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Nokia-Siemens-Chef im Interview Beresford-Wylie: Fertigung in Deutschland bleibt erhalten

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Einer ihrer größten Kunden, die Deutsche Telekom, stockt ihre Investitionen nicht auf.

Nicht nur die Deutsche Telekom, alle großen Anbieter in Europa achten stärker auf Effizienz beim Netzbetrieb. Viele überlegen, ob sie ihre teuren Infrastrukturen nicht besser gemeinsam betreiben. Einige wollen den Netzbetrieb auslagern. Wir erwarten deshalb nur sehr geringes Wachstum zwischen zwei und vier Prozent beim Ausbau von Infrastrukturen. Dagegen wird das Dienstleistungsgeschäft deutlich schneller um etwa sieben Prozent zulegen. Deswegen haben wir auch vor Kurzem eine strategische Partnerschaft mit der Deutschen Telekom geschlossen.

Dann müssen Sie Konkurrenten wie Ericsson und Alcatel-Lucent aber noch einige große Outsourcing-Deals wegschnappen.

Natürlich arbeiten wir hart daran, mehr Service-Verträge zu ergattern. Aber das größte Potenzial bieten unsere eigenen 600 Großkunden weltweit. Um schneller als der Markt zu wachsen, wollen wir diesen Großkunden nicht mehr nur einzelne Produkte verkaufen, sondern umfassende Lösungen anbieten, mit denen wir dem Netzbetreiber einen Großteil aller Dienstleistungen abnehmen. Mit unserer großen Kundenbasis können wir vom Dienstleistungstrend überproportional profitieren.

Ihre Rivalen Alcatel und Lucent, die sich ebenfalls zusammengeschlossen haben, konnten ihre Fusionsziele nicht erreichen. Was macht Sie zuversichtlich, dass es bei NSN besser läuft?

Wir haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass wir gut unterwegs sind, Produktportfolio, Prozesse und Menschen zusammenzubringen. Das hat vielleicht auch mit unseren starken deutschen und finnischen Wurzeln zu tun. NSN verfügt über eine starke ingenieursgetriebene Unternehmenskultur. Die Mitarbeiter schätzen klare und direkte Worte. Jemand sagte mal: Bei Nokia wie auch Siemens spricht man gerne in Hauptsätzen. Wenn Sie einen finnischen und einen deutschen Ingenieur in einen Raum sperren, geht’s voran. Das erleichtert die Zusammenführung der zwei Unternehmen natürlich gewaltig. Das andere ist: München und Helsinki liegen gerade mal zweieinhalb Flugstunden auseinander, und es gibt nur eine Stunde Zeitverschiebung. Das ist etwas anderes als ein Flug über den Atlantik.

Welche Auswirkungen hat der Korruptionsskandal bei Siemens auf NSN? Aus der Netzsparte kam der größte Teil aller dubiosen Zahlungen.

Vor einem Jahr war das sehr hart für uns. Der Zusammenschluss verzögerte sich um ein Quartal. Und danach haben wir sehr schnell allen Mitarbeitern klargemacht, dass wir so etwas bei NSN nicht tolerieren. Wir vertrauen nicht nur unseren Mitarbeitern, wir überprüfen und kontrollieren das auch. Ich glaube, dass wir uns auf diesem Feld inzwischen zu einem Champion mit sehr hohen ethischen Ansprüchen entwickelt haben. Und wir hören damit nicht auf. Wir schauen uns alle Länder an. Wir arbeiten uns da durch. Sie können natürlich nie 100-prozentig sicher sein, dass sich alle 60.000 Mitarbeiter zu jeder Zeit an unsere internen Verhaltensregeln halten. Aber wir haben bis jetzt jedenfalls keine rauchende Colts mehr gefunden.

Im NSN-Aufsichtsrat sitzen ehemalige Siemens-Vorstände wie Rudi Lamprecht, die auf der Hauptversammlung nicht entlastet wurden. Holt Sie da nicht die Siemens-Vergangenheit schon wieder ein?

Sie können das wahrscheinlich besser beantworten als ich. Rudi Lamprecht ist ein ausgewiesener Fachmann, der das Netzgeschäft in allen Facetten kennt. Aber die Gesellschafter bestimmen die Mitglieder des Aufsichtsrats. Die Frage müssen Sie dort stellen.

Erwarten Sie weitere Nachforschungen? Oder ist für Sie das Kapitel Korruption abgeschlossen?

Dieses Kapitel kann nicht abgeschlossen sein, weil das Einhalten unserer hohen ethischen Ansprüche ein Thema ist, das uns ständig begleitet. Die Ermittlungen werden sicher irgendwann abgeschlossen sein. Aber das Schaffen einer neuen Unternehmenskultur mit einem hohen Grad an Integrität steht ganz oben auf der Tagesordnung. Bei uns geht es meist um lukrative Großaufträge in einem überschaubaren Business-Segment. Deswegen ist es erforderlich, dass wir diese Arbeit fortsetzen. Wir gehen zu den Mitarbeitern und erklären, was wir unter korrektem Verhalten verstehen: Das Unternehmen erwartet das von dir, die Familie erwartet das von dir, und auch du willst nachts ruhig schlafen. Deswegen ist es richtig, hier hohe Maßstäbe anzulegen.

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