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Ölpest BP-Vorstand Iain Conn: "Wir haben uns geirrt"

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Und welche Konsequenzen ziehen Sie?

Wir werden die Investitionen zurückfahren und in den nächsten zwölf Monaten Vermögenswerte im Wert von zehn Milliarden Dollar veräußern. Im dritten Quartal dieses Jahres wird BP die erste Tranche von drei Milliarden Dollar in das Treuhandkonto einzahlen, im vierten Quartal weitere zwei Milliarden Dollar und anschließend jedes Quartal 1,25 Milliarden Dollar, bis die Summe von 20 Milliarden Dollar erreicht ist.

Die Kursentwicklung bei den Kreditversicherungen, den sogenannten CDS, spiegelt ein Risiko von 39 Prozent wider, dass BP in fünf Jahren seine Schulden nicht bedienen kann. Macht Ihnen das Sorge?

Ich glaube nicht, dass dies die wahre Finanzstärke des Unternehmens widerspiegelt. Wir sind in einer ganz anderen Situation als die Banken, denn wir haben sehr starke, wertvolle Vermögenswerte, die Barwerte generieren. BP ist ein starkes Unternehmen, wir müssen allerdings unseren Cash-Flow vorsichtig steuern.

Stehen Tiefseebohrungen in den USA künftig vor dem Ende?

Nein, das glaube ich nicht. Aber die Art und Weise, wie es gemacht wird, muss verbessert werden. Die Menschheit lernt aus Fehlern.

Bald werden wohl neue Sicherheitsauflagen verabschiedet, die die Kosten der Ölförderung weiter nach oben treiben. Wo muss der Ölpreis sein, damit sich Megaprojekte in der Tiefsee noch lohnen?

Als Folge der Katastrophe wird es mehr Regulierung und technologische Fortschritte geben, genauso wie es nach der Haverie des Tankers Exxon Valdez war. Doch ich bin nicht sicher, ob dadurch die Kosten für die Erdölförderung wirklich so dramatisch nach oben gehen werden. Denn eines muss man bedenken: Die Kosten für die Sicherheitsanlagen einer Ölquelle sind im Verhältnis zu den Kosten der Erschließung eines gesamten Ölfeldes relativ gering. Deshalb gibt es auch eigentlich keinen Anreiz, hier am falschen Fleck zu sparen.

US-Politiker werfen Ihnen aber genau das vor: Sie behaupten, BP habe aus Kosten- und Zeitdruck fünf riskante Entscheidungen getroffen, die zur Explosion der Plattform Deepwater Horizon führten.

Wir dachten immer, dass die Förderung in der Tiefsee sicher ist – aber wir haben uns geirrt. Wir haben im Zusammenhang mit der Explosion der Deepwater Horizon bereits Ende Mai Pannen bei sieben Sicherheitsmechanismen eingeräumt, zum Beispiel beim Zement zur Abdichtung des Bohrlochs sowie bei der Ummantelung der Quelle. Diese Pannen werden jetzt eingehend untersucht. Im Moment kennen wir aber die Ursachen noch nicht und wollen auch keine Schuldzuweisungen aussprechen.

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