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Opel-Rettung Opel stehen noch harte Verhandlungen mit Magna bevor

Opel hat nach monatelangem Tauziehen ein Etappenziel erreicht: Der deutsche Autobauer gehört künftig dem Zulieferer Magna International und russischen Investoren. Leicht wird es unter den neuen Eigentümern nicht: Die IG Metall rechnet bereits mit harten Verhandlungen.

196 kleine Opelzeichen ergeben Quelle: dpa

Nach mehr als 80 Jahren geht für die Opelaner eine wechselhafte Beziehung zu Ende: Am Mittwoch beschloss der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM)  die Trennung von Opel. Die IG Metall erwartet derweil harte Verhandlungen mit dem künftigen Mehrheitseigner. „Magna ist ein harter, kantiger Arbeitgeber angelsächsischer Prägung“, sagte der Frankfurter IG- Metall-Bezirksvorsitzende und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild. „Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus.“

Die Verhandlungen sollten voraussichtlich bereits in der kommenden Woche aufgenommen werden. „Wir arbeiten mit Magna und Sberbank zusammen, um bis Ende November zu einem Abschluss zu kommen, sagte GM-Verhandlungsführer John Smith. Magna will nach früheren Informationen rund 3000 der mehr als 25.000 Opel-Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Standorte erhalten. Den geheimen Fünf-Jahres-Plan von Magna für Opel können sie exklusiv auf wiwo.de nachlesen.

Magna will 11.500 Stellen streichen

Die Bundesregierung hatte in dem zehn Monate langen Poker zuletzt Unterstützung von 4,5 Milliarden Euro von einer Entscheidung für Magna abhängig gemacht. Magna will europaweit rund 11.500 Stellen bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall streichen - das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz. GM verkauft an den österreichisch-kanadischen Zulieferer und dessen russischen Partner Sberbank 55 Prozent an Opel und behält 35 Prozent. Zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Magna und die Sberbank teilen sich die 55 Prozent je zur Hälfte. Details dazu finden Sie in der Infografik.

IG Metall fordert Gegenleistungen

Die IG Metall will die eingeforderten Milliardenbeiträge der Arbeitnehmer allerdings nicht ohne Gegenleistung bringen. „Unsere Untergrenze ist der Flächentarifvertrag. Wir machen uns schließlich nicht selber Konkurrenz“, sagte Schild. Von Beginn an klar sei gewesen, dass es bei „New Opel“ keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Werks- und Standortschließungen geben dürfe. Es sei auch keineswegs ausgemachte Sache, dass ein Arbeitnehmerbeitrag von 1,2 Milliarden Euro tatsächlich nur einem Unternehmensanteil von 10 Prozent entspreche.

Die Bundesregierung hat für den Opel-Verkauf an ihren Wunschkandidaten Magna keine neuen Zugeständnisse an GM gemacht. Es gebe keine weitergehenden Verpflichtungen für den Steuerzahler, hieß es aus Regierungskreisen. Die Opel-Treuhand, bei der der Mehrheitsanteil liegt, billigte das Geschäft umgehend. Das bedeute nicht, dass Opel gerettet sei, betonte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. „Alle wissen, dass viel Arbeit vor uns liegt.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Opposition den Magna-Deal kritisch sieht

Kritische Töne aus Opposition

Während Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Verkauf als „erfreuliches Signal“ begrüßte, kamen aus Reihen der Opposition kritische Töne. Nach Guttenbergs Ansicht bietet der Verkauf die Chance, dass sich Opel restrukturiert und auf den Märkten wieder als Wettbewerber auftreten kann. „Aber das erfordert viel Arbeit, und das ist jetzt nicht Grund zur Euphorie“, sagte Guttenberg am Donnerstagabend im ZDF-“heute journal“.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle äußerte dagegen Zweifel am Verkauf und forderte die Bundesregierung zur Offenlegung sämtlicher Vorverhandlungsunterlage n auf. Die Arbeitsplätze seien überhaupt nicht gerettet. „Das ist in Wahrheit nichts anderes als eine Maßnahme zur Stärkung der eigenen Regierungsparteien bei der Bundestagswahl“, kritisierte er im ZDF.

Magna verspricht Trennung zwischen Opel und Zulieferbereich

Ausgerechnet zwei Vertreter Deutschlands trugen im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf an Magna nicht mit. Der bei Conti als Sanierer bekanntgewordene Manager Manfred Wennemer stimmte dagegen, der Insolvenzexperte Dirk Pfeil als Vertreter der Länder mit Opel-Standorten enthielt sich. In seiner Begründung ließ es Wennemer an Deutlichkeit und scharfer Kritik nicht fehlen. Er bezweifelte, dass sich Opel am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde. Mit 1,5 Millionen Autos produziere das neue Unternehmen im Jahr 2012/13 „viel zu wenig, um effizient zu sein“.

Magna will nach dem angekündigten Kauf von Opel Interessenskonflikte mit seinen Kunden vermeiden. „Sobald die Übernahme erfolgreich abgeschlossen ist, wird Magna angemessene 'Firewalls' errichten, um eine vollständige Trennung zwischen dem laufenden Autozuliefergeschäft und Opel zu garantieren, so dass vertrauliche Kundeninformationen umfassend geschützt bleiben“, teilte Magna-Chef Frank Stronach mit. Der Magna-Kunde Volkswagen hatte vor kurzem angekündigt, bei der Vergabe von neuen Aufträgen genau zu prüfen, ob mit dem Zusammenschluss des Rüsselsheimer Autobauers und Magna Wettbewerbsnachteile für VW entstünden.

Magna will den deutschen Autobauer nach eigenen Angaben in eine erfolgreiche Zukunft führen. „Das Konsortium freut sich, dass sein Plan für Opel General Motors zufriedengestellt hat“, sagte Magna- Vizechef Siegfried Wolf. Der Zulieferer und die Sberbank bedankten sich bei sich bei der deutschen Regierung für ihre Unterstützung und bei GM für die „konstruktive Atmosphäre“ bei den Verhandlungen. Nach Angaben aus Regierungskreisen entschied sich GM letztlich aus finanziellen Gründen für die Trennung von Opel. Eine Sanierung des deutschen Herstellers habe GM nicht stemmen können. Die US-Regierung habe nicht erlaubt, dass Geld aus den 50 Milliarden Dollar Staatshilfen in Europa verwendet würde

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