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Oerlikon Den neuen Chef erwartet ein Sanierungsfall

Michael Buscher soll die undankbarste Aufgabe der Schweizer Industrie übernehmen. Der 44-jährige Deutsche wird neuer Vorstandschef des schwer angeschlagenen Technologiekonzerns OC Oerlikon. Der Ingenieur mit langjähriger Industrieerfahrung soll den Konzern aus der Krise führen.

Oerlikon-Sitz in Zürich: Vor vier Jahren war das Unternehmen noch fast acht Mrd. Euro wert. Heute sind es noch 422 Mio. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

ZÜRICH. Buscher löst im Mai den "Sanierer" Hans Ziegler ab, der bis zur Stabübergabe das Unternehmen als Delegierter des Verwaltungsrats weiter führen wird. Ziegler leitet den Konzern seit dem Abgang des früheren Chefs Uwe Krüger im August 2009 und bleibt dem Unternehmen als Verwaltungsrat erhalten. Oerlikon gehört zum Imperium des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg.

Buscher kommt vom Luftfahrt- und Bahntechnikanbieter Bombardier, wo er zuletzt als Präsident der Sparte für Antriebstechnik und Kontrollsysteme fungierte. Dem Vernehmen nach hat seine langjährige Industrieerfahrung den Ausschlag für seine Wahl gegeben. "Er ist jung genug, um sich richtig ins Zeug zu legen. Außerdem ist er an einem langfristigen Engagement und nicht am schnellen Geld interessiert", heißt es aus Branchenkreisen. Buscher wird als unaufgeregter Analytiker beschrieben, der auch zuhören kann. Anders als der frühere Konzern-Chef Krüger sei er kein Überflieger.

Zur Hilfe kommt dem designierten Oerlikon-Chef, dass er als Elektroingenieur auch die technischen Feinheiten des Technologiekonzerns versteht. Sein Vorgänger Ziegler hatte noch damit geworben, dass er sich als "Nicht-Ingenieur" die Probleme von Oerlikon "emotionslos" ansehen könne.

Und Probleme hat das Unternehmen reichlich. Oerlikon steht das Wasser bis zum Hals. Das Management ringt seit Monaten mit den Gläubigerbanken um eine Umschuldung von 2,5 Mrd. Franken. Ende vergangenen Jahres versuchte das Unternehmen mit einem Kapitalschnitt und anschließender Kapitalerhöhung einen Befreiungsschlag. Außerdem sollen die Banken ihre Forderungen stunden, die Zinsen mindern und einen Teil der Schulden in Aktien umwandeln. Oerlikon ist heute nur noch 422 Mio. Franken wert. Vor vier Jahren betrug der Marktwert fast acht Mrd. Franken.

Zum dramatischen Fall der einstigen Industrie-Ikone ist es gekommen, weil der Konzern gleich auf mehreren Geschäftsfeldern von der Finanz- und Wirtschaftskrise voll erwischt wurde. Massive Auftragseinbrüche haben die Sparten Textilmaschinen und Getriebe so weit dezimiert, dass sie heute nicht mehr zum Kerngeschäft zählen. Aber selbst in der zukunftsorientierten Solarsparte läuft es nicht mehr rund. Hinzu kommt, dass Großaktionär Vekselberg sich im Clinch mit den Schweizer Behörden befindet. Das Finanzdepartment in Bern verhängte kürzlich eine saftige Strafe von 40 Mio. Franken gegen Vekselberg, weil der sich angeblich zusammen mit zwei österreichischen Investoren große Aktienanteile an Oerlikon erschlichen haben soll. Vekselberg bestreit die Anschuldigungen.

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