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Öl-Katastrophe Neue Regeln für die Öl-Multis

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Für BP sind die Folgen und die Kosten der Katastrophe mittlerweile unüberschaubar geworden. Manche Experten spekulieren bereits über eine Zerschlagung des Konzerns oder eine Übernahme. Die Untersuchung des US-Staatsanwalts ist besonders bedrohlich für den Konzern: Kann Fehlverhalten nachgewiesen werden, droht den Briten ein Ausschluss von US-Regierungsaufträgen und Lizenzen, was das gesamte Geschäft von BP im Golf von Mexiko in Frage stellen würde. Dort ist BP der größte Betreiber von Ölplattformen.

Neuer Standard für Tiefseeprojekte

Aber auch der Rest der Ölindustrie kann sich nicht unbeteiligt zurück lehnen. Machen die Politiker, die sich in den USA mit öffentlichkeitswirksamen Appellen und Vorwürfen gegen die Ölindustrie überschlagen, tatsächlich Ernst, wird es mit der Lax- und Lässig-Aufsicht bald vorüber sein. Wenn Tiefseebohrungen überhaupt noch genehmigt werden, dürften sie in Zukunft nur unter erheblich strengeren Auflagen und mit Sicherheitspuffern durchgeführt werden. So ist etwa im Gespräch, dass die derzeit voran getriebene Entlastungsbohrung, mit der BP im August endgültig das unkontrollierte Ausströmen von Rohöl aus der Quelle zu beenden hofft, ein vorgeschriebener Standard für Tiefseeprojekte werden könnte. Das würde es ermöglichen, eine außer Kontrolle geratene Bohrung schneller zu schließen. Die Bohrcrews müssten dafür praktisch bei jedem Versuch mindestens zwei Bohrlöcher statt nur einem anlegen. Das würde allerdings die Kosten solcher Operationen deutlich nach oben treiben. Für die Ölplattform Deepwater Horizon zahlte BP der Betreibergesellschaft Transocean rund eine Million Dollar pro Tag. 

Vor wenigen Tagen kündigte US-Innenminister Ken Salazar bereits an, dass er die Aufsichtsbehörde MMS in drei voneinander unabhängige Organisationen aufspalten wird. So sollen Interessenkonflikte innerhalb der Behörde gelöst werden. Die war bisher alleine etwa für die Vergabe von Lizenzen, für das Kassieren von Gebühren, aber auch für Sicherheit und Kontrolle bei Bohroperationen zuständig. Diese Aufgabe übernimmt in Zukunft das Bureau of Safety and Environmental Enforcement – mit einem besonderen Fokus auf mögliche Umweltschäden.

Die Obama-Administration scheint gewillt zu sein, das Momentum zu nutzen, das durch das wahrscheinlich noch Monate dauernde Drama an den Küsten des Golfes hoch gehalten wird. Die engen politischen Freunde der Ölindustrie sind angesichts der eindeutigen öffentlichen Meinung dagegen fast alle auf Tauchstation. Nur Sean Parnell, der Nachfolger von „Drill-Baby-Drill“ Sarah Palin auf dem Posten des Gouverneurs von Alaska, meldete sich zu Wort. Er sehe Anzeichen dafür, dass „die Obama-Administration das Desaster dazu nutzen will, die Ölproduktion sogar in sichersten Regionen zu verbieten,“ warnte Parnell, der Areale vor der Küste Alaskas und Naturschutzgebiete in dem US-Bundesstaat für Ölbohrungen freigeben möchte. Diese Entwicklungsmöglichkeiten zu verschließen, so Parnell „gefährdet die langfristige Energiesicherheit der amerikanischen Nation.“

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