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Online-Handel Amazon wird zur Supermacht im Netz

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Das Amazon Kindle Quelle: REUTERS

"Es ist erstaunlich, wie sich Amazon.com in der vergangenen Dekade gewandelt hat", sagt der deutsche Unternehmer Boris Wertz. Er hat vor ein paar Jahren sein Online-Antiquariat Abebooks an Bezos verkauft. "Amazon hat mit seinem Lesegerät Kindle und dem Cloud-Computing-Service aus eigenem Antrieb ganz neue und überraschende Einnahmequellen geschaffen", lobt der in Vancouver lebende Wertz, inzwischen einer der prominentesten Startup-Investoren Kanadas. "Bei Ebay dagegen hat sich bis auf den Kauf des Online-Bezahlanbieters Paypal kaum etwas verändert."

Seinen Erfolg erklärt Bezos, dessen Vermögen auf rund 18 Milliarden Dollar geschätzt wird, so: "Langfristig denken, damit zu leben, von anderen missverstanden zu werden, und der Wille, neue Dinge zu versuchen, auch wenn das Risiko hoch ist, dass sie nicht funktionieren." Zum Beispiel die damals als idiotisch verlachte Entscheidung von 2001, Amazon.com anderen Online-Händlern zu öffnen. Warum sich bei den ohnehin meist rasierdünnen Margen die Konkurrenz ins Haus holen? Doch der Schritt etablierte Amazon.com als führende Online-Handelsplattform und sicherte den direkten Zugang zum Konsumenten, selbst wenn dieser vom Wettbewerber bedient wurde. Amazon übernimmt das Inkasso, stellt seine Lagerhäuser zur Verfügung und wickelt den Versand ab – alles gegen Gebühr, versteht sich.

Liefer-Flatrate für Amazon-Produkte

Eine weitere verrückte Idee von Bezos, die heute als erfolgreiche Innovation gilt, ist das Liefer-Jahresabo. Gegen eine jährliche Gebühr von 79 Dollar liefert Amazon.com in den USA bestellte Waren innerhalb von zwei Tagen aus, in Deutschland (Jahres-Flatrate 29 Euro) bei werktäglichen Bestellungen sogar am nächsten Tag. Das ist geschickt, weil die Liefer-Flatrate in der Regel nur für Produkte gilt, die von Amazon selbst angeboten werden, aber nicht für die anderen Händler auf der Amazon-Web-Seite. Zudem versüßt Amazon seit Kurzem seinen US-Kunden die Offerte mit in der Mitgliedschaft inbegriffenen Online-Videos via Internet.

Seife im Abo günstiger

Neu ist auch ein Waren-Abo mit einem Treuerabatt von 15 Prozent, bei dem Verbrauchsgüter wie Toilettenpapier, Seife oder Kaffee regelmäßig geliefert werden. Solche Abo-Modelle seien an sich nicht revolutionär, wenn man nur mal an den Bertelsmann-Buchclub denke, sagt Wertz. "Aber im Internet hat das eine ganz andere Dimension." Für Bezos muss der Erfolg der vergangenen Jahre eine Genugtuung sein. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren stand Amazon kurz vor dem Ruin. Das Bargeld wurde knapp, die Gläubiger nervös. Zu offensiv hatte Bezos in den Blütetagen des ersten Dotcom-Booms investiert und seit der Gründung fast drei Milliarden Dollar Verluste angehäuft. Nach dem Absturz der Amazon-Aktie musste er schweren Herzens 1.300 Leute entlassen und ein Abfertigungszentrum schließen. Bezos rettete nur, dass er in den besseren Tagen mehr als eine Milliarde Dollar über Schuldverschreibungen eingesammelt hatte. So konnte er die Durststrecke vom Ende der Dotcom-Blase bis zum neuen Wirtschaftsboom 2003 finanziell durchstehen.

Noch 1999 war er vom US-Magazin "Time" wegen seiner Verdienste als Internet-Pionier zur "Person des Jahres" gekürt worden. Doch dann trauten ehemalige Wall-Street-Kollegen Bezos nicht mehr, rückten ihn in die Nähe eines Finanzhochstaplers. Seitdem Amazon.com es 2003 endlich in die Gewinnzone schaffte und seitdem nur noch schwarze Zahlen geschrieben hat, sind diese Stimmen verstummt.

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