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Nyse-Chef Niederauer Der Boss der neuen Super-Börse

Duncan L. Niederauer, designierter Chef der neuen deutsch-amerikanischen Super-Börse, geht entweder als Held in die Geschichte ein, der es an die Spitze des weltweit größten Börsenplatzes geschafft hat oder er wird als derjenige in Erinnerung bleiben, der Amerikas Ikone des Kapitalismus an Ausländer verscherbelte. Wer ist der neue Mister-Super-Börse?

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Duncan Niederauer Quelle: dapd

In der  Fußgängerzone vor der New Yorker Börse im Finanzdistrikt von Manhattan tummeln sich Touristen aus aller Welt, schießen Fotos vom mächtigen neoklassizistischen Börsen-Gebäude, an dem stolz die amerikanische Fahne im Wind weht. Börsenhändler laufen mit schnellem Schritt über den Platz, den obligatorischen dampfenden Kaffeebecher fest in der Hand.

Von der Aufregung am vorherigen Tag, als Duncan L. Niederauer, Chef der New York Stock Exchange und Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse in Frankfurt, den Zusammenschluss zum weltgrößten Handelsplatz für Aktien und Derivate mit einem Marktwert von rund 19 Milliarden Dollar feierten, ist nichts mehr zu spüren.

Es herrscht Alltag an der Wall Street: Am Nachmittag statten das Football Team der Green Packers, Gewinner des diesjährigen Super-Bowls, der New York Stock Exchange (Nyse) einen Besuch ab. Die Sportler läuten die Schlussglocke an der Börse. Der Handel läuft gut an diesem Tag. Fusionen und die Zahlen des Computerherstellers Dell treiben die Kurse an der US-Börse.

New Yorker Dominanz: Ersehnt und gefürchtet

So lange die Zahlen stimmen, kann Niederauer zufrieden sein. Zukünftig muss er als designierter Chef der neuen Super-Börse dafür sorgen, dass die Zahlen auf beiden Seiten des Atlantiks stimmen – in New York, in Frankfurt sowie an den weiteren Börsenplätzen Paris, Amsterdam, Lissabon und London, die auch zum Konzern gehören.  

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    Bedenken gegen dieses Unterfangen gibt’s sowohl in Amerika als auch in Europa. Vor allem US-Politiker pochen auf eine Betonung New Yorks als Symbol des amerikanischen Kapitalismus. Der einflussreiche US-Senator Charles Schumer wiederholte seine Forderung, dass bei dem zukünftigen Konzernnamen, der noch nicht feststeht, New York an erster Stelle stehen müsse.

    In Europa stört schon die Wahl eines Amerikaners an der Spitze der neuen Super-Börse. „Der Chef-Posten für Niederauer riecht sehr nach künftiger New Yorker Dominanz“, sagt Analyst Constantin Rohrbach von der NordLB.

    Der Mann hat Nerven

    Klar ist, Niederauer steht vor einer mächtigen Aufgabe. Gelingt ihm das zukünftige Dickschiff beiderseits des Atlantiks erfolgreich zu manövrieren, kann er als Held in die Geschichte eingehen. Gelingt ihm das nicht, wird der 51-jährige gebürtige New Yorker mit deutschen Wurzeln als derjenige in Erinnerung bleiben, der Amerikas Ikone, die 219-Jahre alte New York Stock Exchange, an Ausländer verscherbelte.

    Nerven hat der Mann. Am vergangenen Freitag, als Niederauer noch mitten in den Verhandlungen mit den Deutschen steckt, lässt er es sich nicht nehmen, zwischendurch ein paar Studenten an der Wall Street zu empfangen. Persönlich begrüßte er in Fleeceweste rund 30 junge Leute, die in einem Wettbewerb um den schönen Titel  „bester studentischer Börsenhändler“ kämpfen.

    In einer Präsentation macht er den Studenten die Bedeutung der New Yorker Wall Street als weltweit wichtiger Börsenplatz klar. Er selbst hat einen Master-Abschluss in „business administration“ von der Emory Universität. Seine Abschlussarbeit an der Uni trug den Titel „ Was sie schon immer über die Börse wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“. Nach der Uni heuerte er bei Goldman Sachs an, wo er rund 20 Jahre arbeitete.

    Die Börse in New York (New Quelle: AP

    Duncan ist ein Börsen-Mann durch und durch. Der Vater eines autistischen Sohnes beschreibt sich selbst als besessen, was die Struktur des Aktienhandels angeht. Bei der New York Stock Exchange senkte er die Kosten, in dem er Stellen strich. Gleichzeitig ließ er neue Datenzentren in der Nähe von New York und London bauen, erhöhte die Einnahmen mit Datendiensten und Clearing und betonte den US-Derivatehandel stärker. Dennoch, seitdem er Ende 2007 das Ruder bei der Nyse übernahm, ist der Aktienkurs um fast die Hälfte eingebrochen.

    Dass er ein guter Verkäufer ist, hat er bei der Präsentation des Zusammenschlusses der beiden Handelsplätze schon mal bewiesen. Locker und flockig mit viel Witz beantwortete er die bohrenden Fragen der internationalen Reporter zu der geplanten Mega-Fusion. Niederauer wurde nicht müde, zu betonen, dies sei doch gar keine Übernahme der Deutschen. Keiner werde den anderen dominieren. Er nannte den Zusammenschluss einen "historischen Schritt“. "Diese Fusion bringt uns in die führende Position bei der Innovation der Branche“, versprach Niederauer vollmundig. "Wir machen das schon.“

    Hohes Gehalt

    Bei einem Punkt ist Niederauer dem Management der Deutschen Börse jetzt schon voraus. Im Jahr 2008 zahlte die NYSE Niederauer insgesamt 6,78 Millionen Euro an Gehalt, im Jahr 2009 waren es immer noch 7,27 Millionen Dollar wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Zum Vergleich: Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse, verdiente 2008 gerade mal knapp die Hälfte. Francioni strich 2008 ein Einkommen von 3,56 Millionen Euro ein, 2009 waren es noch 2,47 Millionen Dollar.

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