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Ökologischer Landbau Von der Ökotraube zum Spitzenwein

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Weinprobe: Begeisterung erwünscht, Kenntnis nicht erforderlich

Extensive Landwirtschaft würde die Böden beeinträchtigen, der Einsatz von Herbiziden die Reben schwächen, die möglichst über Dekaden metertief in Muschelkalk- oder Rotschieferböden wurzeln sollen.  Rebholz setzt auf die Widerstandskraft seiner Pflanzen und düngt mit dem auf dem Weingut produzierten Kompost statt mit Mineraldünger, damit die teuren Lagen auch in den nächsten Dekaden ihre Qualität behalten. Den erhöhten Aufwand hat Rebholz sich vorher dennoch „fünfmal überlegt“, denn wegen des Zertifikats „verkaufen wir nicht mehr Wein“.  

Philipp Wittmanns Vater hat im rheinhessischen Dorf Westhofen bei Worms schon in den Achtzigerjahren auf Bioanbau umgestellt. Sein Sohn führt heute den seit 1990 durch Beitritt in den Verband Naturland beschrittenen Weg fort, 2001 erhielt das Weingut die Auszeichnung „Aufsteiger des Jahres“. Zu Beginn sei es auch eine Frage der Weltanschauung gewesen, heute ist es zudem eine der Qualität. Anfangs wurden Winzer, die im Kampf gegen Schädlinge wie Milben und Krankheiten wie Mehltau auf die Kraft der Natur statt der Chemie setzten, von ihren spritzenden Kollegen mit Skepsis betrachtet. Philipp Wittmann kann jedoch seinem Vater heute dankbar sein, die Rieslinge von renommierten Lagen wie Westhofener Morstein oder Brunnenhäuschen zählen zu den besten der Welt.

Alle Widerstände überwunden hat auch das Weingut Bürklin-Wolf von Bettina Bürklin-von Guradze in Wachenheim bei Mannheim. Es gehört mit 85 Hektar zu den großen Betrieben und ist als einziges deutsches Weingut Mitglied der französischen Vereinigung Biodyvin. „Anfangs wurde das als Spinnerei abgetan“, sagt Geschäftsführer Steffen Brahner, nicht zuletzt weil Bettina Bürklin-von Guradze sich früh zur biodynamischen Praxis bekannte: Für ihren Spitzenriesling ließ sie mit Kuhdung gefüllte Hörner im Boden vergraben, zum Schutz der Pflanzen werden homöopathische Lösungen aus Kamille eingesprüht, Pferde statt Traktoren arbeiten im Berg.  

Ökowein ist im Ausland bereits etabliert

Biodynamik, wie sie Bürklin-Wolf einsetzt, beruht auf den anthroposophischen Lehren von Rudolf Steiner, die auch über die Alpen hinweg Anklang finden. Der Südtiroler Winzer Alois Lageder gehört zu den Pionieren, der Steiners Lehren demonstrativ propagiert: „Die biodynamische Landwirtschaft sollte heute für einen Qualitätswinzer eine Selbstverständlichkeit sein.“  In anderen Ländern ist Ökowein etablierter, weil Eliteweingüter dort schon länger auf Bio setzen. Im Elsass erzielen Weingüter wie die Domaine Kreydenweiss am Markt spielend Preise von mehr als 50 Euro für ihre Flaschen. Auch der Pinot Noir der Lage Romanée-Conti, wird ökologisch angebaut. Für eine der 5500 Flaschen von der nur 1,8 Hektar großen Parzelle zahlen Kenner vierstellige Preise. Den wenigsten dürfte wichtig sein, dass sie Biowein trinken. 

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