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Ökologischer Landbau Von der Ökotraube zum Spitzenwein

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„Mehr Geld bekommen wir nicht, nur weil wir biologisch anbauen“, sagt Hans-Jörg Rebholz. Die Preise, die Spitzenwinzer pro Flasche erzielen können, bekommen sie dank hoher Bewertungen in Führern und Präsenz in Spitzenrestaurants. In den normalen Bioläden sind Weine für mehr als 20 Euro pro Flasche kaum zu verkaufen. „Unsere Weine hätten da einen schweren Stand. Sie sind in der Jugend oft noch verschlossen und sehr individuell. Sie bedürfen daher einer guten Beratung durch einen geschulten Verkäufer.“ bestätigt Winzer Clemens Busch aus Pünderich bei Traben-Trarbach. Er ringt den Steillagen an der Mosel komplexe und aromenreiche Rieslinge ab, die bis zu 45 Euro kosten können.„Das ist fast nur im guten Fachhandel möglich“, so Busch – auch wenn inzwischen im ein oder anderen Biofachhandel schon Wein im höheren Preissegment angeboten wird.  

Keine Extrapunkte für Öko

Der Sommelier Hendrik Thoma betreibt heute mit TVino einen Weinversand im Internet, der auch Weine von Wittmann oder dem von Ecovin zertifizierten Weingut Battenfeld-Spanier aus Rheinhessen anbietet. Sortiert sind die Weine nach Farbe oder Herkunftsland. „Einen Kanal für Bioweine würde ich jedoch nicht machen“, sagt Thoma, „das ist kein Verkaufsargument für Weinliebhaber.“  Auch die Weinkritiker, die über Wohl und Wehe eines Weinguts mitentscheiden können, vergeben keine Extrapunkte für Bioanbau. Gerhard Eichelmann, der den gleichnamigen Führer für deutsche Weine herausgibt, weiß, dass ein Biosiegel kein Hinweis für guten Wein ist: „Der Rückkehrschluss ist nicht erlaubt. Eine Relation zwischen Bio und Qualität gibt es nicht.“  

Dennoch sei der eigene Anspruch des Winzers meist eine Richtungsentscheidung. Winzer, die Wert darauf legen, dass die Beschaffenheit der Böden im Wein wiederzuerkennen ist, müssten über kurz oder lang zum biologischen Anbau überwechseln: „Wer Terroir sagt, muss auch Bio oder Biodynamik sagen.“ Ein Garant für Qualität sei auch das noch immer nicht, denn „viele reißen im Keller ein, was sie im Berg aufgebaut haben“. Auch die wiederbelebte Produktion von Naturweinen, die unkontrolliert in Tonamphoren vergären, hat ihre Tücken. „Die Natur der Traube ist eben Essig“, sagt Importeur Riegel.   Auch Hannah Bauer hätte ihre Bioweine stillschweigend eingießen sollen, meint Eichelmann: „Einen Unterschied zwischen den Anbauarten können Sie nicht herausschmecken.“

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