WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Oligarch Sergej Polonski Politiker, Protze und hungrige Kapitalisten

Seite 2/4

Federation Tower in Moskau: Höchstes Haus Europas und Polonskis persönliches Denkmal

Wir sind im ersten schon fertigen Teil des Federation Tower. Am zweiten und größeren wird noch gebaut. Derweil geht den Finanzmärkten das Geld aus. Können Sie Ihr Prestigeprojekt noch fertigstellen?

Natürlich. Die Fläche ist fast komplett verkauft. Viele Deutsche können nicht glauben, dass eine russische Immobilienfirma ein solches Projekt auf die Beine stellt. Sie sehen Bilder und sagen: Das haben die doch mit Photoshop gemacht.

Zurück im Büro lässt Polonski sich von Assistentin Olga ein Album mit Fotos luxuriöser Apartment-Komplexe bringen.

Hier, 100.000 Quadratmeter, fertiggestellt. Und hier, 220.000 Quadratmeter, fertiggestellt und übergeben. Und wenn Sie dieses Projekt hier an der montegrinischen Adria sehen, werden Sie vor Freude weinen. Zeigen Sie mir so etwas anderswo. Sie werden nichts Derartiges finden. Kennen Sie meine Projekte in Miami?

Nein.

Sollten Sie aber.

Wie viel Projekte haben Sie im Zuge der Finanzkrise auf Eis gelegt?

Wir haben kein einziges Projekt gestoppt, das sich im Bau befindet.

Was ist mit neuen Vorhaben?

Die Projekte in der Vor-Investitionsphase haben wir vorläufig ausgesetzt. In naher Zukunft nehmen wir nur die in Angriff, die raschen Cash-Flow versprechen.

Die Kreditklemme wird doch das Wachstum Ihres Unternehmens stoppen.

Vielleicht verzögern, aber nicht stoppen. Mit einer Verzögerung hätte ich überhaupt kein Problem. Ich bin erst 35 Jahre alt, nicht 60 oder 70.

Dennoch wird Polonski unruhig.

Wenn wir eine Finanzierung zu günstigen Konditionen bekommen, werden wir sie nehmen. Wenn nicht, dann nicht. Vielleicht geht es in zwei Jahren weiter, vielleicht erst in drei Jahren.

Sie werden also vorerst nicht mehr wachsen?

Polonski lehnt sich zurück.

Wahrscheinlich nicht.

Was können Sie dann noch tun?

Keine neuen Kredite aufnehmen, nur das bauen, wofür es bereits zu 50 Prozent Käufer gibt, die Effizienz des Unternehmens erhöhen. Bis 2012 wollen wir die Nummer eins unter den Immobilienunternehmen Europas werden sowie Marktführer in einigen EU-Ländern. In Deutschland nicht, dort gibt es bereits viele gute Immobilienentwickler, der Wettbewerb ist sehr hart.

Im Moment wirken solche Wachstumspläne ziemlich utopisch.

Krisen sind Chancen: Die Menschen werden mit schlechten Nachrichten bombardiert.

Polonski imitiert das Geräusch herabsausender Bomben.

Sie sind verunsichert und holen ihr Geld von ihren Konten. In der Schweiz gibt es fast keine Tresore und Schließfächer mehr zu mieten – alles ist belegt. Das ist die Stunde solider Anlageformen wie Immobilien. Allein in dieser Woche hat sich die Zahl der Anfragen bei uns verdoppelt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%