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Niek Jan van Damme "Wir müssen um jeden Kunden kämpfen"

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Wo gibt es denn Abweichungen vom Plan?

Van Damme: Beim Neukundenzuwachs liegen wir unter Plan. Das liegt an der zunehmenden Marktsättigung. In einigen Märkten wie den Breitbandanschlüssen ist die absolute Zahl der Neukunden im Vergleich zu den Vorjahren deutlich niedriger. Da setzt ein Trend ein, den wir erst in zwei, drei Jahren erwartet hatten. Wir kennen also den Grund, werden aber trotzdem an unseren ambitionierten Zielen festhalten. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Wir verlieren inzwischen deutlich weniger Festnetzanschlüsse.

Besonders schwer tut sich die Telekom mit dem Verkauf ihres Vorzeigeprodukts, dem Premium-TV-Angebot Entertain. Eigentlich sollte 2011 die Massenvermarktung mit deutlich steigenden Absatzzahlen beginnen. Stattdessen meldet die Telekom rückläufige Neukundenzahlen.

Van Damme: Wir haben nie behauptet, dass der Eintritt in den TV-Markt ein Spaziergang wird. Wir sind als Newcomer gestartet. Aber Sie haben recht: Im ersten Halbjahr waren wir mit den Verkaufszahlen nicht zufrieden. Zurzeit gewinnen wir 50 Prozent mehr Kunden als in den ersten sechs Monaten. Was uns bislang gefehlt hat, war die Reichweite. Mit unserem Angebot Entertain über Satellit haben wir entsprechend reagiert. Wir erreichen damit deutlich mehr als 70 Prozent der Bevölkerung, und das zahlt sich bereits aus. Seit dem Vermarktungsstart im September haben wir unsere Satellitenlösung weit mehr als 50 000 Mal verkauft.

Den TV-Kabelnetzbetreibern fällt es offenbar viel leichter, ihren Kunden Internet und Telefon zu verkaufen, als der Telekom der Einstieg ins Fernsehgeschäft.

Van Damme: Wir erleben einen ungleichen Kampf. Denn an viele potenzielle Kunden in den Großstädten kommen wir gar nicht heran. Vor allem große Wohnungsgesellschaften buchen bei ihren Mietern die Kabelgebühr für den TV-Anschluss jeden Monat über die Nebenkostenabrechnung mit der Miete ab. Diese Verfahrensweise, auch Nebenkostenprivileg genannt, behindert den Wettbewerb und bindet Kunden einseitig an ein bestimmtes Angebot. Bei diesen Kunden gibt es wenig Bereitschaft, neben einem TV-Angebot, das sie ohnehin schon bezahlen, ein zweites zu bestellen. Diese Wettbewerbsverzerrung muss beendet werden.

Die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion will das Nebenkostenprivileg der TV-Kabelgesellschaften abschaffen.

Van Damme: Die gesamte Telekommunikationsbranche wünscht sich diese Chancengleichheit. Das neue Telekommunikationsgesetz, das Ende Oktober von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wird, sollte das Nebenkostenprivileg abschaffen.

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