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Olaf Schneider im Interview "Compliance hat Vorrang vor wirtschaftlichen Zielen"

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Geschäft verloren hat MAN trotz der restriktiv erscheinenden Maßnahmen nicht?

Schneider: Nein, wir hatten 2010 eine extreme Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr…

…wie andere Unternehmen mit angeblich intensiver Korruptionsabwehr auch. Wie passt das zusammen: immer umfangreichere Compliance-Programme in deutschen Top-Konzernen auf der einen Seite und trotzdem Export-Erfolge auch in korruptionsbelastete Länder?

Schneider: Wenn Sie ein Produkt mit einem Alleinstellungsmerkmal haben und einen Vorsprung vor den Wettbewerbern, brauchen sie keine dieser ‚kreativen‘ Vertriebsmaßnahmen. Korruption verhindert Innovation. Eine echte gelebte Compliance kann heute sogar als Wettbewerbsvorteil gesehen werden.

Aber so ideal ist die Welt doch nicht. Auch MAN steht im harten Wettbewerb mit seinen Produkten.

Schneider: Ganz ausschließen lassen sich Risiken selbstverständlich nicht, aber auf ein Minimum reduzieren. Eine große Herausforderung im Ausland ist die Zusammenarbeit mit Vertriebsvermittlern, Händlern, Importeuren und  Logistikpartnern. Deshalb machen wir eine Integritätsanalyse aller externer Beteiligter am Vertriebsprozess. Wir haben 2010 mehrere Projekte aus Compliance-Gründen abgelehnt. Auf dem Papier hat MAN dadurch auf dreistellige Millionenumsätze verzichtet, tatsächlich aber Risiken vermieden. Es gibt inzwischen eine Menge Auftraggeber, die Geschäftskultur und Reputation ihrer Länder verbessern wollen. Auf die setzen wir.

Es gibt aber auch Herden schwarzer Schafe selbst bei großen Handelspartnern wie China und Russland - oder Kasachstan, wo sich der 2010 in München verhandelte MAN-Turbo-Korruptionsfall abspielte, der zur Verurteilung des früheren MAN-Turbo-Vorstandschefs Heinz Jürgen Maus führte.

Schneider: In allen Ländern ist Korruption strafbar – aber viele Behörden setzen die einschlägigen Gesetzte nicht um, oder nur dann, wenn es plötzlich politisch opportun ist. Ist MAN in solchen Ländern aktiv, sind wir hellwach. Dabei gilt: Gesetze und interne Richtlinien einzuhalten hat jederzeit Vorrang vor dem Erreichen wirtschaftlicher Ziele.  Ebenso bin ich der Meinung, dass man in allen Ländern der Welt „saubere“ Geschäfte machen kann.

Ist der Index von Transparency International ein qualifizierter Anhaltspunkt, um Korruptionsrisiken in Ländern einzuschätzen?

Schneider: Ja, der TI-Index ist gut und hilfreich.

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