WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Öl-Katastrophe BP verkauft Unternehmensteile wegen Ölpest

Dem Ölriesen BP machen die hohen Kosten für die Aufräumarbeiten im Golf von Mexiko zu schaffen: BP hat nun Geschäftsteile für sieben Milliarden Dollar verkauft - und sich eine neuerliche PR-Panne geleistet.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Logo einer BP-Tankstelle Quelle: AP

Der BP-Konzern verkauft einige Geschäftsfelder an ein US-Unternehmen, um die hohen Kosten durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko decken zu können. Das US-Ölunternehmen Apache zahle 7 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) für Anlagen und Geschäftsteile in den USA, Kanada und Ägypten, teilte gestern mit.

Der Erlös solle in einen 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds für die Opfer der Ölpest fließen. Der Konzern hatte bereits angekündigt, innerhalb von zwölf Monaten Anteile im Wert von bis zu 10 Milliarden Dollar zu verkaufen. Um frisches Kapital aufzutreiben, hatte BP-Chef Tony Hayward zudem mit Investoren unter anderem aus dem Nahen Osten gesprochen.

Das Geschäft mit Apache umfasst demnach - Öl- und Gas-Anlagen in den US-Staaten Texas und New Mexico im Wert von 3,1 Milliarden Dollar - das westkanadische Gasgeschäft im Wert von 3,25 Milliarden Dollar - und Geschäftsteile in Ägypten zur Öl-Erkundung und -Förderung für 650 Millionen Dollar.

Neue PR-Panne mit manipulierten Fotos

Screenshot der Seite Quelle: AP

Zudem leistete sich BP eine weitere PR-Panne: BP veröffentlichte am Wochenende auf seiner Website ein manipuliertes Foto, das den Eindruck enormer Geschäftigkeit im für die Ölpest zuständigen Katastrophenzentrum erweckt. Das Bild zeigt Mitarbeiter in Houston, die auf zehn gigantische Videoschirme mit Bildern von den Ereignissen unter Wasser blicken. Zwei der Bildschirme seien allerdings leer gewesen, räumte BP-Sprecher Scott Dean gestern ein. Ein Fotograf des Konzerns habe das Bild mit Hilfe von Photoshop verändert.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Original wurde am Montag gezeigt, nachdem ein Blogger von Unstimmigkeiten berichtet hatte. BP-Sprecher Dean sagte, der Fotograf habe nur seine Photoshop-Kenntnisse unter Beweis stellen wollen. Die Mitarbeiter seien angewiesen worden, das Bildbearbeitungsprogramm nur für Veränderungen wie Farbkorrekturen oder das Erstellen von Ausschnitten zu verwenden.

    BP dementiert baldigen Hayward-Rücktritt

    Nächsten Dienstag präsentiert der Konzern seine Halbjahreszahlen. Die Rücktrittsgerüchte um den bisher glücklos agierenden BP-Chef Tony Hayward verstummen nicht. Der Ölkonzern BP hat heute einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach Firmenchef Tony Hayward innerhalb der nächsten zehn Wochen zurücktreten soll. „Er hat die volle Unterstützung des Verwaltungsrates und wird im Amt bleiben“, sagte ein BP-Sprecher. Die britische „Times“ hatte zuvor berichtet, es werde zunehmend erwartet, dass Hayward sein Ausscheiden Ende August oder im September ankündigen werde. Die Zeitung berief sich auf dem Unternehmen nahe stehende Personen.

    Hayward müsse den Schritt vollziehen, damit sich BP besser gegen mögliche Aufkäufer wie Exxon Mobil oder Royal Dutch Shell wappnen könne, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person. Als Favorit für die Nachfolge gelte Robert Dudley, der derzeit die BP-Sicherungsarbeiten im Golf von Mexiko leitet.

    Der Untergang der BP-Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April hat die bislang schlimmste Umweltkatastrophe in den USA ausgelöst. Seitdem liefen wahrscheinlich täglich mehrere Millionen Liter Öl ins Meer.

    BP versuchte mehrmals vergeblich, das Leck abzudichten. Erst vor wenigen Tagen gelang es, den Ausfluss zunächst zu stoppen. Die Expertenschätzungen über die Folgekosten für BP gehen weit auseinander und reichen bis zu 100 Milliarden Dollar. Der BP-Aktienkurs ist angesichts der Entwicklung eingebrochen und macht BP für eine Übernahme anfällig.

    BP hält an Mittelmeer-Bohrungen fest

    An BPs Plänen vor der libyschen Küste wird die Katastrophe im Golf von Mexiko aber nichts ändern, wie mehrere deutsche Tageszeitungen berichten. Die Erschließung des Sirte-Beckens vor Libyens Küste soll wie geplant Anfang August beginnen - dabei wird in noch größerer Tiefe als im Golf von Mexiko gebohrt: In 1800 Metern Tiefe liegen die Ölvorkommen. Den Vertrag über die Erschließung haben BP und die libysche National Oil Corporation (NOC) bereits 2007 geschlossen. Der britische Konzern feierte den 900-Mio.-Dollar-Pakt damals als „bisher größten Fördervertrag“ und versprach, bis zu 20 Mrd. Dollar in das Großprojekt zu investieren.

    Bedenken hat NOC-Chef Shokri M. Ghanem laut einem Bericht des Handelsblatts dabei keine: „In der Ölindustrie hat es immer Unfälle gegeben und wird es immer Unfälle geben – daran führt kein Weg vorbei.“ Wenn ein Flugzeug abstürze, schaffe man ja auch nicht weltweit den Luftverkehr ab.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%