WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ölpest BP-Chef bringt US-Ausschuss zur Verzweiflung

Bei einer Anhörung in Washington bekam BP-Chef Tony Hayward heftige Kritik am Umgang mit der Ölpest im Golf von Mexiko zu hören. Gekonnt wich Hayward kritischen Fragen mit dem Hinweis auf laufende Untersuchungen aus. Dabei fand er einen ungewöhnlichen Mitstreiter.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Vielleicht hatte Tony Hayward gehofft, seine Zusage vom Tag zuvor, BP werde einen 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungstopf für die Opfer der Ölkatastrophe füllen, werde die politischen Wogen etwas glätten. Doch weit gefehlt. Der BP-Chef sah sich gestern vor einem Ausschuss in Washington wie erwartet heftigster Kritik ausgesetzt. 

„Das wird die Untersuchung zeigen.“ Das war gestern der immer wieder vom BP-Chef mit ruhiger, fast monotoner Stimme und unbewegter Mine vorgetragene Satz, der die Ausschussmitglieder schier zur Verzweiflung brachte. Sicherheitsprobleme, unklare Verantwortlichkeiten, Fehlerquellen, fragwürdige Verfahren, kritische Entscheidungen -  immer wieder wich Hayward auf konkrete Fragen mit seinen Antworten aus. Er sei kein Experte, ja, wenn es Verstöße gegen Vorschriften gegeben habe, dann werde man reagieren, aber es sei zu früh, das zu beurteilen, man müsse die Ergebnisse der Untersuchung abwarten. Gab es rücksichtsloses Verhalten durch BP? „Dafür gibt es keine Belege,“ antwortete Hayward. „Aber ich war nicht involviert in die Entscheidungen auf der Ölplattform.“

BPs Entschuldigungen waren Ausschuss nicht genug

Hayward entschuldigte sich, er betonte, sein Fokus liege auf Sicherheit und darauf, jetzt zunächst den weiteren Ausfluss von Öl in den Golf von Mexiko zu stoppen. Er verstehe die Ernsthaftigkeit der Situation und die „Frustrationen und Ängste“, die die Leute haben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch solche Bekenntnisse waren nicht genug für die Ausschussmitglieder, die immer wieder aggressiv nachsetzten. Es gebe Belege dafür, dass BP bei der Ölplattform Deepwater Horizon ein Bohrverfahren genutzt habe, das riskanter sei, aber sieben bis zehn Millionen Dollar billiger als andere Verfahren. Also habe BP aus Kostengründen Sicherheitsaspekte vernachlässigt.

    Er sei nicht beteiligt gewesen an diesen Entscheidungen, antwortete Hayward, dafür sei das Ingenieur-Team vor Ort verantwortlich gewesen – und immer wieder: Die weitere Untersuchung werde zeigen, ob es dabei Fehler oder Verstöße gegen Regularien gegeben habe. „Sie wollen unsere Fragen nicht beantworten, Sie weichen aus, Sie verhalten sich, als hätten sie mit diesem Unternehmen nichts zu tun,“ fauchte ihn ein Ausschussmitglied frustriert an, „das ist unverantwortlich“. „Ich mauere nicht,“ entgegnete Hayward, „ich war einfach nicht am Entscheidungsprozess beteiligt.“

    Ob ungeigneter Zement verwandt wurde? „Ich bin kein Zement-Ingenieur.“ Ob Warnsignale übersehen und ignoriert wurden? „Ich bin kein Bohrloch-Ingenieur.“ Ob man sich über die Folgen der Verwendung von Lösungsmitteln für die Umwelt im Klaren gewesen sei?  „Ich bin kein Ozeanograph.“ So ließ Hayward die Politiker immer wieder ins Leere laufen. 

    Für einen weiteren Aufreger sorgte das Ausschussmitglied Joe Barton, der überraschend für BP Partei ergriff: „Ich schäme mich für das, was im Weißen Haus geschehen ist“, sagte er. Barton entschuldigte sich sogar bei BP. Der republikanische Kongressabgeordnete ließ keinen Zweifel daran, dass er den 20-Milliarden-Dollar Entschädigungsfonds, dem BP am Vortag zugestimmt hatte, für eine erpresserische Aktion der US-Regierung gegenüber BP halte. Ein Obama-Sprecher konterte umgehend:  Barton mache sich offenbar mehr Sorgen über große Unternehmen als über die Fischer und kleinen Geschäftsleute, deren Lebensgrundlage durch das Desaster zerstört worden sei. 

    Hayward blieb strikt beim Konzept

    Die Aktion von Barton offenbarte immerhin, wie einflussreich die Ölbranche war und möglicherweise immer noch ist. Der Abgeordnete aus Texas hat mindestens sechsstellige Wahlkampfspenden von der Energiebranche erhalten.

    Selbst mit weiteren peinlichen Fakten konfrontiert, wich Hayward nicht von seinem Konzept ab. BP habe in den vergangenen fünf Jahren 760 mal gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen, deutlich öfter als andere Ölkonzerne. Der Konzern habe deshalb 373 Millionen Dollar Strafe zahlen müssen. Wie er das erkläre, wurde Hayward gefragt. Die meisten dieser Verstöße seien vor seinem Antritt als Vorstandschef passiert, antwortete er, in den vergangenen drei bis vier Jahren hätte es seitdem große Veränderungen innerhalb der Gesellschaft gegeben. Den Bewohnern an den Küsten von Louisiana und Florida wird das kein Trost sein.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%