgschaften eingegangen als jeder der Ausgeschiedenen. Da ist doch klar, dass auch wir diese Ansprüche ernst nehmen.

    Dann fließt also demnächst Geld?

    Schwenker: Die Bedingungen sind erfüllbar, es hat einfach nur länger gedauert.

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