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Online-Handel OBI, ProMarkt & Co. entdecken das Internet

Unter den großen Ladenketten bricht die Web-Euphorie aus. Nach Jahren der Netzabstinenz preschen sie jetzt mit neuen Online-Shops vor. Gelingt der Strategieschwenk?

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Ins Netz gegangen - Die Zeit Quelle: dpa/dpaweb

Jetzt muss die Basis ran: Seit Dienstag dürfen sich die 2500 Mitarbeiter in der Wermelskirchener Zentrale von Deutschlands größter Baumarktkette OBI durchs Kettensägen-Sortiment klicken, Bohrer bestellen und Öfen ordern – zu Schnäppchenpreisen versteht sich. Der Personaleinkauf per Web ist die Generalprobe für den Start von OBIs Online-Shop. Die Kräfte aus dem Bergischen Land sollen dem Heimwerkerportal den letzten Schliff verpassen, bevor er im November auch für die reguläre Kundschaft öffnet.

Mit seiner Online-Offensive liegt OBI-Chef Sergio Giroldi im Trend: Im Handel kommt wieder Web-Euphorie auf. Vom leicht angegrauten Modespezialisten Adler bis zur jugendlichen Marke Zara drängen derzeit zuhauf bekannte Marken ins Internet-Geschäft. Auch Handelshäuser wie Wöhrl, Pohland, WE Fashion oder der Münchner Trachtentraditionalist Lodenfrey wollen im Weihnachtsgeschäft die ersten Internet-Umsätze verbuchen.

Pandas bei der Partnerwahl

Im Herbst starteten der Elektronikhändler ProMarkt, der Dekoanbieter Strauss Innovation und die hessische Supermarktkette Tegut mit ihren Online-Shops. Rewe-Chef Alain Caparros kündigte für 2011 einen Großversuch für den Lebensmittelhandel via Internet an und könnte noch von der SB-Warenhauskette Real überholt werden. Und mit dem Textilhändler Peek & Cloppenburg und den Metro-Elektronikketten Media Markt und Saturn stehen weitere Online-Kandidaten bereit.

Der stationäre Handel drängt mit Macht ins Netz, und langsam scheint sich Schlussverkaufsstimmung breitzumachen: Wer jetzt noch nicht dabei ist, will demnächst starten oder feilt an Konzepten. Wer bereits über das Internet verkauft, weitet sein Angebot aus und stockt das Sortiment auf.

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Standort erkennen

    „Die Ära der Online-Abstinenz neigt sich dem Ende zu“, sagt Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb-Research-Centers der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

    Lange genug hat es gedauert. Nach dem kollektiven Online-Rausch zur Jahrtausendwende folgte vielerorts die Depression, etliche Handelsmanager reduzierten die vermeintlichen Internet-Spielereien auf ein Minimum und besannen sich auf das Kerngeschäft: Gekauft, so das Credo der Branche, werde in der Filiale.

    Beseelt von diesem Glauben agierten viele Handelsgranden im Internet ähnlich engagiert wie Pandabären bei der Partnerwahl: zaudern, zögern, zagen. Dass die Online-Nutzerzahlen und die Übertragungsgeschwindigkeiten seit Jahren steigen, wurde lange ignoriert. Vor allem aber ist die Bereitschaft der Verbraucher gewachsen, im Internet Geld auszugeben.

    „Der eigentliche Tsunami kommt erst noch“, sagt E-Commerce-Forscher Heinemann. Wenn der Bevölkerungsanteil jener Generationen steigt, die mit Google und Facebook aufgewachsen sind, werden auch die letzten Web-Dünkel weichen. Dass der Mix aus technischen und demografischen Veränderungen weiteres Online-Wachstum garantiert, gilt unter Experten daher als ausgemachte Sache.

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